„American Hustle“ ist köstlich: Hier haut jeder jeden übers Ohr

13.02.2014 18:40 Uhr

Gauner, Politiker, FBI-Agenten: In der Komödie ‚American Hustle‘ belügt jeder jeden und sich selbst obendrein. Ein berauschendes Verwirrspiel mit herausragender Besetzung.

Dieser Film gilt als einer der großen Favoriten für die Oscar-Verleihung im März. Die Satire ‚American Hustle‘ (etwa: „Amerikanische Geschäftigkeit“) ist für zehn Academy Awards nominiert, unter anderem für die Regie, das Drehbuch, vier Haupt- und Nebenrollen sowie als bester Film. Zu Recht.

Die Komödie ist ein berauschendes Verwirrspiel.

Und der Plot steckt voller Überraschungen. Und die Besetzung besteht aus einigen der stärksten Darsteller, die Hollywood zu bieten hat, darunter Amy Adams (‚The Master‘), Christian Bale (‚American Psycho‘), Bradley Cooper (‚Hangover‘), Jennifer Lawrence (‚Die Tribute von Panem‘) und – effektvoll eingesetzt in einer kleinen Nebenrolle als Mafia-Pate – Robert De Niro.

Der Film beginnt am 28. April 1978. Die Geschichte persifliert den damaligen Abscam-Skandal, der als verdeckte Operation des FBI in Kooperation mit einem Trickbetrügerpaar begann. Schnell waren darin nicht nur Agenten und Gauner verstrickt, sondern auch zahlreiche Politiker. Das Datum beschreibt zudem ein wichtiges Element der Komödie. Allein die opulente Ausstattung bereitet viel Sehvergnügen. Alles ist auf die späten Siebziger getrimmt: Mode, Möbel, Frisuren.

Haare als Quell des Humors? Aber ja! Vor allem bei den Herren. Christian Bale kämpft als Trickbetrüger Irving Rosenfeld gleich in der Eröffnungsszene so ausufernd mit seinem Toupet, dass sich mancher Zuschauer jäh in einer Slapstick-Show wähnen mag. Und FBI-Agent Richie DiMaso (Bradley Cooper) trägt zu Hause bei Mutti, wo er noch wohnt, gern viele kleine Lockenwickler. Auch sein Minipli-Look ist zum Brüllen komisch.

Die künstliche Matte auf dem Kopf sorgt bei den beiden offenbar für krause Ideen im Hirn. Denn in den Kreisen, in denen sie sich bewegen, gehören kleine und große Schwindeleien fast schon zum guten Ton – und das, obwohl einer von ihnen auf der Seite des Gesetzes steht und der andere nicht. So richtet sich diese Satire gegen jenen Geschäftssinn der Amerikaner, der jedes Mittel heiligt, das einem angeblich höheren Zweck nutzen soll. Denn was darunter zu verstehen ist, das interpretiert natürlich jeder gern auf eigene Weise. Diesen opportunistischen Egoismus nutzt die Komödie für einen erfrischend ironischen Blick auf die Gesellschaft. In diesem Film lügen und betrügen einfach alle. Keiner ist besser als der andere.

Vor allem Irving Rosenfeld ist Trickbetrüger aus Leidenschaft. Seine Lust an den Schwindeleien wächst noch, als er bei einer Pool-Party die atemraubende Sydney Prosser (Amy Adams) kennenlernt. Er verliebt sich in sie und weiht sie in seine Machenschaften ein. Die galante junge Frau setzt geschickt ihren Charme ein, um Menschen zu übertölpeln. Gemeinsam führen sie ihre krummen Geschäfte zu neuem Erfolg. Bis die beiden eines Tages von FBI-Agent DiMaso erwischt werden.

Um sich Straffreiheit zu erkaufen, lassen sie sich auf ein gefährliches Spiel ein: Sie sollen der Behörde helfen, andere Betrüger zu überlisten und dingfest zu machen. Die Agenten wollen so den großen Fischen der Wirtschaftskriminalität auf die Schliche kommen. Ehe sie sich’s versehen, geraten Irving und Sydney zwischen die Fronten. Und aus Wut über das Techtelmechtel der beiden, mischt sich dann auch noch ausgerechnet Irvings exzentrische Frau Rosalyn (Jennifer Lawrence) in die vertrackte Geschichte ein.

Der Film von US-Regisseur David O. Russell (‚Three Kings‘, ‚The Fighter‘, ‚Silver Linings‘) hat zwar kleine Schwächen, vor allem seine Länge: Die Geschichte ließe sich sicher in weniger als 138 Minuten erzählen und würde dadurch noch an Tempo gewinnen. Aber durch den wahnwitzigen realen Hintergrund, auf dem sie lose beruht, und die herausragenden Schauspieler – allen voran Amy Adams – dürften sich die allermeisten Kinogänger hervorragend von dieser Satire unterhalten fühlen. (Franziska Bossy, dpa)

Fotos: Tobis