Ab 3. November in den deutschen Kinos„Amsterdam“: Hat sich die harte Arbeit zum Film wirklich „gelohnt“?

Burt (Christian Bale) und Valerie (Margot Robbie) werden in ein Mordkomplott verstrickt. (kms/spot)
Burt (Christian Bale) und Valerie (Margot Robbie) werden in ein Mordkomplott verstrickt. (kms/spot)

20th Century Studios/Disney

SpotOn NewsSpotOn News | 02.11.2022, 18:34 Uhr

Stargespickt wie selten nimmt Regisseur David O. Russell die Kinobesucher in "Amsterdam" mit in die USA der 1930er. Dort geraten Christian Bale, Margot Robbie und Co. in ein Mordkomplott, das ein dunkles Kapitel der US-Geschichte beleuchtet.

Sind Oscar-Schmied David O. Russell (64) und Wandlungswunder Christian Bale (48) am Werk, strömen Film-Fans für gewöhnlich zu Hauf in die Kinos.

Für „Amsterdam“, der am 3. November im Kino startet, haben sich die zwei Hollywood-Größen einmal mehr zusammengetan und über fünf Jahre hinweg an der Umsetzung des komödiantischen Thrillers geschraubt. Aber hat sich die viele Arbeit auch gelohnt?

Hinter jeder Ecke lauert ein Star – darum geht es

Zu Zeiten des Ersten Weltkriegs treffen der Arzt Burt (Christian Bale), Soldat Harold (John David Washington, 38) und Krankenschwester Valerie (Margot Robbie, 32) an der Front aufeinander und schließen einen Pakt: Freunde für immer, was auch passiert! Und das ist nicht wenig: Gezeichnet von Narben – sichtbare wie unsichtbare – stolpert das Trio Jahre später in New York in einen Kriminalfall, der Intrigen spinnt, ebenso wie irrwitzige Dialoge. Der Bonus: Hinter jeder Ecke lauert ein neuer Star, der zur Aufklärung oder Vertuschung des Falls bereitsteht.

Das sind etwa Robert De Niro (79), Chris Rock (57), Mike Myers (59) und Rami Malek (41). Sogar Popstar Taylor Swift (32) hat eine kleine, aber alles andere als unbedeutende Rolle, die den ein oder anderen Kinobesucher plätten könnte. Im Zentrum stehen drei Freunde, die nach den Erlebnissen des Krieges in Amsterdam ein neues Leben beginnen und dieses in Tanzlokalen und mit Gesangseinlagen (auf Französisch!) feiern. Das „Amsterdam-Gefühl“ überlebt New York nicht. Ein mysteriöser Unfall macht den heimgekehrten Burt zum Mordverdächtigen, und das Trio begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit.

Plot beruht auf wahren Begebenheiten

Die Spurensuche nimmt die Kinobesucher mit in die amerikanische Geschichte. 1933 versuchten Verschwörer im sogenannten „Business Plot“ die US-Regierung zu stürzen und einen Diktator an die Stelle von Franklin D. Roosevelt (1882-1945) zu setzen. Vor diesem düsteren Hintergrund setzt der Film-Plot rund um den Arzt Burt an. Glasauge, Narben und Mordverdacht zum Trotz spielt er den Optimismus auf zwei hinkenden Beinen und fragt Kumpel Harold regelmäßig: „Wie sehe ich aus?“ Unwillkürlich kommen Gedanken an Peter Falk (1927-2011) auf, der den Großteil seines Lebens ein Glasauge trug und den ikonischen Detektiv „Columbo“ mimte. Zwischen den Ermittlungen findet Burt stets Zeit, an neuartigen Medikamenten zu forschen und die skurrilen Wirkungsweisen an sich selbst zu testen, was immer mal wieder für Schmunzeln sorgt.

Darin liegt aber die ganze Krux des Films, der nicht so recht zu wissen scheint, was er eigentlich sein will: Krimikomödie oder Film Noir, Gangsterstreifen oder Thriller? Von allem ist etwas dabei, und das macht die zwei Stunden und 14 Minuten unübersichtlich und bisweilen sogar wirr. An Einsatz mangelt es Bale beileibe nicht, schultern kann er die Story aber auch nicht allein. Stütze ist sicherlich Margot Robbie, die ihrer Figur Farbe oder vielmehr einen skurrilen Anstrich verleiht. So frönt Krankenschwester Valerie einem ungewöhnlichen Hobby: Aus Granatsplittern, die sie ihren Patienten aus dem Leib pult, macht sie Kunst – etwa in Form eines Teeservices. Burts Meinung dazu: „Sie ist brillant, aber komplett irre!“

Da blitzt es wieder auf, das Potenzial des Films, die Kraft der Freundschaft auf die Leinwand zu zaubern. Stattdessen plätschert „Amsterdam“ in gemächlichen Wellen und diversen Handlungssträngen dahin. Mit einer der letzten Szenen im Film werden die Zuschauer noch einmal wachgerüttelt. Robert De Niro hält am Ende eine flammende Rede über Liebe und Hass, die Kinobesucher unweigerlich an die jüngst vergangenen Geschehnisse der US-Geschichte erinnert: Als Trump-Anhänger das Kapitol in Washington stürmten. Die Auflösung des Kriminalfalls, der sich als gigantische Verschwörung entpuppt, gerät da fast in den Hintergrund.

Fazit

Fans der 1920er und 1930er kommen in Sachen Ausstattung und Kostüme voll und ganz auf ihre Kosten. Auch Christian Bale als Columbo-Verschnitt und Margot Robbie als kunstfertige Krankenschwester sorgen für Schmunzeln und die ein oder andere überraschende Note. Die übrigen Stars, allen voran Rami Malek, ploppen an den ungewöhnlichsten Stellen auf und verpuffen ebenso schnell wieder. Wer einen rasanten Kriminalfall mit Star-Esprit erwartet, sollte sich einen bequemen Kinosessel suchen und vielleicht einen Agatha-Christie-Roman in der Tasche haben.