22.03.2020 19:10 Uhr

Angela Merkel in Quarantäne

imago images / Jens Schicke

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) muss sich in häusliche Quarantäne begeben. Das teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Sonntagabend mit.

Die Kanzlerin sei nach ihrem Presseauftritt um 17.30 Uhr am Abend im Bundeskanzleramt unterrichtet worden, dass sie Kontakt zu einer Person gehabt habe, die unterdessen positiv auf das Coronavirus getestet worden sei. Dabei handele es sich um den Arzt, der die Kanzlerin am Freitag prophylaktisch gegen Pneumokokken geimpft hatte. Regierungssprecher Seibert erklärte dazu weiter: „Auch aus der häuslichen Quarantäne wird die Bundeskanzlerin ihren Dienstgeschäften nachgehen.“

Neue Maßnahmen

Seibert weiter: Merkel werde sich „in den nächsten Tagen regelmäßig testen lassen, weil ein Test jetzt noch nicht voll aussagekräftig wäre“.

In einer Presserklärung am frühen Abend verordnete Merkel eine drastische Kontaktsperre. Treffen von mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit werden für mindestens zwei Wochen in der gesamten Bundesrepublik verboten. Dabei solle ein Mindestabstand von 1,5 Meter gewahrt bleiben. Merkel erklärte  unmissverständlich, es handle sich dabei um Regeln, nicht um Empfehlungen. Die Polizei werde auf ihre Einhaltung achten.

Verstöße gegen die Kontakt-Beschränkungen sollen von den Behörden und der Polizei überwacht und bei Zuwiderhandlungen auch entsprechend sanktioniert werden.

Wortlaut des Beschlusses

1. Die Bürgerinnen und Bürger werden angehalten, die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren.

2. In der Öffentlichkeit ist, wo immer möglich, zu anderen als den unter I. genannten Personen ein Mindestabstand von mindestens 1,5 m einzuhalten.

3. Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands gestattet.

4. Der Weg zur Arbeit, zur Notbetreuung, Einkäufe, Arztbesuche, Teilnahme an Sitzungen, erforderlichen Terminen und Prüfungen, Hilfe für andere oder individueller Sport und Bewegung an der frischen Luft sowie andere notwendige Tätigkeiten bleiben selbstverständlich weiter möglich.

5. Gruppen feiernder Menschen auf öffentlichen Plätzen, in Wohnungen sowie privaten Einrichtungen sind angesichts der ernsten Lage in unserem Land inakzeptabel. Verstöße gegen die Kontakt-Beschränkungen sollen von den Ordnungsbehörden und der Polizei überwacht und bei Zuwiderhandlungen sanktioniert werden.

6. Gastronomiebetriebe werden geschlossen. Davon ausgenommen ist die Lieferung und Abholung mitnahmefähiger Speisen für den Verzehr zu Hause.

7. Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege wie Friseure, Kosmetikstudios, Massagepraxen, Tattoo-Studios und ähnliche Betriebe werden geschlossen, weil in diesem Bereich eine körperliche Nähe unabdingbar ist. Medizinisch notwendige Behandlungen bleiben weiter möglich.

8. In allen Betrieben und insbesondere solchen mit Publikumsverkehr ist es wichtig, die Hygienevorschriften einzuhalten und wirksame Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter und Besucher umzusetzen.

9. Diese Maßnahmen sollen eine Geltungsdauer von mindestens zwei Wochen haben.