28.08.2020 00:49 Uhr

Angst vor der Angst – wenn der Alltag zur Herausforderung wird

Angst ist ein menschliches Grundgefühl. Ein überlebensnotwendiges Phänomen, das in Gefahrensituationen das Verhalten verändert. Der Auslöser kann eine reale Gefahr sein oder eine Situation, die die betroffene Person als Bedrohung empfindet.

Shutterstock / Tero Vesalainen

Dies können Ausnahmesituationen sein wie extreme Höhe oder eine Flugreise, die nicht zum Alltag eines jeden Menschen gehören müssen. Die Betroffenen haben die Wahl, eine solche Situation zu vermeiden, sich ihr bewusst zu stellen oder Hilfe durch eine Therapie zu finden. Ganz anders sieht es aus, wenn die Person von der Angst selbst überrascht wird. Es gibt keinen offensichtlichen Auslöser. Trotzdem reagiert der Körper wie in einer Gefahrensituation.

Der Weg von Unsicherheit bis in die Angstspirale

Ein Beispiel: Das Anstehen an der Supermarktkasse sorgt plötzlich für innere Unruhe und Schweißausbrüche. Die Hände zittern sichtbar. Und nicht zuletzt verraten Augen und Stimme die Unsicherheit. Daraufhin möchte die Kassiererin einen genauen Blick in die Einkaufstasche werfen und mustert die Person unverhohlen kritisch. Ein Respektverlust, der die Krise nur noch verschlimmert. Eine unausgesprochene Verdächtigung, die ihre Spuren hinterlassen wird.

Es kostet Überwindung

Ab sofort ist der wöchentliche Einkauf nichts Alltägliches mehr. Es kostet Überwindung, sich der Situation erneut zu stellen. Schnell findet sich etwas, das wichtiger ist und unbedingt erledigt werden muss. Das klassische Vermeidungsverhalten.

Je länger die erwartete Stresssituation hinausgezögert wird, desto mehr steigert sich die Angst vor der eigenen Unsicherheit und der Reaktion der anderen. Gespielt sicheres Auftreten kann auch unfreundlich oder arrogant wirken. Eine Bemerkung des Gegenübers genügt, und schon ist die Tarnung aufgeflogen. Die Angstsymptome nehmen zu, ebenso wie die Verzweiflung der Betroffenen.

Flucht ist nicht von langer Dauer

Eine Arbeitskollegin hat die Szene im Supermarkt beobachtet und schon macht in der Firma die Runde, dass der Kollege/die Kollegin an der Kasse immer sehr genau kontrolliert wird – sicher nicht ohne Grund. Kaum eine Woche später vermisst jemand einen 20-Euro-Schein. Die Kommentare lassen nicht lang auf sich warten. Eine Krankschreibung scheint der einzige Ausweg zu sein. Doch die Flucht ist nicht von langer Dauer. Nach einer Woche dann erscheint eine Rückkehr an den Arbeitsplatz so gut wie unmöglich. Der erhoffte Erholungseffekt ist ausgeblieben.

Inzwischen traut sich der/die Betroffene kaum noch aus dem Haus. Die Gedanken kreisen Tag und Nacht um das Thema – eine Lösung ist nicht in Sicht. Nach mehreren Wochen Schlafmangel stellt sich ein Zustand psychischer und physischer Erschöpfung ein. Der Lebensmut schwindet.

Angststörungen erkennen und rechtzeitig handeln

Die möglichen Gründe, warum die Person aus dem Beispiel in einer alltäglichen Situation plötzlich überfordert ist, sind vielfältig. „Angst […] hat tausend Gesichter“, sagt der Angst-Experte Dr. Jan Martin auf der Website angst-verstehen.de. Menschen mit Angsterkrankungen fühlten sich häufig minderwertig und führten ein eingeschränktes Leben, das zu Depressionen und Suchtverhalten führen könne. Enorm wichtig sei es, dem Kreislauf der Angst zu entkommen und zu lernen, das Leben wieder zu lieben.

Der Artikel beleuchtet einen anderen Aspekt: die Scheu vor Psychopharmaka. Die Unterscheidung zwischen einer Verstimmung und einer Depression stellt einen weiteren Themenschwerpunkt dar. (KTAD)

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