Mittwoch, 4. Juli 2018 11:22 Uhr

Anne-Catrin Märzke: „Empfänger unbekannt“

Schauspielerin Anne-Catrin Märzke ist in der Szenischen Lesung „Empfänger Unbekannt“, die am 5. Juli Premiere in München feiert, nicht nur in einer Doppelrolle zu sehen, sondern war für das Projekt auch als Produzentin und Künstlerische Leitung tätig.

Anne-Catrin Märzke: "Empfänger unbekannt"

Foto: Urban Ruths

Es ist das kürzeste Drama aller Zeiten. In 18 Briefen und einem Telegramm wird die Geschichte der beiden Deutschen Martin Schulze und Max Eisenstein erzählt, zwei Freunden, die Anfang des 20. Jahrhunderts eine gemeinsame Kunstgalerie in San Francisco betreiben.

Wie bist du auf die Idee gekommen „Empfänger Unbekannt“ als szenische Lesung auf die Bühne zu bringen?
„Empfänger Unbekannt“ ist schon seit geraumer Zeit eines meiner Lieblingsbücher und gleichzeitig ein literarisches Meisterwerk von beklemmender Aktualität, das dieses Jahr 80. Jubiläum feiert. Es ist selten, dass man ein komplettes Buch am Stück durchlesen kann, aber „Empfänger Unbekannt“ eignet sich als eines der kürzesten Dramen aller Zeiten hervorragend dazu. Was es außerdem noch so besonders für mich macht, ist, dass ich zum ersten Mal eine Hosenrolle und Doppelrolle spiele. Das heißt, ich bin nicht nur Max, der jüdische Junggeselle aus San Francisco, sondern verkörpere auch seine Schwester Gisela, die junge, aufstrebende Schauspielerin aus Wien. Aber auch der moralische Aspekt reizt mich. In der heutigen Zeit ist Geschichtsunterricht wichtiger denn je und sollte ganz oben auf den Schulplänen stehen, damit sich Fehler aus der geschichtlichen Vergangenheit nicht wiederholen. Indem ich die politisch verformte Freundschaft zwischen Max, Gesila und Martin auch anderen Menschen näherbringe, erhoffe ich mir aufzeigen zu können, dass es zwischen damals und heute viele Parallelen gibt. In einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Spaltung und politischer Unruhen können wir mit „Empfänger Unbekannt“ von der Macht und Gefahr der Worte berichten, die dieses Buch wie kein anderes beschreibt.

Hattest du vorher schon Berührungspunkte mit dem Thema?
Die Jugendzeit meiner Großeltern, die 30er und 40er Jahre haben mich schon immer gebannt. Mein Opa der noch mit über 80 Jahren mitten in der Nacht aus dem Bett gesprungen ist, weil er wieder geträumt hat, dass er in den Schützengraben springen muss, hat mir schon als kleines Kind gesagt, dass es so etwas Schlimmes wie Krieg nie wieder geben darf. Seine Kriegsgeschichten haben mich nachhaltig geprägt.

Neben deiner Doppelrolle bist du auch noch als Produzentin und Künstlerische Leitung der Produktion tätig. Wie hast du dich darauf vorbereitet?
Im Großen und Ganzen habe ich ein Jahr fu?r die Lesung recherchiert. Ich habe viel Literatur aus der Zeit gelesen und mich auch mit Philatelie bescha?ftigt. Briefmarkenkunde ist ein wirklich interessantes und weites Feld. Im Zuge der Recherchearbeit habe ich sogar einen Spezialisten aus Hannover kennengelernt, der mich in enger Zusammenarbeit bei der Rekonstruktion der historischen Briefe beraten hat. Außerdem habe ich mit meinem großartigen Kollegen Thaddäus Meilinger und unserer Regisseurin Luise Schubert tolle Partner an meiner Seite um dieses Herzensprojekt realisieren zu ko?nnen.

Wann können wir die Lesung sehen?
Am 5. Juli feiern wir Premiere im Ägyptischen Museum München. Und ab dem 27. September sind wir regelmäßig im Theater unterm Dach Berlin zu sehen. Alle weiteren Termine und News gibt es unter: empfänger-unbekannt.de

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