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Sonntag, 24. März 2019 21:28 Uhr

Annett Louisan über das Muttersein und ihre größten Ängste

Foto: Christoph Köstlin

Um Annett Louisan (40) ist es in den letzten Jahren ziemlich still gewesen. In der Zwischenzeit ist viel im Leben der zierlichen Sängerin passiert. So wurde sie Mutter einer kleinen Tochter. In ihrer neuen Rolle als Mama der kleinen Emmylou Rose geht die „Das Spiel“-Sängerin voll auf, verriet sie im Gespräch mit klatsch-tratsch.de.

Annett Louisan über das Muttersein und ihre größten Ängste

Foto: Christoph Köstlin

Dein neues Album „Kleine große Liebe“ steht in den Startlöchern …
Mein letztes Studioalbum habe ich vor fünf Jahren veröffentlicht. Seitdem ist viel passiert in meinem Leben. Ich bin 40 Jahre alt geworden, Mutter und hoffentlich auch etwas klüger. Ich habe mich intensiv mit mir, meiner Vergangenheit und meiner Familie befasst, mir viele Fragen gestellt. Was haben die letzten 20 Jahre mit mir gemacht und was will ich mit den nächsten 20 anfangen? Ich glaube, es geht vielen Menschen an diesem Punkt im Leben so ähnlich und diese Zeit war sehr intensiv und inspirierend für mich. Deshalb habe ich mich entschieden, meine ganze Geschichte zu erzählen und ein Doppelalbum zu veröffentlichen, um das große Bild zu zeichnen, die kleinen Details und die bunten Pinselstriche.

Du bist in der Zwischenzeit Mutter geworden. In wie fern beeinflusst dich das in deiner Musik?
Das Mutter-Sein hat jeden Bereich in meinem Leben beeinflusst und auch sehr bereichert. Überall entdecke ich plötzlich neue kleine Puzzlestücke auf der Reise zu mir selbst. Die Liebe zu meiner Tochter höre ich natürlich auch in meinen Liedern. Ich wollte aber kein reines „Mutti-Album“ schreiben. Die eine Seite von „kleine große Liebe“ ist vor der Geburt meiner Tochter entstanden und gerade das finde ich sehr spannend. Es waren Übergangsjahre, die nicht immer leicht sind, aber sehr schön und wichtig für den nächsten Entwicklungsschritt.

Quelle: instagram.com

Das klingt sehr lebensbejahend …
Ich weiß, dass es nie wieder in meinem Leben keine Liebe mehr geben wird, denn ich werde immer Liebe für meine Tochter empfinden. Das ist ein wunderschöner Zukunftsausblick und das macht mich sehr glücklich.
Das was ich mache ist Politik im Kleinen. Ich singe über Menschen und ich versuche, das auch nicht mit einem erhobenen Zeigefinger zu tun. Ich bin kein Vorbild und ich möchte auch keine Art Lehrer sein, sondern ich erzähle Geschichten.

Ich habe kein Interesse daran die Welt immer nur heil zu zeichnen, denn das würde die Menschen auch nicht berühren, wenn wir ehrlich sind. Ich möchte alles so besingen, wie ich sehe oder wahrnehme. Je mehr ich ich bin, desto näher bin ich auch meinem Publikum. Dazu gehört für mich auch die Hoffnung und Fähigkeit, vom positivsten Fall ausgehen zu können. Meine Aufgabe ist es nun auf mein Kind zu achten und es mit den richtigen Werten und Idealen auszustatten.

Die erste Single aus deinem neuen heißt „Die schönsten Wege sind aus Holz“. Wie kommt man auf so einen Titel?
„Die schönsten Wege sind aus Holz“ ist eine Art Schlüsselsong für mein neues Album. Er ist als letztes entstanden und eröffnet meine Rückkehr auf die Bühne. Ein Lied über die Suche und das Finden des persönlichen Glücks.
Das Leben kann manchmal echt hart sein und Berg-und Talfahrten bereithalten. Eine gewisse Selbstfreundlichkeit und Humor sind sehr hilfreich. Hass und Bitterkeit tun niemandem gut, auch wenn der Ursprung immer die Liebe ist. Beim Albumtitel „Große kleine Liebe“ geht es darum, dass man Liebe nicht auseinander nehmen soll und das in jedem Detail Liebe steckt. Der Mensch ist ambivalent und die Liebe hilft uns, das auszuhalten.

Seit deinem ersten Album sind 15 Jahre vergangen. In der Musikindustrie haben sich viele Dinge verändert. Was sind deiner Meinung nach die größten Veränderungen? 
Als ich damals mein mit meinem ersten Album „Bohème“ herausgekommen bin, gab es gerade mal ganz frisch iTunes und Downloads. Ich kann mich noch erinnern, dass nach Konzerten Leute zu meinen Autogrammstunden mit gebrannten CDs gekommen sind und ich mir dachte: „Das ist jetzt nicht dein Ernst.“ (lacht)

Ich bin kein Verweigerer von Fortschritt oder Veränderung. Das Leben ist Veränderung und das muss auch so sein. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass gerade in unserer schnelllebigen Gesellschaft, der Zeit von wahllos zusammengestellten Playlists auch ein Bedürfnis besteht, sich Zeit für Inhalte zu nehmen. Gewisse Dinge sind zeitlos.

Annett Louisan über das Muttersein und ihre größten Ängste

Foto: Christoph Köstlin

Eine der größten Veränderungen seit deinem Karrierestart ist das Internet mit seinen sozialen Medien. Wie gehst du mit Kritik und Hasskommentaren um? 
Facebook und Instagram geben mir als Musikerin die Möglichkeit schneller und direkter mit meinem Publikum zu kommunizieren. Informationen auszutauschen mit den Leuten, die es interessiert. Das ist toll. Früher hat man mal vielleicht einen bösen Brief bekommen, aber heute ist das ja alles öffentlich. Ich weiß es sehr wohl einzuschätzen, dass das Internet jedem eine Stimme gibt und gerade die Kritiker am aktivsten sind.

Ich versuche, das nicht so persönlich zu nehmen. Es ist ja auch oft nichts Persönliches, sondern es geht um den Menschen, der das gerade schreibt, der gerade schlechte Laune hat oder dem etwas wiederfahren ist, was eigentlich nichts mit mir zu tun hat. Wenn ich mir das als Künstlerin alles so reinziehen würde, dann ginge es mir bestimmt sehr schlecht. Das habe ich in der Zeit gelernt. Trotzdem habe ich meine Kritiker, die ich schätze, in meinem wirklichen persönlichen Umfeld.

Quelle: instagram.com

Mit welchen Emotionen denkst du an deine Teilnahme bei „Sing my Song“ zurück?
Oh, das war eine sehr besondere Zeit in Südafrika. Es war sehr intensiv und wir sind uns alle nahe gekommen. Es war aber auch ein sehr spezieller Zeitpunkt für mich in meiner Karriere. Ich war damals ziemlich auf der Suche und wusste noch nicht genau wonach. Wenn ich heute auf diese Zeit blicke, macht das alles total Sinn. Es war der Anfang von etwas ganz Neuem und das Ende meiner sehr weit ausgedehnten Jugendzeit. Die „große Liebe“ entstand gerade, dann habe ich eine kleine Zwischenstation eingelegt und das Coveralbum „Berlin, Kapstadt, Prag“ aufgenommen, und dann kam 2. Teil meines Doppelalbums.

Auf jeden Fall. Wir werden uns alle nie wieder vergessen. Von den Jungs von Bosshoss bis zu Nena und Samy. Ich habe sogar „Herz gebrochen“ – den Song, den ich in der Sendung interpretiert habe – für mein Album aufgenommen, weil ich den so verinnerlicht habe. Da weiß ich auch, dass wir in der Zukunft mehr miteinander arbeiten. Wir haben alle ein Auge aufeinander.

Nach der Sendung wurdest du Mama und es wurde ruhig um dich. Setzt du dich unter Erfolgsdruck?
Ich habe mein erstes Jahr als Mama so sehr genossen, dass ich gar nichts anderes als Mama sein wollte. Ich bin dankbar dafür, dass nichts mich innerlich und äußerlich gestresst hat. Keine Existenzsorgen oder die Angst etwas zu verpassen. Ich habe mich in der Zeit auch nicht nach der Bühne gesehnt, da ich wusste, dass das früh genug wieder losgeht. Und wenn man nicht mal zwei Jahre weg sein kann, ohne von den Menschen vergessen zu werden, dann macht das alles sowieso keinen Sinn. Dann soll es wohl auch so sein.

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Könntest Du dir vorstellen Jurorin in einer Castingshow zu sein?
Der Fokus liegt bei mir auf der Musik. Ich bin Musikerin und das ist das, was ich mache und was ich gut kann. Ich habe das Gefühl sich manchmal etwas zurückzuziehen und nicht ständig präsent zu sein hat mir immer geholfen. In den Momenten konzentriert zu sein und in all meine Dinge hineinfließen zu lassen. Das war immer ein ganz guter Weg.

In kürze startet deine Tour und da wirst Tour und da wird auch deine Kleine mit dabei sein …
Auf meiner letzten Tour war Emmylou schon dabei – in meinem Bauch. Damals war ich im siebten Monat schwanger. Das war natürlich etwas ganz Besonderes und das kann man gar nicht vergleichen. Wie es wird muss ich noch gucken. Ich weiß nur, dass ich sie nicht zuhause lassen kann und will. Das würde ich überhaupt nicht aushalten und deshalb nehme ich sie mit. sie ist noch klein genug und wir werden es uns schön machen und es als Abenteuer sehen.

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Wie würdest du dazu stehen, wenn deine Tochter später einmal wie du Sängerin werden wollen würde? 
Wenn es sie glücklich macht und es das ist, was sie mal machen will. Ich werde sie in allem unterstützen, aber sie muss das nicht. Ich glaube, der enorme Erfolgsdruck, dem Kinder ausgesetzt sind, ist bedenklich. Sie haben schon in jungen Jahren ein hohes Leistungspensum zu erfüllen. Ich kann mich noch erinnern, dass wir als Kinder noch sehr viel mehr Freizeit hatten und nicht den ganzen Tag mit Schularbeiten oder Förderkursen verbracht haben.

Ich finde das Kinder so lange Kindsein sollten, wie sie nur können. Also auch von diesem Stress ferngehalten werden sollten. Irgendwann beginnt es ja so oder so. Das, was von den jungen Menschen heute abverlangt wird, ist ganz schön heavy. Allerdings spiegeln unsere Kinder auch unsere Gesellschaft wieder. Längst nicht alle Kinder werden gefördert. Auf der anderen Seite sitzen sie den ganzen Tag vorm Computer und spielen. Das habe ich damit natürlich nicht gemeint. Aber spielen ist wichtig, mit Gedanken, mit Worten, mit anderen Kindern.

Deine Musik ist in den Medien allgegenwärtig und das Interesse an deiner Person ziemlich groß. Allerdings weiß man eigentlich gar nicht so viel über dein Privatleben. Wie schaffst du das?
Ich glaube so wie man den Menschen begegnet, begegnen sie einem auch. Beispielsweise wenn ich zum Bäcker gehe. Würde ich mit einem riesigen Schlapphut auftauchen und eine riesige Welle um mich machen, dann wären die Leute um mich herum bestimmt auch alle sehr aufgeregt oder irritiert. Wenn man das ganz entspannt angeht, dann sind es die Menschen auch. Ich bin ganz dankbar – gerade jetzt mit meiner Tochter – Ich glaube das würde einiges sehr schwer machen, wenn man da immer unter Beobachtung steht. Das „normale“ Leben ist meine grösste Inspiration. Ich unterhalte mich gerne mit fremden Menschen und beobachte gerne. Privatleben ist ganz gesund.

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Du hast in den letzten 15 Jahren Gott und die Welt kennen lernen können. Welche Begegnung hat dich am meisten beeindruckt?
Eine besondere Begegnung war die mit Udo Jürgens, mit dem ich kurz vor seinem Tod noch zusammenarbeiten durfte. Es hat mir sehr gefallen wie weise, offen und charmant er mit Menschen war und wie gut er mich gesehen und verstanden hat. Ein schöner Blick in die Zukunft. Hoffnungsvoll, dass man nicht irgendwann als Mensch in der Öffentlichkeit zu einem Ich-ich-ich-Menschen wird und anderen Leuten gar nicht mehr zuhören kann, weil es immer um einen selbst geht und man ständig die Anerkennung und Aufmerksamkeit braucht. Davor habe ich große Angst und so will ich nicht werden.

So kann man auch nichts Bedeutendes mehr erschaffen, weil nichts mehr dazukommt, bin ich der Meinung. Klar habe solche Leute schon getroffen, aber ich nenne jetzt keine Namen. Das Showbiz und das Rampenlicht, das macht schon was mit einem. Es ist immer auch gefährlich. Erfolg verstärkt alles, was man in sich hat. Das Gute und das Schlechte. Es kann Dinge aus einem herausholen, die man nicht wollte oder nicht mehr kontrollieren kann. Haben wir nicht alle, alles in uns? Man muss gut aus sich aufpassen und sich selbst ab und zu überprüfen und hinterfragen.

 

 

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