Sonntag, 30. September 2018 18:12 Uhr

„Babylon Berlin“ in 2 Minuten erklärt

Der Krimi „Babylon Berlin“ nach dem Buch von Volker Kutscher war der große deutsche Serienhype im vergangenen Jahr. Heute kommt die Bestsellerverfilmung ins Erste. Wird die Serie dort funktionieren?

"Babylon Berlin" in 2 Minuten erklärt

Foto: ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky Deutschland/Frédéric Batier

Gerade wurden Statisten für die neue Staffel der Serie „Babylon Berlin“ gesucht. Die Leute sollten aussehen wie in den 20er Jahren. Also: bitte keine Bewerber mit moderner Solariumsbräune, Piercings und sichtbaren Tattoos.

„Babylon Berlin“ lebt von den Kostümen, den Kulissen und dem Flair der wilden Jahren vor der Nazi-Zeit. Der erste Teil der Verfilmung der Krimi-Bestseller von Volker Kutscher war mit fast 40 Millionen Euro das größte deutsche Serienprojekt.

Die Handlung

Berlin, im Frühjahr 1929: Eine Metropole in Aufruhr. Ökonomie und Kultur, Politik und Unterwelt – alles befindet sich in radikalem Wandel. Spekulation und Inflation zehren bereits an den Grundfesten der immer noch jungen Weimarer Republik. Wachsende Armut und Arbeitslosigkeit stehen in starkem Kontrast zu Exzess und Luxus des Nachtlebens und der nach wie vor u?berbordenden kreativen Energie der Stadt.

Gereon Rath, junger Kommissar aus Köln, wird nach Berlin versetzt, um den Kriminalfall eines von der Berliner Mafia geführten Pornorings zu lösen. Was auf den ersten Blick eine simple Erpressung zu sein scheint, entpuppt sich bald als Skandal, der Gereons Leben und das seiner engsten Vertrauten für immer verändern wird.

"Babylon Berlin" in 2 Minuten erklärt

Foto: ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky Deutschland/Frédéric Batier

Zusammen mit der Stenotypistin Charlotte Ritter und seinem Partner Bruno Wolter sieht sich Rath einem Dschungel aus Korruption, Drogen- und Waffenhandel gegenüber, der ihn in einen existentiellen Konflikt zwischen Loyalität und Wahrheitsfindung zwingt. Denn wer ist Freund, und wer ist Feind in dieser Geschichte?

Selbst eine Institution wie die „Rote Burg”, das Polizeipräsidium von Berlin und Zentrum des Rechtsstaates und der Demokratie, wird in den politischen Unruhen zwischen kommunistischer Maidemonstration, Schwarzer Reichswehr und aufkommendem Nationalsozialismus immer mehr zum Schmelztiegel einer dem Untergang geweihten Demokratie.

„Babylon Berlin“ ist die erste deutsche TV-Serie, die die politische Entwicklung der Weimarer Republik zum sich ausbreitenden Nationalsozialismus in allen Facetten und Gesellschaftsschichten erzählt. Mit den Augen eines jungen Kommissars aus Köln blicken wir hinter die Kulissen der „Golden Zwanziger“, die neben der Weltwirtschaftskrise den Tanz auf dem Vulkan zum Mythos haben werden lassen.

Mythos Berlin zieht: In über 90 Länder verkauft

Zum Start im vergangenen Jahr war es eine Kraftprobe: Kann Deutschland mit Schwergewichten wie „Mad Men“ und „The Crown“ mithalten? Es sieht danach aus. Der Mythos Berlin zieht international. Die Serie verkaufte sich in mehr als 90 Länder und bekam mehrere Preise. Zuerst lief „Babylon Berlin“ im Abo-Sender Sky, wurde dort als großer Erfolg verbucht.

"Babylon Berlin" in 2 Minuten erklärt

Foto: ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky Deutschland/Frédéric Batier

Eine Frage im Fernseh-Herbst: Wird die Serie auch noch ein Jahr später auf dem 20.15 Uhr-Platz im Ersten funktionieren, wenn viele sie schon gesehen haben? Der öffentlich-rechtliche Sender hat den Start am 30. September auf einen heiligen Programmplatz gelegt – den „Tatort“-Termin am Sonntagabend. Zur Premiere laufen gleich drei Folgen. Dann geht es bis zum 8. November donnerstags um 20.15 weiter, immer im Doppelpack. Donnerstag ist im Ersten bereits ein Krimiplatz.

„Babylon Berlin“ aus vollen Rohren

Ob die Zuschauer bei der spannenden, aber komplexen Geschichte von „Babylon Berlin“ über 16 Folgen dranbleiben? ARD-Programmdirektor Volker Herres verspricht das „Fernsehereignis des Jahres“. Das wird nicht einfach, zumal Konkurrenten wie Netflix ständig nachlegen. Wer TV-Konsum im Netz gewohnt ist, findet „Babylon Berlin“ auch in der der ARD-Mediathek. Die ersten acht Folgen sind ab der Ausstrahlung von Folge 1 am Sonntag bis sieben Tage nach Ausstrahlung von Folge 8 abrufbar. Die Folgen 9 bis 16 stehen ab der Ausstrahlung von Folge 9 am 18. Oktober bis sieben Tage nach der Ausstrahlung von Folge 16 online.

"Babylon Berlin" in 2 Minuten erklärt

Foto: ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky Deutschland/Frédéric Batier

Am heutigen 30. September gibt es außerdem eine TV-Doku: „1929 – Das Jahr Babylon“ von Volker Heise (22.30 Uhr Das Erste). Sie erzählt das Jahr anhand von Tagebüchern, Protokollen und Briefen – „das Kaleidoskop einer taumelnden Großstadt“.

In der ARD-Audiothek startet passend dazu das Hörspiel „Der nasse Fisch“ nach Volker Kutschers Buch, das auch die Vorlage für „Babylon Berlin“ ist, mit prominenten Stimmen von Ulrich Noethen, Peter Lohmeyer, Uwe Ochsenknecht und Meret Becker. In den Hauptrollen sind Ole Lagerpusch und Alice Dwyer zu hören.

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Foto: ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky Deutschland/Frédéric Batier

Lässt sich nicht einfach so nebenbei schauen

Im Fernsehen ist „Babylon Berlin“ keine Serie, bei der man bequem nebenher Bügeln oder aufs Handy gucken kann. Man muss bei der Handlung aufpassen. Die Regisseure und Autoren Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries haben bei der Verfilmung der 500 Seiten einige Schippen drauf gelegt. Ob Kulissen, Maske, Tänzer oder Musiker: Die Serie hat Swing.

Gedreht wurde zum Teil in den Kulissen von Potsdam-Babelsberg. Die Serie zeigt finstere Hinterhöfe oder das verruchte Varieté „Moka Efti“ mit Tänzerinnen im Bananen-Rock. Auch die Rote Burg, das Polizeipräsidium am Alexanderplatz, oder der legendäre Berliner Ermittler Ernst Gennat, Spitzname Buddha, kommen vor.

"Babylon Berlin" in 2 Minuten erklärt

Foto: ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky Deutschland/Frédéric Batier

Großartige Darsteller

Wer als Leser gespannt ist, wer den Part der Hauptfiguren bekommt, wird nicht enttäuscht: Volker Bruch als Kommissar Gereon Rath und Liv Lisa Fries als seine Kollegin Charlotte Ritter sind richtig gut. Außerdem machen viele bekannte Schauspieler mit, darunter Peter Kurth, Lars Eidinger, Jördis Triebel, Fritzi Haberlandt, Hannah Herzsprung und Benno Fürmann.

Laut der Macher ist es „die erste deutsche TV-Serie, die die politische Entwicklung der Weimarer Republik in allen Facetten und Gesellschaftsschichten erzählt“. Das Buch ist frei interpretiert, manches wirkt etwas kulissenhaft. Autor Volker Kutscher fand die Serie „wunderbar“. Ob es dem „Tatort“-Publikum auch so geht? (dpa/KT)

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Die Sendetermine

Sonntag, 30. September 2018, 20:15 Uhr – Folge 1-3

Donnerstag, 4. Oktober 2018, 20:15 Uhr – Folge 4-6

Donnerstag, 11. Oktober 2018, 20:15 Uhr – Folge 7 und 8

Donnerstag, 18. Oktober 2018, 20:15 Uhr – Folge 9 und 10

Donnerstag, 25. Oktober 2018, 20:15 Uhr – Folge 11 und 12

Donnerstag, 1. November 2018, 20:15 Uhr – Folge 13 und 14

Donnerstag, 8. November 2018, 20:15 Uhr – Folge 15 und 16

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