Bachelor & Co.: Darum werden die Datingshows immer langweiliger

Bachelor & Co: Warum werden die Datinghows alle so langweilig?

Fotos: TVNOW & Stefan Gregorowius

20.02.2021 18:23 Uhr

Die Message, dass Liebe einfach Liebe ist - ganz egal, wen sie trifft - dürfte mittlerweile auch beim letzten Provinz-Fernsehsender angekommen sein. Das dürfte auch einer der Gründe sein, warum in den letzten Jahren Datingshows wie Pilze aus dem Boden geschossen sind.

Zum einen ist es natürlich schön, Fremden dabei zuzusehen, wie sie aufgebrezelt und voller Hoffnung nach ihrem persönlichen Happy End suchen und dann tatsächlich den richtigen Topf zu ihrem Deckel finden. Ganz egal, wie mitgenommen diese Kochutensilien mittlerweile auch sein dürften … Zum anderen sind Datingshows recht einfach zu produzieren und verhältnismäßig günstig dazu.

Alle wollen daten

Deswegen gibt es mittlerweile auch nichts und niemanden mehr, der nicht in irgendeinem Format weggedatet werden könnte oder dort zumindest die Chance auf eine Romanze in Aussicht gestellt bekommt. Ganz egal, ob bindungswilliger Normalo, Promi, Bauer, neurotischer Influencer oder Ü40-Single, der noch Zuhause bei Mutti wohnt: Alles darf im Fernsehen auf die große Liebe hoffen. Selbst die, bei denen engagierte Kupplerinnen im echten Leben eifrig Überstunden schieben müssten. So weit, so gut.

Mittlerweile gibt es an Datingshows so ein Überangebot, dass man vor lauter Bäumen noch nicht mal mehr den Wald sehen kann. So drängen sich bei TV-Sendern und Streaming-Diensten mittlerweile die unterschiedlichsten Datingformate dicht an dicht. Der Großteil der Kuppelshows hat so ähnliche Konzepte mit noch ähnlicheren Namen und Teilnehmern, dass sie sich auf den ersten Blick nur noch schwer auseinanderhalten lassen. Mittlerweile gibt es eigentlich nichts, was man nicht schon gesehen hätte.

Liebe oder Fame?

Bei Datingshows lassen sich mittlerweile gleich mehrere Fliegen mit einer Klatsche schlagen – wenn man sich als Kandidat oder Kandidatin gut anstellt: Neben Liebe kann einem so ein Format nämlich auch Fame und Geld bescheren. Das ist Fluch und Segen gleichzeitig: Gut für die Teilnehmer – doof für die Zuschauer. Denn mittlerweile lässt sich noch nicht mal mehr sagen, wer wirklich wegen der großen Liebe da ist und wer auf Follower-Suche ist, um irgendwann mal eine Influencer-Karriere starten zu können.

Diese Follower-Kreuzzüge durch Datingshows machen noch nicht mal mehr vor „Bauer sucht Frau“ halt. So fielen in der letzten Staffel vor allem zwei Kandidaten auf, deren wirkliche Intension von den Zuschauern und Landwirten gleichermaßen infrage gestellt wurde. So zweifelte Bio-Bäuerin Denise am aufrichtigen Interesse von Teilnehmer Till, nachdem sie erfuhr, dass dieser bereits durch mehrere Formate wie „Love Island“, „Bachelorette“ und „Temptation Island“ getingelt war.

Bauer sucht Follower

Auch Teilnehmerin Antonia machte sich von der ersten Sekunde an für viele Zuschauer verdächtig, nachdem sie viel Kamera-Zeit suchte und dann freiwillig die Show verließ, um kurze Zeit später ihren eigenen Erotik-Kalender zu vertreiben. Selbstverständlich war das natürlich alles nur ein großer Zufall, so ihre anschließenden Erklärungsversuche. Ihren Bauern hat sie übrigens im Nachhinein dann doch bekommen. Man hätte nach der Sendung weiter Kontakt gehalten und sich irgendwann verliebt. Na, herzlichen Glückwunsch!

Aber auch einige der Bauern scheinen den medialen Hype um sich zu lieben und leben in den sozialen Netzwerken eine Art Influencer-Life, bei dem es neben irgendwelchen Promo-Codes für Preisnachlässe auch Q&As gibt, bei denen die Bauern sich den Fragen ihrer Fans stellen. Das wahre Insta-Leben eben. Aber bleiben wir mal bei deutschen Dating-Formaten: Seit Jahren muss sich der Großvater der Datingshows – „Der Bachelor“ – von den Fans anhören, dass die Junggesellen langweilig und die begattungswilligen Single-Frauen noch langweiliger werden. Das schlägt sich nicht zuletzt in sinkenden Quoten nieder.

Die Angst vor dem Mob

Nicht nur, dass das Format mittlerweile für viele etwas überholt ist, sorgen auch Sender und Teilnehmer für gähnende Langeweile. So halten sich Sender beim Casten mittlerweile sehr zurück, denn besonders polarisierende Teilnehmer bergen auch das Risiko von enormen Shitstorms, die es zu vermeiden gilt. Aber auch die Teilnehmer selbst versuchen in den Sendungen möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.

Zum einen ist da die Angst vor den Internet-Trolls, die einen durch die sozialen Netzwerke mobben. Zum anderen wollen die Azubi-Influencer von morgen keine künftigen Kooperationspartner verärgern. Schließlich wollen alle irgendwann mal Rabatt-Codes für Tees, Zahn-Schienen oder irgendwelche Öko-Müslis mit dämlichen Namen bewerben können. Deswegen ist man besser nur schön und fällt nicht weiter auf. Denn viele haben auch große Angst vor den bösen Cuttern mit der großen Schere, die nur darauf warten, einem Gesagtes, zu einem Skandälchen zusammenzuschneiden.

Deswegen ist sexy sein, halbwegs empathisch wirken und an der richtigen Stellen lachen oder betroffen schauen die beste Methode, um bei den Zuschauern gut anzukommen. So tut man niemandem weh, aber dümpelt halt lauwarm vor sich hin. Allerdings kann man, wenn man wirklich mal das Verlangen nach etwas total Belanglosem hat, einfach aus dem Fenster schauen! Das ist lokal, kostet nichts und gut für den eigenen Co2-Fußabdruck. (DA)