20.07.2020 15:09 Uhr

Ballermann-Star Mickie Krause: „Hier gibt es keine Partyexzesse“

Der Ballermann ist geschlossen, Sänger Mickie Krause hat dafür kein Verständnis: "Ich bin fest davon überzeugt, dass es keine Partyexzesse gegeben hat", sagt er im Interview.

imago images/Chris Emil Janßen

Die Regionalregierung von Mallorca hat nach partyähnlichen Zuständen die Feier-Meile „Bierstraße“ und „Schinkenstraße“ am Ballermann geschlossen. Der Shutdown für die betroffenen Lokale soll für zwei Monate gelten. Ballermann-Sänger Mickie Krause (50, „Wir woll’n feiern für die Ewigkeit“) hält das für „unfair“. Im Interview mit spot on news erklärt er, dass er „fest davon überzeugt“ sei, „dass es keine Partyexzesse gegeben hat“.

Wie enttäuscht sind Sie darüber, dass die Ballermann-Lokale wieder geschlossen haben?

Mickie Krause: Ich empfinde es als unfair, alle Lokale in Bier- und Schinkenstraße zu schließen, nur weil eine Lokalität sich nicht ganz an das Sicherheitskonzept gehalten hat. Hier wurde aber auch nicht über Stunden gefeiert und von Partyexzess kann schon mal gar nicht die Rede sein. Ich bin fest davon überzeugt, dass es keine Partyexzesse gegeben hat. Außerdem wurden am Folgetag die Sicherheitsvorschriften sofort umgesetzt. In der Schinkenstraße hat übrigens nur ein Restaurant geöffnet, warum auch dieses schließen musste, ist nicht nachzuvollziehen. Erstaunlich ist übrigens auch, dass Holländer und Spanier jeden Tag in Gruppen an der Playa feiern, hier erfolgen keine Sanktionen – komisch. Ich habe immer mehr den Eindruck, dass es nicht um Corona geht, sondern darum, den Ballermann mutwillig zu zerstören.

Was bedeutet die Schließung für den Ballermann allgemein? Wie nehmen Sie die jetzige Situation vor Ort wahr?

Krause: Es wird leider falsch dargestellt, was an der Playa aktuell abgeht – nämlich nichts. Im Gegensatz zu Nord- und Ostsee ist hier wirklich tote Hose, hier gibt es auch keine Partyexzesse. Man wird sich die Frage stellen, wie Gastronomen und vor allem Mitarbeiter wie Kellner, Köche, Putzfrauen,… finanziell über die Runden kommen. Denn ein Kellner arbeitet von April bis Oktober, um mit dem Geld durch den Winter zu kommen. Jetzt haben viele das Problem, dass sie nicht einmal über den Sommer kommen. Die Insel und auch die Playa de Palma lebt vom Tourismus. Im Moment habe ich den Eindruck, dass man uns Touris gar nicht möchte. Und noch einmal: Die Leute, die an der Playa Urlaub machen, sind keine Sauftouristen.

Finden Sie die Entscheidung gerechtfertigt?

Krause: Nein, ich denke, ein Bußgeld für die Lokalität, die die Situation kurzzeitig nicht unter Kontrolle hatte, hätte gereicht. Es wurde nicht eng umschlungen gefeiert und es waren auch nicht 300 bis 400 Leute in der Bierstraße – es waren 150. Wenn die Polizei die Präsenz gezeigt hätte, wie sie sie in der Lockdown-Phase hatte – da bekam man schon eine Anzeige, wenn man die Post vom Postamt abholen wollte, weil man zu Hause keinen Briefkasten hat – dann hätte man die Situation sofort entschärfen können. Die Polizei hatte kein Interesse, an dem Freitag Präsenz zu zeigen. Und seitens der Regierung eine solche Entscheidung nur anhand von Medien und Fotos zu fällen, ist nicht sehr professionell!

Was bedeutet es für Sie persönlich, dass die Lokale wieder geschlossen haben?

Krause: Für mich persönlich hat das keine Auswirkungen, weil ich im Megapark auftrete, der 800m von Bier- und Schinkenstraße entfernt ist. Dieser hat bereits vor Wochen mitgeteilt, dass es 2020 zu keiner Öffnung kommen wird. Ich kenne aber viele Gastronomen und Mitarbeiter. Michael und Feli vom „Deutschen Eck“ kenne ich seit 20 Jahren – für solche Leute tut es mir besonders leid. Sie waren voller Hoffnung, mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise zu kommen. Jetzt müssen sie ihre 23 Mitarbeiter wieder in die Arbeitslosigkeit schicken.

Was halten Sie von den Videoaufnahmen der Party-Urlauber ohne Sicherheitsabstände und Masken?

Krause: Mir wurde mitgeteilt, dass es nicht so schlimm war, wie es dargestellt wurde. Ich habe aber auch ein Video gesehen, in dem man sieht, dass ein Redakteur mit Kameramann eine Gruppe junger Männer auffordert und animiert, Stimmung zu machen. Man sieht aber auch, dass wenige Sekunden später ein Kellner zum Tisch geht, und um Ruhe bittet. Ich bin mir aber auch nicht sicher, ob in einer Straße, also an der frischen Luft, ein Mundschutz zu tragen ist, wenn man an den Tischen sitzt. In Deutschland ist ja im Restaurant am Strand auch kein Mundschutz notwendig.

Haben Sie einen Plan B für den erneuten Ausfall?

Krause: Für mich ist das ja kein erneuter Ausfall, weil ich beruflich nichts mit Bier- und Schinkenstraße zu tun habe. Außerdem möchte ich kurz deutlich machen, dass meine Haupteinnahmequelle Deutschland ist mit 180 Auftritten jährlich, Mallorca dagegen sind nur 25 bis 30 Auftritte von April bis Oktober. Klar habe ich einen Plan B, ich werde an sämtlichen TV-Shows teilnehmen, die es gibt: „Bauer sucht Frau“, „Temptation Island“, „Promi Big Brother“, „Das große Promibacken“ und „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ (lacht). Das ist natürlich ein Scherz! Nein, ich habe keinen Plan B, komme aber gut mit der aktuellen Situation klar. Außerdem gefällt es mir ganz gut, Zeit für meine Familie, meine Freunde und für mich zu haben.

Sie haben angekündigt, im Jahr 2020 keine Auftritte mehr wahrzunehmen. Ist dieses Jahr dann wie ein Sabbatical für Sie? Haben Sie noch bestimmte Pläne für 2020?

Krause: Ja, genau, ich habe mein Sabbathalbjahr vorgezogen. Trotzdem waren wir kreativ und werden bald neue Musik veröffentlichen. Und irgendwann werden wir wieder feiern und viel Spaß haben.

(hub/spot)

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