Barbara Becker: „Eine riesige Schmerzwelle hat mich durchflutet“

Barbara Becker bei einem TV-Auftritt. (spot)
Barbara Becker bei einem TV-Auftritt. (spot)

imago images/Sven Simon

01.03.2021 13:30 Uhr

Barbara Becker hat das Empty-Nest-Syndrom erlebt. Hier erklärt sie, was ihr geholfen hat, nachdem die beiden Söhne außer Haus waren und wie ihr Verhältnis heute ist.

Die Designerin und Fitnessexpertin Barbara Becker (54) hat gemeinsam mit der Journalistin Christiane Soyke ein sehr persönliches Buch über das Empty-Nest-Syndrom geschrieben. In „Mama allein zu Haus“ (Verlag Gräfe und Unzer, 17,99 Euro) schildern die beiden Freundinnen, wie sie nach dem Auszug der Kinder zuerst in ein tiefes Loch fielen, aber dank ihrer Sisterhood, viel Humor und lange verschobenen Träumen ihren neuen Lebensabschnitt zu genießen lernten. Im Interview verrät Barbara Becker, die mit ihrem Ex-Mann Boris Becker (53) die Kinder Noah (27) und Elias (21) hat, wie es ist, wenn sie heute ihre Söhne sieht.

War der Auszug Ihrer Söhne tatsächlich so ein einschneidendes Ereignis für Sie?

Barbara Becker: Ich denke, das ist es für alle Eltern. 25 Jahre drehte sich mein Leben nur um das Wohlergehen meiner Kinder. Plötzlich waren sie flügge und lebten auf einem anderen Kontinent, mein Leben hatte keine Struktur mehr. Ich saß allein zu Hause in meinem Empty Nest. Die Kinder rennen mit Schwung und Freude in ihre Zukunft und wir Eltern bleiben staunend allein auf dem Sofa zurück und fragen uns: Und was jetzt?

Wollten Sie nicht gleich alles nachholen, was Sie zuvor verschoben hatten?

Becker: Nicht sofort. Ich musste schon ein paar Monate lernen, mit mir allein zurechtzukommen, meinen eigenen Alltag zu kreieren. Aufzustehen, obwohl kein Kind mehr Frühstück wollte oder in die Schule fahren musste. Ja, man ist frei, aber es dauert, bis man die guten Seiten daran erkennen kann. Zuerst war da eine riesige Schmerzwelle, die mich durchflutete.

Und was hat Ihnen am meisten geholfen?

Becker: Mein angeborener Optimismus, tägliche Meditation und Sport. Aber vor allem zwei elementare Erkenntnisse: Dass man seine Kinder ja nicht verliert – nur, weil sie woanders wohnen. Und, dass meine gewachsenen Freundschaften, meine Sisterhood um mich herum, mich auch in dieser Neu-Orientierung meines Lebens auffangen konnten. Über den Weg, wie wir Frauen uns gegenseitig geholfen haben, erzählen wir in unserem Buch, denn meine Co-Autorin Christiane Soyke und ich haben das Empty Nest zeitgleich durchlebt und nach vielen Gesprächen entstand dann auch die Idee zu diesem Buch. Zum Glück sehen wir unsere Kinder regelmäßig und mittlerweile begegnen wir uns auf einer anderen, gleichberechtigten Ebene, weil wir Mütter gelernt haben, alte Muster abzulegen. Der Lernprozess liegt dieses Mal also vor allem bei uns Eltern.

Was ist heute anders, wenn Ihre Kinder Sie besuchen?

Becker: Sie sehen vieles mit anderen Augen. Nichts ist mehr selbstverständlich. Noch nicht einmal das morgendliche Porridge oder der Smoothie, den ich für sie zubereite. Jahrelang musste ich meine Kinder zu einem gesunden Frühstück regelrecht zwingen, jetzt freuen sie sich wie Schneekönige, dass ich mir morgens die Mühe mache, die Kerne röste, das Obst schnipple und alles fertig ist, wenn sie aufstehen. Die Kinder bedanken sich oft geradezu überschwänglich für das Essen, während früher oft beanstandet wurde, dass es bei uns immer Gesundes gibt, während bei den Freunden auch mal Tex-Mex-Futter auf dem Tisch steht. Und, was das Beste ist: Wenn ich mal Hilfe brauche, muss ich nur noch einmal fragen und nicht ewig erklären, warum die schwere Kiste jetzt ins Haus getragen werden muss. Über solche Kleinigkeiten haben wir früher ewig diskutiert.

Erzählen Ihnen Ihre Kinder noch von ihren Plänen?

Becker: Sie fragen nur noch selten um Rat, aber sie beziehen mich auf andere Weise ein. Man sucht nach der Kooperation mit der Mutter. Noah hat mich in seine Musikvideos eingebaut und Elias hatte den Auftrag, einen Werbefilm zu drehen und hat mich mit eingebaut. Es gibt tatsächlich Momente, in denen ich als cool erkannt werde von meinen Kindern. Das ist ein ziemlich gutes Gefühl.