14.01.2020 18:36 Uhr

Berlin Fashion Week startete mit exzessiven Designs

Stücke von Designer Rich Mnisi. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Die diesjährige Berliner Fashion Week beginnt schon mal mit ziemlich verrückten Bildern. Vier Designer aus Südafrika haben die Ehre den Laufsteg zu eröffnen. In den Metropolen dieses Kontinents etablieren sich immer mehr Modeschöpfer – doch sie kämpfen auch gegen die Billigmode aus Europa.

Wer die ersten Bilder von der Berliner Modewoche sieht, könnte überrascht die Augenbrauen hochziehen – oder große Lust an Experimenten bekommen. Eine Riesenschleife auf dem Kopf oder lilafarbene Rüschen an den Ärmeln? Zum Auftakt der Fashion Week haben südafrikanische Designer ziemlich viel Verrücktes und Ungewohntes gezeigt.

Berlin Fashion Week startete mit exzessiven Designs

Designs für den nächsten Herbst und Winter. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Gewaltige Designs

Am vergangenen Montagabend wurde der Laufsteg im Kraftwerk mit Entwürfen von Clive Rundle, Floyd Avenue, Rich Mnisi und Viviers eröffnet. Beispielsweise trugen die Models dort farbige Drucke oder auffälligen Schmuck. Zu den anwesenden Gästen gehörten unter anderem das südafrikanische Model Candice Swanepoel und das deutsch Model Stefanie Giesinger. Doch das sind nur zwei der zahlreichen der Promis, die in diesem Jahr den Auftakt der Modewoche in der Hauptstadt genossen. Für Dienstagabend werden in Berlin beispielsweise auch Größen wie US-Schauspielerin Katie Holmes, Ex-Fußballer Bastian Schweinsteiger mit seiner Frau, die frühere Tennisspielerin Ana Ivanovic, erwartet.

Berlin Fashion Week startete mit exzessiven Designs

Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Designer Rich Mnisi zeigte zum Auftakt knallbunte Anzüge. Erst im letzten Jahr wurde der 28-jährige im Magazin ‚Forbes Africa‘ zu den ‚Top 30 unter 30‘ gewählt, also zu einer der spannendsten jungen Persönlichkeiten. „Ich will ehrliche Designs schaffen, die auch zeigen, wo ich herkomme“, so der Johannesburger. Inspirieren lässt sich der junge Südafrikaner von seiner Ur-Großmutter, die er nie kennengelernt hat, und anderen Verwandten.

Er will dabei helfen, dass in seiner Heimat neue Jobs entstehen, und mit anderen in seiner Community zusammenarbeiten. „Vor allen Dingen will ich denen zuhören, die bereit sind, ihre Geschichte zu erzählen“, so Rich weiter.

Berlin Fashion Week startete mit exzessiven Designs

Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Fashion Week ist große Chance

Aktuell gebe es seiner Meinung nach eine große Chance, mit alten Vorstellungen von Afrika zu brechen. „Jahrelang hat man Afrika als ein großes Ganzes gesehen – aber das ist es nicht“, so der Modeschöpfer gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Es gehe darum, der Welt beizubringen, dass es mehr als 2000 verschiedene Stämme gebe, verschiedene Bräuche und Traditionen. „Die Welt lernt Afrika neu kennen.“ Das gelte so auch in der Mode. Die Modeindustrie in Afrika sei noch klein, gerade im Vergleich zur europäischen. Es besteht aber großes Potenzial, denn Afrika ist der jüngste Kontinent der Welt.

Berlin Fashion Week startete mit exzessiven Designs

Candice Swanepoel gehört zu den prominenten Gästen der Berlin Fashion Week. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Dort sind gut zwei Drittel der Menschen jünger als 35 und diese Zahl wird wohl auch in Zukunft weiter steigen weiter wachsen. In Metropolen wie Kapstadt und Johannesburg, in der nigerianischen Mega-City Lagos und in Kenias Hauptstadt Nairobi etablieren sich so immer mehr junge Modeschöpfer. Diese designen vor allem für eine wachsende Mittelschicht – insbesondere für junge, urbane Afrikaner, die mit ihrem Kleidungsstil Individualismus und Stolz zum Ausdruck bringen wollen.

Zudem kämpfen sie auch gegen ein westliches Bild an, wie afrikanische Mode auszusehen habe. „Ich will ein Produkt schaffen, das aus meiner Sicht dazu passt, wie ich das urbane Leben in Nairobi sehe“, sagt etwa die kenianische Designerin Katungulu Mwendwa.

Berlin Fashion Week startete mit exzessiven Designs

Stefanie Giesinger im Kraftwerk Berlin. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Second-Hand-Kleidung ist ein Problem

Weite Schnitte, asymmetrische Muster und gedeckte Orange- und Blautöne dominieren die Designs der 31-jährigen. Doch Modeschöpfer in Afrika haben es schwer. „Ich glaube, es gibt viel Interesse, örtliche Marken zu kaufen“, so die junge Frau. „Aber eine große Herausforderung sind die Preise.“ Heimische Textilindustrie gibt es in den wenigsten Ländern und so müssen beispielsweise Stoffe importiert werden, was zu hohen Kosten führt. Weil der Markt aber von günstiger Second-Hand-Kleidung vom europäischen Kontinent und den USA überflutet werde, erwarteten die Menschen, dass Mode günstig sei, sagt die Modeschöpferin.

Berlin Fashion Week startet mit exzessiven Designs

Show von Rich Mnisi: Ein Design mit auffälligen lila Rüschen. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Die wenigsten Kenianer können sich die Stücke leisten und die wohlhabende Elite in Städten wie Lagos entscheidet sich oft eher für europäische Marken, die auch als Statussymbol gelten. Für die Designer ist die Fashion Week in Berlin eine Chance ihren Stil in Europa zu zeigen. Clive Rundle zum Beispiel arbeitet nach Angaben der Veranstalter auch mit Vintage-Stoffen und entwickelt daraus neue Mode. Und Rich Mnisi fertige die Etiketten seiner Kleidung aus Stoffresten und nähe darin Samenkörner ein, erklären die Veranstalter vor Beginn der Show. Damit daraus später mal etwas Neues entstehen kann. (Gioia Forster und Julia Kilian, dpa/KT)