Montag, 26. Februar 2018 14:49 Uhr

Berlinale: Gewinner-Sexfilm eine „Katastrophe“?

Kunstvoller Kinofilm oder Therapie zwecklos? „Touch Me Not“ zeigt viel Sex und Intimität. Der Gewinnerfilm der 68. Berlinale spaltet. Für viele ist das eine Zumutung.

Berlinale: Gewinner-Sexfilm eine "Katastrophe"

Foto: Manekino Film, Rohfilm, Pink, Agitprop, Les Films de l’Etranger

Der Berlinale-Gewinner hat bei den Kritikern ein geteiltes Echo ausgelöst. Die rumänische Regisseurin Adina Pintilie (38) erforscht in ihrem mit deutschen Mitteln geförderten Erstling die Spielarten und Grenzen menschlicher Sexualität. Damit gewann sie am Samstag überraschend den Goldenen Bären für den besten Film im Wettbewerb.

Die Entscheidung der Jury um Präsident Tom Tykwer ist umstritten. Der britische „Guardian“ urteilte, der „doofe“ und „seichte“ Gewinnerfilm sei für das Festival eine Katastrophe. Die „Neue Zürcher Zeitung“ fragte angesichts der rückhaltlos offenen Intimität des Films: „Müssen wir uns prüde schimpfen lassen, wenn uns eine solche Exponierung unangenehm ist?“ „Therapie zwecklos“, fand die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am Montag.

Der falsche Film habe den Goldenen Bären gewonnen. „Touch Me Not“ sei ein schlagendes Beispiel, wie man dem Kino die Erotik austreibe. „Jeder in diesem Film ist nur ein Fall, eine Spielart des Sexuellen und seiner therapeutischen Bearbeitung, eine verkörperte Macke.“

„Eine mutige, richtige Entscheidung“

Die „Süddeutsche Zeitung“ urteilte hingegen, es sei eine „mutige, richtige Entscheidung“. Der Gewinnerfilm handele von der Angst vor Berührungen, aber das Berühren gelinge ihm in Bezug auf seine Zuschauer. „Man verlässt das Kino nicht mehr so, wie man hineinging.“

Berlinale: Gewinner-Sexfilm eine "Katastrophe"

Die rumänische Regisseurin Adina Pintilie freut sich ber den Goldenen Bären für den Besten Film „Touch Me Not“. Foto: Ralf Hirschberger

„Touch Me Not“ soll ins Kino kommen

Natürlich sei es ein starkes Statement inmitten der MeToo-Debatte, einen Film wie „Touch Me Not“ auszuzeichnen, meinte die Kritikerin der Deutschen Welle. „Aber es ist außerdem ein ästhetisch starkes Werk mit einem experimentellen Erzählangebot, das mich von Anfang an genauso überzeugt hat wie die Jury.“ Den Besuch dieses „kunstvollen Kinofilms“ sollte sich jeder erwachsene Zuschauer zutrauen. Der Film soll 2018 ja eigentlich ins Kino kommen. Die Verhandlungen stünden kurz vor dem Abschluss, sagte Laurin Dietrich von der PR-Agentur Wolf. „Es gibt noch kein Datum.“ Bereits vor der Preisverleihung gab es demnach Interesse an dem radikalen rumänischen Experimentalfilm.

Die 68. Berlinale zog am Montag eine positive Bilanz. Sie hat dieses Jahr rund 330.000 Karten verkauft. Das Interesse am Programm sei sowohl bei den Fachbesuchern als auch beim Publikum erneut „sehr beeindruckend“ gewesen. Im Vorjahr waren es ähnlich viele verkaufte Eintrittskarten (334.000) gewesen. Der Europäische Filmmarkt verbuchte mit 10.000 Besuchern aus 112 Ländern eine Rekord-Bilanz.

Die nächste Ausgabe der Berlinale, neben Cannes und Venedig eines der wichtigsten Filmfeste der Welt, läuft vom 7. bis 17. Februar 2019. Für den Festivalleiter Dieter Kosslick wird es die letzte Ausgabe sein. Sein Vertrag endet kommendes Jahr. (Caroline Bock, dpa/KT)

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