Sonntag, 21. Februar 2010 09:20 Uhr

Berlinale: Preis für Polanski, der sowieso nicht gekommen wäre

1.600 geladene Gäste im Berlinale Palast waren dabei, als die Hauptpreise des Festivals überreicht wurden. Auch viele der prominenten Gäste, die die Berlinale in den letzten 10 Tagen begleitet haben, ließen es sich nicht nehmen, den feierlichen Abschluss persönlich mitzuerleben. Höhepunkt des Abends war die Verleihung des Goldenen Bären für den Gewinnerfilm ‚Bal‘ von Semih Kaplanoglu. Roman Polanskis ‚Ghostwriter‘ bekam den Silbernen Bären. Der Film wurde mit Pierce Briosnan, Kim Cattrall und Ewan McGregor auf Rügen und in den Babelsberger Filmstudios gedreht.

Die Produzenten Alain Sarde und Robert Benmussa nahmen den Silbernen Bären stellvertretend für Roman Polanski entgegen und richteten eine Botschaft des Starregisseurs aus, der in der Schweiz unter Hausarrest steht: „Selbst wenn ich gekonnt hätte, wäre ich nicht gekommen. Denn als ich das letzte Mal zu einem Festival gekommen bin, um einen Preis entgegenzunehmen, bin ich im Gefängnis gelandet.“ Eine arrogante Unverschämtheit und Beleidigung für das Land, in dem er straffrei seinen Film drehen durfte.

Die Berliner ‚B.Z.‘ schreibt dazu: „Der Silberne Bär für die Beste Regie an Polanski ist keine künstlerische Anerkennung, sondern eine Solidaritätsbekundung von Kollegen“.

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Und darum geht’s in dem Film: Der britische Ghostwriter (Ewan McGregor) soll die Memoiren des früheren Premierministers Adam Lang (Pierce Brosnan) fertig stellen – die Chance seines Lebens, meint sein Agent. Der Verlag hat Lang eine hohe Millionengage für das Buch zugesagt und die Zeit drängt – für seinen „Ghost“ verspricht das einen Karrieresprung und ein fürstliches Honorar. Doch von Anfang an steht das Projekt unter einem unguten Stern, nicht zuletzt weil der erste Autor, Langs langjähriger Berater, gerade bei einem tragischen Unfall starb. Der neue Ghostwriter wirft seine Bedenken schnell über Bord und reist auf die Atlantikinsel Martha’s Vineyard, wohin sich der Ex-Premierminister mit seiner Frau Ruth (Olivia Williams) und einem kleinen Stab um seine attraktive Assistentin Amelia Bly (Kim Cattrall) zurückgezogen hat. Doch die Ruhe der Insel ist trügerisch: Langs Ferienhaus gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Welches Geheimnis birgt das Buchmanuskript, das im Safe liegt und nicht das Haus verlassen darf? Schon ruft Langs Vergangenheit die Presse und aufgebrachte Demonstranten auf den Plan, die das Anwesen belagern. Inmitten des Tumults macht der Ghostwriter eine Entdeckung, die den smarten Ex-Premier in ein ganz neues Licht rückt. Er stößt auf eine globale Verschwörung und befindet sich plötzlich in höchster Lebensgefahr.

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„Eine rasante Achterbahnfahrt durch die Psychologie moderner Macht“, schrieb der Spiegel 2007 über Robert Harris’ Roman „Ghost“ – wobei viele Kritiker und Leser die zentrale Figur, den Ex-Premierminister Adam Lang, oft für eine nur leicht fiktionalisierte Person aus dem wahren Leben hielten: Tony Blair. Für die Verfilmung hätte Harris auf keinen besseren treffen können als Roman Polanski, der für „Der Pianist“ mit dem Oscar ausgezeichnet wurde und mit meisterhaftem psychologischem Suspense („Der Mieter“), tief beunruhigendem Horror („Rosemary´s Baby“) und spannenden Thrillern über Macht und Korruption („Chinatown“) seinen Ruf als einer der besten Regisseure immer wieder aufs Neue unter Beweis stellte.

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Fotos: Kinowelt, Video: YouTube

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