Donnerstag, 15. Februar 2018 22:50 Uhr

Berlinale: Starauflauf zum Start

Berlin verwandelt sich in ein großes Kino: Die 68. Internationalen Filmfestspiele gehen los. Über der Berlinale schwebt eine Debatte, die seit Monaten die Filmwelt berührt.

Mit einem Appell für Gleichberechtigung von Frauen und Männern sind die Internationalen Filmfestspiele Berlin gestartet. Stars wie Helen Mirren, Tilda Swinton, Greta Gerwig, Bill Murray und Jurypräsident Tom Tykwer kamen zur Eröffnung. Die Berlinale zeigte zum Auftakt erstmals einen Animationsfilm: „Isle of Dogs – Ataris Reise“ von Wes Anderson.

Ein beherrschendes Thema ist dieses Jahr die MeToo-Debatte über Missbrauch in der Filmbranche. Kino könne Rollen- und Weltbilder ins Wanken bringen, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am Donnerstagabend bei der Gala. „Umso bitterer, dass Frauen im Filmgeschäft vielfach bis heute in Rollen gedrängt werden, die sie nicht spielen wollen – und dass wir deshalb seit Wochen mehr über Männer reden, die nur einen Bademantel anhaben, als über Frauen, die die Hosen anhaben.“

Kein Protest-schwarz in Berlin

Grütters spielte damit etwa auf den US-Produzenten Harvey Weinstein an, dem mehrere Frauen sexuelle Gewalt vorwerfen. Die Vorwürfe löste die weltweite Debatte unter dem Schlagwort MeToo aus. In Hollywood trugen Frauen bei der Verleihung der Golden Globes zuletzt kollektiv Schwarz als Protestzeichen. Das war in Berlin anders. Das Festival verzichtete auch darauf, den roten Teppich durch einen schwarzen zu ersetzen, wie es eine Online-Petition gefordert hatte.

Es komme darauf an, wie man sich verhalte – nicht darauf, welchen Stoff man anhabe oder über welchen Stoff man gehe, sagte Komikerin Anke Engelke, die durch die Eröffnungsgala führte. Diesmal machte sie Witze über Helene Fischer und gedopte russische Sportler.

Auch Justizminister Heiko Maas (SPD), der neben seiner Freundin, der Schauspielerin Natalia Wörner saß, war Zielscheibe. „Der darf heute seine Partnerin zur Arbeit begleiten. Und sich mal’n bisschen fühlen wie so ein Schauspieler. Mal so ein bisschen schnuppern und nicht genau wissen, welche Rolle spiele ich demnächst.“ In Richtung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte Engelke: „Der ist so gut drauf. Selten waren Sie glücklicher, nicht aktives SPD-Mitglied sein zu müssen, oder?“

1600 Gäste am Potsdamer Platz

Zur Feier am Potsdamer Platz waren mehr als 1600 Gäste eingeladen – viel deutsche Schauspielprominenz war dabei, darunter Iris Berben, Senta Berger, Heike Makatsch, Jessica Schwarz, Meret Becker, Mario Adorf, Daniel Brühl und Moritz Bleibtreu.

Für Helen Mirren („The Queen“) war es an der Zeit, dass die Filmwelt eine Debatte über Geschlechterverhältnisse führt: „Es ist ein Erdbeben, was überall passiert.“ Die deutsche Film- und Fernsehbranche kündigte an, eine Beschwerdestelle gegen Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe zu gründen. Grütters will den Aufbau des Projekts mit 100.000 Euro unterstützen. Macht und Angst seien viel zu lange stille Komplizen gewesen, sagte sie.

Animationsfilm zum Auftakt

Die Berlinale zeigt bis zum 25. Februar 385 Filme aus 78 Ländern. Als erstes lief Andersons „Isle of Dogs – Ataris Reise“. Der Film spielt in Japan in der Zukunft. Es geht um den 12-jährigen Jungen Atari. Als durch einen Regierungserlass Hunde der Stadt auf eine riesige Mülldeponie verbannt werden, macht sich Atari allein auf den Weg nach Trash Island, wo er seinen Hund Spots sucht. Er freundet sich mit einem Rudel Hunde an und bricht zu einer abenteuerlichen Reise auf.

Der Film startet am 10. Mai im Kino. Für Anderson (48, „Grand Budapest Hotel“) ist es der vierte Auftritt im Berlinale-Wettbewerb. Am Donnerstag brachte er einige Stimmen aus dem Film mit, darunter Greta Gerwig, Bill Murray, Bryan Cranston und Jeff Goldblum.

Die elftägige Berlinale gilt mit jährlich mehr als 300.000 verkauften Tickets als weltweit größtes Publikumsfestival. Die begehrten Preise werden am vorletzten Tag verliehen. (dpa)

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