07.10.2020 16:09 Uhr

Berliner Humboldt Forum vor «Eröffnungsjahr»

Berlin bekommt Baustellen auch fertig. Nach der anstehenden Eröffnung des Flughafens will das Humboldt Forum in der umstrittenen Rekonstruktion des Stadtschlosses loslegen.

Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Nach jahrelanger Verzögerung, mehrfacher Verlegung und deutlicher Kostensteigerung will das Humboldt Forum im Berliner Stadtschloss vom 17. Dezember an ein Eröffnungsjahr beginnen.

In den ersten 14 Tagen können Interessierte zunächst „den neuen Stadtraum erkunden“, wie es am Mittwoch in Berlin hieß. „Das Humboldt Forum wird ein neues Stadtquartier werden“, kündigte der Generalintendant Hartmut Dorgerloh an.

Dabei geht es um den Ort und die Architektur des 644 Millionen Euro teuren Baus, der in den Fassadenbereichen weitgehend eine Rekonstruktion des 1950 zerstörten früheren Stadtschlosses der Hohenzollern geworden ist. Im Keller sind laut Dorgerloh bereits die freigelegten Reste eines mittelalterlichen Dominikanerklosters sowie Fundamente des Schlosses zu sehen.

Die „Geschichte des Ortes“ befasst sich an mehreren Stellen des neuen Baus auch mit dem einstigen Palast der Republik, der zu DDR-Zeiten hier stand und nach der Wende erst von Asbest befreit und dann abgerissen wurde.

Von Januar an sollen erste Teile des Kultur- und Ausstellungszentrums zunächst für vier Tage pro Woche öffnen. In dieser Zeit will Dorgerloh mit einer Ausstellung für Kinder starten, er sprach von einer „besonders wichtigen Zielgruppe“.

Regulärer Betrieb in einigen Bereichen ist von Ostern an geplant, also Anfang April. Die ursprünglich zu einer der geplatzten Eröffnungen angekündigte große Elfenbeinausstellung ist nun von Mai 2021 an vorgesehen. Auf allen Ebenen soll das Haus erst zur Jahreswende 2021/22 zugänglich sein, dann sind auch erste Ausstellungen von Ethnologischem Museum und Museum für Asiatische Kunst geplant.

„Der Bau wird fertig, das Humboldt Forum wird hoffentlich niemals fertig“, sagte Dorgerloh zu seiner Hoffnung, das Forum zu einem Ort des dauerhaften Diskurses zwischen den Kulturen und über Grenzen hinweg zu machen.

Das rund 40.000 Quadratmeter umfassende Gebäude bespielen künftig die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit zwei ihrer Museen, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden sollen Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins. Diskutiert wird dabei auch über die koloniale Vergangenheit von Ausstellungsstücken.

Bewegung gibt es in Fragen des freien Eintritts. Das Humboldt Forum soll – jenseits der Sonderausstellungen – in einer ersten Phase als Pilotprojekt keinen Eintritt verlangen. Dies wird von den anderen Häusern der Stadt kritisch gesehen, nicht nur auf der direkt gegenüber liegenden Museumsinsel. Berlin will für seinen Teil deswegen Eintritt verlangen, weswegen organisatorische Probleme innerhalb des Humboldt Forums erwartet werden. Nun kündigte Moritz van Dülmen, Geschäftsführer von Kulturprojekte Berlin, für die ersten 100 Ausstellungstage freien Eintritt auch im Berliner Teil an.

Der Bau des Humboldt Forums nach Plänen des italienischen Architekten Franco Stella ist seit Jahrzehnten umstritten, auch wegen der historisierenden Fassadenteile. Kritik lösten zuletzt Kreuz und Kuppel mit einem weithin sichtbaren Bibelspruch aus. Darin wird die Unterwerfung aller Menschen unter das Christentum gefordert.

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