Bestsellerautorin Inga Lindström: Der 25. Dezember ist kein schlechter Tag zum Sterben

Bestsellerautorin Inga Lindström: Der 25. Dezember ist kein schlechter Tag zum Sterben
Bestsellerautorin Inga Lindström: Der 25. Dezember ist kein schlechter Tag zum Sterben

© CHRISTIAN SCHULZ

18.04.2021 19:22 Uhr

Drehbuchautorin, Dramaturgin und Journalistin Christiane Sadlo ist bekannt für ihre verfilmten Liebes- und Familiengeschichten. Allerdings besser unter ihrem Pseudonym „Inga Lindström“.

Unter dem Pseudonym Inga Lindström ist Christiane Sadlo eine Fachfrau für alle Gefühlslagen. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, hilft ihr die Fantasie nur bedingt weiter.

Die ungekrönte Quoten-Königin „des herzigen Sonntagabendfilms“ hat neben ihren eigenen Werken mit Schweden als Kulisse auch Romane von Rosamunde Pilcher und Utta Danella fürs Fernsehen aufbereitet. Sadlo schrieb auch mehrere Folgen der Fernsehserien „Der Bergdoktor“, „Familie Dr. Kleist“ oder der ARD-Arztserie „In aller Freundschaft“.

Wenn der Ehemann zu Hause stirbt

Am 1. Weihnachtsfeiertag 2018 traf sie das Drama dann höchstselbst: Saldos Mann, Bildhauer Karl Halt Trossbach starb in der gemeinsamen Wohnung in Berlin. „Da hat mir die Schreiberei nicht sehr genützt“, erzählt sie in der Kolumne „Die Lebenden & Die Toten“ von Andreas Kurtz in der Berliner Morgenpost. „Alles, was man sich vorstellt, ist dann doch ganz anders, wenn man es selber erlebt.“

Der Tod ihres Mannes nach 38 gemeinsamen Jahren sei allerdings nicht überraschend gekommen. „Er war lange krank. Seit 2010. Bis 2015 ging das ganz gut, dann kamen schwierige Jahre mit Operationen.“ Und dann schließlich kurz vor Weihnachten der unaufschiebbare Satz: „Wir können nichts mehr für Sie tun“. Vielleicht geht’s noch ein halbes Jahr gut, aber auf jeden Fall bis Silvester.

Die Weihnachts-Gans hat er noch selbst gemacht

„Unser Heiligabendessen hat er noch tapfer durchgestanden. Dann ist er ins Bett gegangen und gestorben.“ Am zweiten Weihnachtsfeiertag gab es bei ihnen immer Gans. „Die hat mein Mann gemacht. 2018 hatte ich die bestellt, weil er so krank war. Dann war er tot.“ Es wurde ein „schönes, trauriges Essen mit viel Alkohol und vielen Geschichten. Ihm gewidmet. Und das war sehr okay.“

Und dann?

Saldos Erkenntnis war eine überraschende, denn der 25. Dezember ist ja eigentlich kein schlechter Tag zum Sterben. „Man muss nicht sofort loslegen, denn die Ämter sind zu“, teilt Saldo im Gespräch mit dem renommierten Journalisten Kurtz die wichtigste Erfahrung nach dem leisen Tod. „Man ruft irgendwann eine Bestatterin an, hat aber Zeit, sich zu verabschieden. Karl war noch einen Tag da.“

Im ersten Jahr nach dem Ableben ihres Mannes hat sich Christiane Sadlo dann nochmal auf den Weg gemacht: „Venedig war schon immer meine Lieblingsstadt. Dort waren wir oft gemeinsam. Und dann war ich da auch alleine und habe mir gesagt: jetzt gehe ich Wege, die wir nie gegangen sind. Ganz andere.“