Montag, 5. Februar 2018 21:10 Uhr

Böse Witze über Macrons Frau Brigitte: Wo hört der Spaß auf?

Wie weit dürfen Witze im Fasching gehen? Der Auftritt einer närrischen „Feierwehrkapell’n“ bei der Fernseh-Prunksitzung „Fastnacht in Franken“ hat dazu eine Debatte ausgelöst. Ein Wissenschaftler spricht von einem „üblen Foul“.

Böse Witze über Macrons Frau Brigitte: Wo hört der Spaß auf?

Foto: WENN.com

Dürfen Narren den Altersunterschied von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und seiner Ehefrau Brigitte aufs Korn nehmen? Ist es in Ordnung, die 24 Jahre ältere Brigitte Macron dabei als „gut eingefahr’nen Schlitten“, „gut abgehang’ne Dame“ und „schärfste alte Hütte“ zu bezeichnen? Viele Kritiker sagen: Nein, das geht zu weit! Den Wirbel hat die singende Komödiantentruppe „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ aus der Oberpfalz ausgelöst.

Die freche Feuerwehrmannschaft mit ihrem Kommandanten Norbert Neugirg ließ sich am Freitagabend während der Fernseh-Prunksitzung „Fastnacht in Franken“ – begleitet von vereinzelten Buh-Rufen – minutenlang über den Altersunterschied aus und sang schließlich zur Melodie von „Pigalle“ noch ein Liedchen dazu („Brigitte, Brigitte, du bist die schärfste alte Hütte mitten in Paris“).

„Eine Kette von Highlights“

So manchem im Saal blieb dabei das Lachen im Halse stecken. Auch der Landesbischof der evangelischen Kirche in Bayern und Gast der Fernseh-Prunksitzung aus Veitshöchheim, Heinrich Bedford-Strohm, war erstaunt: „Das war das stärkste Programm, das ich bisher bei „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim gesehen habe. Bis auf wenige Ausnahmen (die Sätze über Emmanuel und Brigitte Macron waren voll daneben) eine Kette von Highlights“, schrieb er am Tag nach der Sendung auf Facebook.

Selbst im Internet-Gästebuch der „Feierwehrkapell’n“ schimpfen Zuschauer über den Macron-Witz. Sie bezeichnen die Äußerungen als „Altherrenwitzjauche“, „primitiv“, „unglaublich beleidigend“ und „unverschämt“. Unter die Kommentare mischen sich aber auch verständnisvolle Äußerungen: „Ihr Beitrag über die Macrons war grenzwertig, aber im Fasching muss man so was abkönnen. Weiter so! Political correctness ist im Fasching völlig unangebracht!“

Grenze überschritten

Der Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder sieht das anders. Die „Feierwehrkapell’n“ habe eindeutig eine Grenze überschritten. „Das war mutig und dumm. Das ist ein übles Foul, das nach hinten losgegangen ist“, sagt der Professor für vergleichende Kulturwissenschaften von der Universität Regensburg. Der Angriff auf Macrons Ehefrau sei eine Ehrverletzung.

Witze im Karneval sollen und dürfen derb sein, sagt Hirschfelder. Aber: „Der Sinn des Karnevals besteht in seiner politischen Diktion darin, auf politische Missstände hinzuweisen und nicht Menschen in ihrer persönlichen Lebenssituation zu diffamieren.“ Die Grenze des Anstands sei mit den Aussagen zu Macrons Frau überschritten, so der Experte für Karnevalsforschung.

In Zeiten der #MeToo-Bewegung schauen viele bei Witzen über Frauen genauer hin, bestätigt Kulturwissenschaftler Hirschfelder: Die Gesellschaft sei sensibilisierter bei Themen, die geschlechterspezifisch und frauenfeindlich seien. „So eine Sache wäre vor zehn Jahren noch als misslich, aber eben leider auch normal eingestuft worden.“ Viele Komiker unterlassen deshalb sexuelle Anspielungen vorsichtshalber – oder bringen sie nur gegen die Männer.

Die „Feierwehrkapelln“ hat sich noch nicht geäußert

Der Bayerische Rundfunk (BR), der die Sendung live überträgt, kündigte an, dass sich die zuständige Redaktion im kommenden Jahr noch genauer mit dem Fastnacht-Verband und den Künstlern abstimmen werde. „Bei „Fastnacht in Franken“ handelt es sich um eine kabarettistische Sendung in Zusammenarbeit mit dem Fastnacht-Verband Franken, die grundsätzlich von der Zuspitzung lebt“, erklärte der zuständige Redaktionsleiter Norbert Küber.

„Wenn in diesem Jahr beim Auftritt der „Altneihauser Feierwehrkapell`n“ die sogenannte „Narrenfreiheit“ in der Wahrnehmung einiger Zuschauer indes zu weit ausgelegt war und durch besonders zugespitzte, satirische Passagen Irritationen entstanden sein sollten, bedauern wir dies ausdrücklich.“

Die „Feierwehrkapelln“ selbst hat sich zu der Debatte weder auf ihrer eigenen Internetseite noch auf Facebook geäußert. Auch eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur blieb zunächst unbeantwortet. (Christiane Gläser, dpa)

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