17.11.2020 23:49 Uhr

Brief an den Verlierer des Jahres

Sänger Michael Wendler hat am Dienstagabend unter der wärmende Sonne Floridas via Instagram die Bundesregierung zum Rücktritt aufgefordert und Donald Trump zum Wahlsieger erklärt. Darauf hat Deutschland gerade noch gewartet.

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Hochverehrter Herr Wendler,
so langsam ist es mal gut mit Ihrer Hochnäsigkeit. Irgendwie sind Sie doch das beste Beispiel für das steinalte Sprichwort „Wer hoch fliegt kann tief fallen“. Hier die alternativen Fakten.

Um nochmal auszutesten, wie viele Ihnen noch folgen haben Sie Dienstagabend live zu Instagram gerufen. Im Hintergrund die Goldenen Schallplatten von den Plattenfirmen, die sie zu dem gemacht haben, was Sie bis September 2020 waren: Reich und berühmt. Mehr oder weniger.

Erstens.

30.000 haben zugeguckt am Anfang ihrer Monolog-Show aus einer Zimmerecke ihres kleinen Häuschens. Innerhalb von 10 Minuten sind 6.000 abgehauen, die konnten ihr Polit-Geschwurbel womöglich nicht mehr ertragen. Rechnen Sie also selber aus wieviel Prozent ihrer 315.000 Follower das sind. Wenn’s denn überhaupt Instagram-Follower waren.

„Ich bin unkaputtbar, weil ich schon zu viel erlebt habe in meinem Leben“, haben Sie in ihrer 30-minütigen Corona-Trump-Ansprache gepredigt. „Deswegen wird das nicht funktionieren, was die Medien da über mich verbreiten und mein Karriereende prognostizieren. Alles lächerlich.“ Und dann auch noch das: „Ich bin fest davon überzeugt, dass fast niemand Joe Biden gewählt hat und dass Trump gewonnen hat. (…) Ich glaube an Donald Trump, denn er wird das Ruder rumreißen und die Wahl gewinnen.“

Und dann tönen Sie noch aus 7.900km Entfernung: „Ich halte die Maßnahmen der Bundesregierung für verfassungswidrig und kriminell“. Klar.

Zweitens.

Sie haben leider überhaupt nicht das Format als politischer Künstler, dem Heerscharen folgen könnten. Der Grund: Sie gaben jahrelang den Kasper, nachdem es mit den ausverkauften Hallen musiktechnisch schneller als gedacht nicht mehr so lief. Sie haben nie geschnallt, dass die Nation sich vor allem über sie lustig gemacht hat, den selbsternannten „German King Of Pop“. Und ja, Sie mussten viel Häme ertragen. Die weicht allmählich tiefstem Mit- und Beileid. Jetzt taugen Sie nämlich nicht mal mehr als Witzfigur.

Nachdem nun auch ihr treuster Begleiter in schweren Stunden der Verwirrtheit, ihr Manager Markus Kampe, das Handtuch geworfen hat, fehlt Ihnen nun nicht nur der verlängerte Arm in Deutschland, der für Sie die Kastanien aus dem Feuer holt, während sie großkotzig im Florida auf dem Beobachtungstürmchen stehen. Es fehlt Ihnen noch viel mehr. Schauen sie mal, hier:

Drittens.

Sie haben 4-5 Millionen Euro in den Sand gesetzt, die sie bis Ende 2021 spielend bekommen hätten, wie Ihr Ex-Manager selbst bestätigte. Denn die RTL-Gruppe wird nicht mehr mit ihnen zusammenarbeiten. Ihre Werbesendung „Laura & der Wendler – jetzt wird geheiratet“ ist futsch. Es wird keine geplante Musikshow mit Ihnen geben. Und auch keine Rückkehr zu DSDS.

„Per se glaube ich, dass jeder Mensch Fehler machen darf. Man muss sich auch mal verlaufen dürfen. Jeder hat also eine zweite Chance verdient“, diktierte Ute Biernat, Chefin der DSDS-Produktionsfirma UFA der „Bild“-Zeitung gerade in den Block. Und dann schiebt sie hinterher: „Wenn man aber fünfmal denselben Fehler macht, dann ist Schluss mit lustig“

Es wird keinen Werbevertrag mehr mit dem Label „Uncle Sam“ geben, für das sie Jacken hinterm DSDS-Pult tragen sollten. Vielleicht wird’s gar keinen Werbevertrag mehr geben. Mit wem denn auch?

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Viertens.

Und es wird auch kein neues Album bei Universal Music geben, bei dem Platzhirsch überhaupt, der ordentlich Kohle in Ihre Projekte gepumpt hätte.

Noch am 5. März tönten Sie auf Insta: „‚Egal‘ geht gerade durch die Decke und soll nicht der letzte Hit bleiben. Schon in diesem Jahr erscheint ein brandneues Studioalbum bei UNIVERSAL MUSIC! Qualität soll absolut im Vordergrund stehen und das beste Produktionsteam Deutschlands.“ Da hatten Sie den Vertrag gerade unterschrieben.

Hat Sie die Botschaft überhaupt erreicht, dass Universal Music die Musik-Pläne mit Ihnen begraben hat? Nix mehr mit „brandneuem Studioalbum“ und Fanbox (wie wir hörten) und dem ganzen Tralala, womit man den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen kann.

Fünftens.

An diesen wenigen Beispielen sehen Sie wie kaputtbar sind! Nichts haben Sie in der Vergangenheit alleine erreicht, viele Menschen in vielen einflussreichen Medienhäusern und Unternehmen haben es Ihnen ermöglicht, die Präsenz zu bekommen, die sie bekannt und temporär so reich gemacht hat, dass es für eine Angeber-Ranch in Dinslaken gereicht hat.

Wie sagte Ihr Ex-Manager Markus Krampe heute morgen bei SAT.1: „Ich glaube, dass Michael Wendler bald sehr große Probleme haben und sehr tief am Boden liegen wird.“

Ich wünsche Ihnen von Herzen gute Besserung. Passen Sie also gut auf sich auf. Und achten Sie darauf, dass Sie nicht noch mehr verlieren. Ihre Laura zum Beispiel.

Hochachtungsvoll, Paul Verhoben.