Mittwoch, 3. Februar 2010 23:13 Uhr

Bushido mit dem lieben Gott bei Filmpremiere

Am Mittwochabend fand im Berliner Sony-Center die Premiere des ersten autobiographischen Films über Rapper Bushido statt. Begleitet wurde der 31-Jährige zur ersten Aufführung von ‚Zeiten ändern Dich‘  von dem jungen Bushido-Darsteller Elyas M’Barek (27), sowie den Filmkollegen Hannelore Elsner, Katja Flint, Karel Gott (spielt sich selber) und Moritz Bleibtreu sowie Produzent Bernd Eichinger und Gattin Katja Hofmann.

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Und darum geht’s: Bushido befindet sich auf Konzert-Tournee durch Deutschland, als er eine Postkarte von seinem Vater erhält. Alte Erinnerungen kochen hoch: Seine Kindheit als Ghettojunge in Berlin, statt Schule dealt er Drogen, rutscht in die Kriminalität, es droht der Knast. Vor allem aber läuft ein Bild in Bushidos Hirn Amok, wie sein Vater die Mutter vor seinen Augen schlägt. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Rapper muss sich Bushido den Dämonen der Vergangenheit stellen. Von wegen: Zeiten ändern sich, Zeiten ändern Dich: ab 4. Februar 2010 in den deutschen Kinos!

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Die erste „Begegnung“ von Regisseur Uli Edel und Rapper Bushido fand 2007 an einem ungewöhnlichen Ort statt: in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim. Edel verfilmte an Originalschauplätzen den ‚Baader Meinhof Komplex‘ nach einem Drehbuch von Produzent Bernd Eichinger. Der Gefängnistrakt, in dem früher unter anderem die RAF-Terroristen Andreas Baader und Gudrun Ensslin einsaßen, ist heute eine Jugendstrafanstalt. „Fast alle Zellen hatten eine Gemeinsamkeit“, erinnert sich Uli Edel. „Die Wände hingen voller Bushido-Poster.“

Der Regisseur, der mit seiner Familie in Los Angeles lebt, kannte den deutsch-tunesischen Musiker nicht, der 1978 in Berlin als Anis Mohamed Youssef Ferchichi geboren wurde und mit zehn Goldenen Schallplatten und zwei Platin-Schallplatten der erfolgreichste deutsche Rapper aller Zeiten ist. Wohl aber ist Edel mit dem Metier durchaus vertraut. „Meine Söhne sind 21 und 22 Jahre alt und hören nichts anderes als diese Musik. Das ist fast schon religiös.“

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‚Der Baader Meinhof Komplex‘ lief am 25. September 2008 in den deutschen Kinos an. Im selben Monat erschien im riva-Verlag die Biografie „Bushido“, die auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste schoss und sich dort Wochen lang hielt. Produzent Christian Becker (DIE WELLE) erkannte darin einen Filmstoff und ging mit dieser Idee zu Martin Moszkowicz, Vorstand der Constantin Film. Moszkowicz schlug Bushido ein Treffen vor.

„Das war kein großes Geschäftsessen, sondern ein unbürokratisches Treffen bei Starbucks“, sagt Bushido. „Ich trank Kakao, Martin trank einen Capuccino, und auf die Schnelle haben wir das Projekt eingetütet. Der Vertrag folgte nach weniger als einer Woche.“ In dieser frühen Phase war auch Produzent Bernd Eichinger bereits über die Bushido-Pläne der Constantin informiert. Er selbst arbeitete gerade an einem Drehbuch, das auf der Novelle „Schweigeminute“ von Siegfried Lenz basierte.

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Kurz nach Weihnachten 2008 rief Martin Moszkowicz Bushido in dessen Urlaub auf Barbados an. Er lud ihn nach München zum Deutschen Filmball ein. Hier teilte sich Bushido am 17. Januar 2009 einen Tisch mit Bernd Eichinger, der sich für all die Kontroversen interessierte, die Bushidos Lieder über Sex, Drogen und Gewalt in der Öffentlichkeit hervorrufen. „Die Elterngeneration hält Bushido für ihre Kinder als eine Bedrohung“, sagt der Produzent. „Das erinnert mich an die 60iger, als wir mit unserer Musik und Lebensart das Establishment verschreckten.“

Bernd Eichinger flog nach Los Angeles und stellte das Drehbuch für „Stella“ fertig, den Uli Edel inszenieren sollte. Das Projekt geriet ins Stocken, nicht zuletzt weil die ursprünglich geplante Hauptdarstellerin schwanger wurde. Jetzt besann sich Bernd Eichinger wieder auf das Bushido-Projekt.

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Uli Edel und Eichinger leben in Los Angeles praktisch Haus an Haus. So war es einfach sich über das neue Projekt zu verständigen. Schmunzelnd fügt Edel hinzu, dass auch familieninterne Gründe den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben haben könnten: „Zum ersten Mal interessieren sich meine Söhne für einen Stoff, an dem ich als Regisseur arbeite.“

Bernd Eichinger rief wieder bei der Constantin in München an und sagte: „Wenn Ihr wollt, kümmere ich mich um das Projekt. Uli Edel könnte Regie machen und ich könnte sofort das Drehbuch schreiben und wir würden ab Juli drehen.“ Martin Moszkowicz präsentierte die Idee Bushido, der keine Sekunde lang zögerte. „Das ist so, als ob Eminem bei mir anruft und fragt, ob ich Bock auf einen gemeinsamen Song habe. Klar! Da gibt es nichts zu überlegen.“

Bernd Eichinger und Uli Edel flogen gemeinsam aus Los Angeles nach München und trafen Bushido an einem Sonntagmorgen im Hotel. „Ich war die Nacht davor im P1, habe voll durchgerockt und nur zwei Stunden geschlafen“, gesteht Bushido. Für das Treffen war er aber fit genug. „Schon am nächsten Tag rief mich Bernd an und sagte, er habe alles geklärt, der Drehtermin und die ganze Mannschaft stünden bereits fest, er schreibe jetzt das Drehbuch und wir sähen uns in zwei Monaten. Das war der Startschuss.“

Fotos: klatsch-tratsch.de/Patrick Hoffmann

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