26.08.2020 20:38 Uhr

Bushido vor Gericht: „Ich wollte unbedingt dazugehören“

Im Prozess gegen einen Berliner Clanchef und dessen Brüder sah Bushido als Nebenkläger ziemlich angespannt aus. Nun hat sich der Musiker locker gegeben.

Foto: ---/dpa Pool/dpa

Der Rapper Bushido kann gar nicht aufhören zu reden, mehr als eine Stunde berichtet er im Hochsicherheitssaal 500 des Berliner Landgerichts über die Anfänge seiner Musikkarriere, seinen „Geschäftssinn“, den Aufstieg nach abgebrochener Schule und einer Maler- und Lackiererausbildung.

Bushido als Zeuge – um diese Straftaten geht es

Er habe immer den Überblick gehabt, sei sehr umtriebig gewesen und habe die Geschäfte selbst in die Hand genommen, trägt der 41-Jährige am Mittwoch vor. Arafat A.-Ch., dieses Mal im rosa Shirt mit Micky Maus, fixiert von der Anklagebank aus seinen Ex-Geschäftspartner.

Bushido, im schwarzen Shirt, muskulös und tätowiert, ist in dem Prozess gegen den 44-jährigen A.-Ch. und drei von dessen Brüdern Nebenkläger. Es geht um Straftaten zum Nachteil des Rappers – versuchte schwere räuberische Erpressung, Nötigung, Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung, Beleidigung und Untreue.

Bushido vor Gericht: "Ich wollte unbedingt dazugehören"

imago images / Olaf Wagner

Bushido über seine Kindheit

Die ersten Kassetten habe er in seinem Berliner Kinderzimmer in den 90er Jahren aufgenommen, ein Mikrofon habe er mit Wischmopp und Joghurtbecher improvisiert, schildert Bushido. Seine Mutter habe dann für die technische Ausstattung einen Kredit aufgenommen, lässt der 41-Jährige wissen. Der interessierte Vorsitzende Richter unterbricht nur selten für Nachfragen.

So erinnert sich Bushido weiter. Als er dann später in einem Monat bis zu 1000 Kassetten verkauft habe, habe er sich „unfassbar reich“ gefühlt. „Ich wollte unbedingt dazugehören.“ Dies sei sein Traum gewesen. Steuerlich sei er aber nicht so bewandert gewesen. Einen großen Teil des Geldes habe er damals seiner Mutter gegeben. Bushido sieht sich als „absoluten Nerd in Sachen Hip-Hop, Breakdance und Graffiti“.

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Überall Personenschützer

Der „Sprechgesangskünstler“ – so bezeichnet ihn die Staatsanwaltschaft – ist ständig von Personenschützern umgeben. Männer mit Sturmhauben und schusssicheren Westen bringen Bushido auch am dritten Prozesstag in den Gerichtssaal. Er und seine Frau hatten bei der Polizei gegen den Clan ausgesagt.

Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen zu Arafat A.-Ch. aufgelöst habe. Dieser habe das nicht akzeptieren wollen und von Bushido unberechtigt eine Millionenzahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert.

Seit 2017 bedroht

Der Rapper sei im Dezember 2017 und Januar 2018 bedroht, beschimpft eingesperrt und mit einer Wasserflasche sowie einem Stuhl attackiert worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt. Nur der 39-Jährige sitzt in U-Haft. Die Männer schweigen zu den Vorwürfen.

Bushido sagt, als er seinen ersten Vertrag bei dem neugegründeten Label Aggro um die Jahrtausendwende unterschrieb, habe er das als „Riesenehre“ empfunden. Sie seien so „unfassbar erfolgreich, so authentisch“ gewesen. Doch dann sei es zum Streit um die Rechte gekommen. Er habe aus dem Vertrag aussteigen wollen, als Gegenleistung seien Forderungen von mehreren Hunderttausend Euro gekommen.

„Und dann ging es damit weiter, worüber Sie heute nicht sprechen wollen“, sagt Bushido zum Vorsitzenden Richter und schließt seinen Exkurs. Gemeint sind offensichtlich die früheren Beziehungen zum Angeklagten Arafat A.-Ch., die vorerst kein Thema im Gerichtssaal waren. Am Montag geht es weiter mit der Befragung von Bushido. (Jutta Schütz und Anne Baum, dpa)

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