08.10.2020 22:16 Uhr

Campinos erstes Buch: Bekenntnisse eines Fußballsüchtigen

Campino hat sein Leben in einer Autobiografie festgehalten. Inklusive seiner bedenklichen Leidenschaft für den FC Liverpool.

imago images / STAR-MEDIA

Als Kind winkte ihm Queen Elizabeth II. zu, als Spieler des TSV Metzkausen endete seine Karriere auf der Ersatzbank. Campino hat sein Leben in einer Autobiografie festgehalten. Inklusive seiner bedenklichen Leidenschaft für den FC Liverpool.

Als Kind fast aus dem Fenster gefallen

Der Tote-Hosen-Sänger und Schauspieler Campino ist um eine Profession reicher. Er ist nun auch Buchautor. Campino (58), bürgerlich Andreas Frege, hat mit seinem Debüt „Hope Street – wie ich einmal englischer Meister wurde“ eine mehr als 350 Seiten starke Autobiografie vorgelegt.

Anekdotenreich berichtet er von seiner Kindheit als eines von sechs Geschwistern in Düsseldorf, wo er als Kleinkind beinahe aus dem fünften Stock gefallen wäre – und von den weiteren Jahren im Eigenheim in der Vorstadt Mettmann. Seine englische Mutter war Lehrerin, sein Vater Richter und treues CDU-Mitglied. Als er ihm beim Zündeln einmal den Schreibtisch in Brand setzte, habe er eine Tracht Prügel bezogen, verrät Campino.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ab heute überall erhältlich: „Hope Street: Wie ich einmal englischer Meister wurde“, das erste Buch von Campino! Ursprünglich sollte „Hope Street“ ein reines Fußballbuch werden – aber schnell wurde klar, dass Campino erst einmal erklären musste, wie es zu seiner Leidenschaft für den FC Liverpool überhaupt kommen konnte. Und damit war er dann schon mittendrin in seiner englisch-deutschen Familiengeschichte, die er im Buch nun ebenfalls erzählt. Dafür förderte Campino einiges zutage, das er selbst noch nicht wusste. Im Ergebnis ist „Hope Street“ all das: Ein Buch über den FC Liverpool, ein Buch über den Sänger der Toten Hosen und seine Familie – und nicht zuletzt auch ein Buch über Deutschland und England, ein Stück Zeitgeschichte. Zusätzlich erscheint am 07.10. das „Hope Street“-Hörbuch mit einer Spielzeit von über neun Stunden. Mit dabei: Sechs Lieder aus oder über Liverpool, gesungen und gespielt von Campino und Kuddel. Das Buch und Hörbuchen könnt Ihr unter dem Link in der Bio bestellen. Der „Soundtrack“ zum Buch, „Learning English Lesson 3: MERSEY BEAT! The Sound Of Liverpool“, erscheint am 13.11.2020 als einmalige, limitierte und nummerierte Auflage von 7.500 LPs und 20.000 CDs sowie als Download und Stream und ist unter dem Link in der Bio vorbestellbar. #campino #hopestreet Ein Beitrag geteilt von Die Toten Hosen (@dietotenhosen_official) am Okt 5, 2020 um 8:18 PDT

Er sah Fußballspiele auch schon auf der Bühne

Der staunende Leser erfährt, dass Campino als Kind allein auf einer Wiese seiner Tante in England stand und die Fahne, den Union Jack, für Königin Elizabeth II. schwenkte – die Monarchin habe sekundenlang zurückgewinkt, als sie mit der königlichen Jacht „Britannia“ das Ufer-Grundstück und den kleinen Andreas passierte. Campino erklärt die in seiner Kindheit verankerte besondere Beziehung zum Königreich, und dass seine Karriere als aktiver Fußballer beim TSV Metzkausen nur zwei Jahre währte – und recht kläglich auf der Ersatzbank endete.

Etwa in dieser Zeit begann seine Leidenschaft für den FC Liverpool. Oder sollte man besser sagen: Sucht? Denn der Dauerkarteninhaber Campino fliegt nicht nur für möglichst viele Heimspiele nach Liverpool, sondern verfolgt auch nahezu jedes sonstige Spiel seiner Mannschaft an einem Bildschirm – und sei es auf der Bühne mit einem eigens dafür bereitgestellten Monitor – während der Auftritte mit den Toten Hosen.

Hochzeit nur am Rande zwischen zwei Spielen erwähnt

Tourpläne und sonstige Engagements müssen seit Jahren mit dem Spielplan der Premier-League-Mannschaft abgestimmt werden. Campino pellt sich in aller Herrgottsfrühe in New York aus dem Bett, um trotz Zeitverschiebung in einem Pub ein Spiel seiner „Reds“ zu sehen. Nach seiner Rückkehr aus den USA steigt er am Frankfurter Flughafen gleich – trotz Kopfschmerzen und Jetlag – in einen Flieger nach Neapel, um dort ein Auswärtsspiel der Liverpooler live im Stadion zu verfolgen.

Über jedes normale Ligaspiel des FC Liverpool erfährt der Leser in dem Buch mehr als über Campinos eigene Hochzeit in New York: ein scheinbar belangloses Intermezzo zwischen zwei Liverpool-Spielen. Wenn er mit Tausenden die letzten Kilometer zu einem Stadion zu Fuß zurücklege, weil ein Stau alles lahmgelegt habe, dann sei er glücklich, bekennt er.
Als Auswärtsfan lebe er gefährlich, berichtet Campino augenzwinkernd: So sei er zwar in Neapel den nicht minder fanatischen neapolitanischen Fans entronnen, dann aber am Flughafen nach dem Spiel beinahe von 100 aggressiven deutschen Rentnern gelyncht worden.

Psychologe findet die Manie harmlos

Aber wenn der FC Liverpool verliert, kann es sein, dass der Deutsch-Brite die Contenance verliert und so sehr gegen einen Mülleimer tritt, dass er mit gebrochenem Fuß und Gips auf die Bühne muss. Begegnen sollte man ihm besser ebenso wenig, wenn die Übertragung eines Spiels nicht funktioniert. Dass dies den Rahmen des Üblichen sprengt, ist dem 58-Jährigen selbst nicht verborgen geblieben, und er konsultierte in der Sache schließlich einen Psychologen, wie er verrät.

Dass dieser die Liverpool-Manie des Düsseldorfers als harmlos eingestuft haben soll, zählt zu den großen Rätseln des Buches. Seit dem 5. Oktober ist

© dpa-infocom, dpa:201007-99-856285/2 (Von Frank Christiansen, dpa)

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