Carré Sutton über Vorwürfe gegen Gérald Marie: Hat „mich vergewaltigt“

SpotOn NewsSpotOn News | 20.06.2022, 17:12 Uhr
Unter anderem Carré Sutton spricht in einer neuen Doku über die Vorwürfe gegen Gérald Marie. (wue/spot)
Unter anderem Carré Sutton spricht in einer neuen Doku über die Vorwürfe gegen Gérald Marie. (wue/spot)

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In einer neuen Dokumentation weisen vier Models auf die dunkle Seite der Modebranche hin. Es geht unter anderem um die Vergewaltigungsvorwürfe von Carré Sutton gegen den Ex-Mann von Linda Evangelista.

Mehrere Frauen haben in den vergangenen Jahren schwere Vorwürfe gegen Gérald Marie erhoben. Der ehemalige Chef einer Modelagentur und Ex-Mann von Linda Evangelista (57) soll junge Models vergewaltigt haben. Einige seiner mutmaßlichen Opfer, darunter auch Carré Sutton (53), ehemals Carré Otis, kommen nun in einer neuen Dokumentation zu Wort.

„Er hat sich mir im Grunde aufgezwungen und mich vergewaltigt“, erzählt Sutton laut eines Berichts von „Sky News“ in „Scouting For Girls: Fashion’s Darkest Secret“. Sie sei damals verängstigt und am Boden zerstört gewesen. Als die heute 53-Jährige nur 17 Jahre alt war, habe Marie sie mehrfach in einem Pariser Apartment vergewaltigt, wie Sutton in einer Klage behauptet, die laut „The Guardian“ im Sommer 2021 in New York eingereicht wurde. Die französischen Behörden hatten zuvor Medienberichten zufolge elf Frauen eingeladen, um sich mit Ermittlern der Polizei zu treffen.

Gerne würde Sutton Marie, der sämtliche Vorwürfe abstreitet, „von Angesicht zu Angesicht“ im Gerichtssaal gegenüberstehen, erklärt sie „Sky News“. Evangelista, die sich 1993 von Marie scheiden ließ und nach eigenen Angaben während der Beziehung nichts davon gewusst haben soll, lobte bereits 2020 im Gespräch mit dem „Guardian“ den „Mut und die Stärke“ der Frauen, die ihren Ex-Mann öffentlich beschuldigen. Basierend auf den Aussagen und ihren eigenen Erfahrungen glaube sie den Models.

Ihre Töchter würde Sutton nicht als Model arbeiten lassen

„Ich glaube nicht, dass Täter einfach einen Schalter umlegen“, sagt Sutton nun. Sie glaube, dass es noch weitere Opfer gegeben habe. „Der Grund, warum ich vorgetreten bin, ist dass ich Töchter habe.“ Sie wolle nicht, dass diese etwas derartiges als normal ansehen, was sie lange Zeit getan habe. Die Modebranche sei eine „komplett ungeregelte Industrie, die hauptsächlich mit Minderjährigen und jungen Erwachsenen arbeitet“. Dass die Branche als Einzige nicht kontrolliert werde, sei „ungeheuerlich“.

Sutton wolle Gerechtigkeit, erzählt sie „Sky News“. Sie wolle eine Änderung in der Branche, die Rechte der in der Modeindustrie arbeitenden Menschen schützen, Gleichberechtigung und jenes „heilen, was mir und so vielen anderen Überlebenden, die komplett unschuldig waren, passiert ist“. Ihren 13- und 15-jährigen Töchtern würde sie nicht erlauben, Model zu werden.

In der Dokumentation behauptet sie, dass die Menschen in der Modeindustrie sich am Missbrauch junger Models mitschuldig gemacht hätten. So sei sie etwa auch zu Fotoshootings in den privaten Häusern von Fotografen geschickt worden, die als „Täter“ bekannt gewesen sein sollen und sie dazu aufforderten, sich auszuziehen. „Das war total normal“, erzählt Sutton. Besonders unbekanntere Models seien oftmals Opfer von Übergriffen.

Auch Jill Dodd behaupte, dass sie demnach in Paris im Jahr 1980 von Marie vergewaltigt wurde, als sie 20 Jahre alt war. Ein weiteres Model, Shawna Lee, spreche davon, dass sich Marie 1992 an ihr vergangen habe, als sie 15 Jahre alt war.

Aber nicht nur gegen Marie werden Anschuldigungen erhoben, auch gegen Jean-Luc Brunel, ein Vertrauter des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, der 2019 tot in seiner Zelle aufgefunden wurde. Ähnlich wie Epstein wurde auch Brunel, ehemaliger Chef einer Modelagentur, im Februar tot in einer Zelle in einem Pariser Gefängnis gefunden. Marianne Shine behauptet, dass Brunel sie 1980 vergewaltigt habe. Sie erinnere sich daneben auch an einen Vorfall mit einem Fotografen, der gesagt habe, dass sie ihre Bilder nicht bekomme, wenn sie nicht mit ihm schlafe. Und als sie sich bei ihrem Agenten beschwert hatte, hätte sie quasi nur als Antwort bekommen, dass sie sich nicht so haben solle. Derartige Vorfälle seien ständig passiert.