Die Moderatorin im InterviewCathy Hummels: „Ludwig wünscht sich, dass seine Mama glücklich ist“

Cathy Hummels geht offen mit ihren Depressionen um. (eee/spot)
Cathy Hummels geht offen mit ihren Depressionen um. (eee/spot)

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SpotOn NewsSpotOn News | 07.12.2022, 10:52 Uhr

Ein offener Umgang mit Depressionen fällt Cathy Hummels nicht schwer. Eine Person, die ihr stets eine große Stütze ist, ist ihr Sohn Ludwig: "Wir sind ein Team."

Wie wichtig ein offener Umgang mit mentaler Gesundheit und psychischen Krankheiten wie Depressionen ist, weiß Cathy Hummels (34) nur zu gut. Sie selbst durchlebte bereits mehrmals depressive Phasen – das erste Mal mit 15 Jahren – und hat mit professioneller Hilfe gelernt, wieder zu sich selbst zu finden. Dass inzwischen auch oft junge Menschen aus der Generation Z und Y von der Krankheit betroffen sind, hat unlängst eine Studie des Vorsorgeunternehmens Swiss Life Deutschland bestätigt. Im Interview betont Hummels: "Da brauchst du wirklich einen Psychotherapeuten. Aber je mehr du darüber sprichst, desto mehr löst sich das. "

Sie gehen seit Jahren offen mit Ihren Depressionen um. Wie geht es Ihnen aktuell?

Cathy Hummels: Mittlerweile geht es mir sehr gut. Es hat mich mit 15 Jahren das erste Mal getroffen. Ich weiß auch genau, dass viele sich nicht trauen, dazu zu stehen und das "zuzugeben". Aber wenn man sich mit Depressionen auskennt, sich auch mit der Krankheit auseinandersetzt und sie versteht, kann man gut damit leben.

Wie wurde damals bei Ihnen die Diagnose gestellt?

Hummels: Meine erste Depression wurde damals nicht richtig diagnostiziert. Ich habe damals enorm an Gewicht verloren, bestimmt 15 Kilo. Nicht, weil ich keinen Hunger mehr hatte, sondern weil ich einfach traurig war und nur noch geweint habe. Ich war ein Schatten meiner selbst. Das größte Problem war, dass die Krankheit damals noch nicht so anerkannt war.

Fällt es Ihnen schwer, darüber zu sprechen?

Hummels: Mir fällt es heute nicht schwer, darüber zu sprechen. Ich bin ganz ehrlich, was das angeht. Viel schlimmer fand und finde ich, dass diese Krankheit immer noch verurteilt wird.

Wie hat sich die Depression damals bei Ihnen bemerkbar gemacht?

Hummels: Erst meine zweite Depression mit 21 wurde ja richtig diagnostiziert. Damals bin ich zum Arzt gegangen, weil ich Panikattacken und Angstzustände hatte. Da konnte ich das auch schon besser beschreiben. Ich wollte nicht mehr leben und habe versucht, dem Arzt das alles zu erklären. Dann wurden verschiedene Untersuchungen gemacht, wie die Kontrolle der Schilddrüse und ein EKG. Ich hatte immer das Gefühl, mein Brustkorb platzt. Ich war total panisch. Ich konnte auch nicht mehr ruhig sitzen und es war, als wäre ich wahnsinnig. Dann kam die Diagnose und dann konnten die Ärzte es natürlich auch viel besser therapieren. So wusste ich auch, dass es schon mit 15 eine Depression gewesen ist.

Kann es sich positiv auf den Verlauf auswirken, wenn man offen mit der Depression umgeht?

Hummels: Ich glaube, wenn die Krankheit mehr anerkannt wird, wenn man mehr darüber spricht, dann verstehen auch die Leute, die sie nicht haben, was genau das bedeutet. Das ist eine Krankheit, da brauchst du wirklich einen Psychotherapeuten, manchmal musst du auch Medikamente nehmen. Du bist gefangen in dir selbst – und das Schlimmste ist, dass man den Kampf, den du mit dir in deinem Inneren führst, von außen nicht sieht. Aber je mehr du darüber sprichst, desto mehr löst sich das. Die Gedanken müssen ja aus deinem Körper raus und desto eher wird es auch verstanden. Deswegen glaube ich, dass Offenheit sehr dazu beiträgt.

Hätten Sie sich damals gern mehr Aufklärung zum Thema Vorsorge gewünscht?

Hummels: Natürlich hätte ich mir das gewünscht, aber in meiner Vergangenheit gab es das nicht. Umso schöner ist es, dass jetzt endlich wirklich darüber gesprochen und viele Betroffene versuchen, die Krankheit zu entstigmatisieren. Wenn du dir den Fuß brichst, dann fällst du sechs Wochen aus und keiner verurteilt dich. Wenn du die Diagnose Depression bekommst, dann weißt du nicht, wie lange das dauert. Aber das Schlimme ist gar nicht mal diese Ungewissheit, sondern dass du dann als gestört abgestempelt wirst. Aber du bist nicht gestört, du bist einfach nur krank. Trotzdem hat die Diagnose Folgen. So ist es zum Beispiel kaum noch möglich, damit eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Da mittlerweile Menschen sehr früh im Lebenslauf erkranken, ist es auch total wichtig, darüber nachzudenken, sich früh abzusichern, um im Ernstfall zumindest ein finanziell selbstbestimmtes Leben führen zu können. Wenn man mich zum Beispiel mit 14 Jahren kennengelernt hätte, hätte man niemals gedacht, dass ich eine Depression bekomme. Ich war Leben pur. Ich war immer die Lustigste und habe jeden Quatsch mitgemacht, war komplett extrovertiert. Und dann von heute auf morgen war ich so. Und deswegen ist Vorsorge so wichtig.

Welche Tipps haben Sie für junge Menschen, die unter der Krankheit leiden?

Hummels: Wenn man als Jugendlicher die Diagnose bekommt, ist es ganz wichtig, dass man darüber spricht und wirklich auch eine Psychotherapie macht. Ich hätte mir das damals sehr für mich gewünscht. Du lernst so viel über dich selbst. Vor allem im Jugendalter, da ist man oft einfach verloren. Man weiß noch nicht genau, wohin soll mein Weg gehen. Und da kann eine Psychotherapie helfen, die gibt dir einen Selbstwert.

Viele Menschen kämpfen mit der dunklen Jahreszeit. Macht Ihnen diese Zeit ebenfalls zu schaffen?

Hummels: Mir macht es nicht zu schaffen, dass der Sommer vorbei ist oder dass es kälter wird, sondern ich vermisse einfach die Sonne. Das habe ich zum Beispiel auch für mich rausgefunden. Ich bin ein Mensch, ich brauche Sonne, ich brauche Vitamin D, um glücklich zu sein. Denn wenn du eine Depression hast, ist es nicht so, dass das Glück in dir wohnt. Du musst schon schauen, dass du dir das irgendwie holst. Man muss wirklich lernen, sich um sich zu kümmern. Und Sonne hilft mir, mich gut zu fühlen. Deswegen mache ich auch super gern mal Lichttherapie. Ich nehme nach Rücksprache mit meinem Arzt auch Vitamin D, wenn es sehr dunkel wird. Das ist auch ein Tipp, den ich habe.

Gibt es trotzdem etwas, worauf Sie sich jetzt freuen?

Hummels: Ich mag den Herbst und den Winter auch ganz besonders. Ich liebe den Herbst mit seinen Farben. Farben machen mich glücklich, auch in der Mode. Ich muss immer eine Farbe tragen und brauche immer ein Highlight. Winter finde ich auch schön, zum Beispiel wenn es wirklich mal komplett vollgeschneit ist. Aber Regenwetter und die ganze Zeit trist ist für die Psyche, wenn du vorbelastet bist, nicht sehr leicht, weil es dich runterzieht. Aber ich habe ja meine Medizin und weiß, was ich brauche.

Wie bekommen Sie Job und Mutterrolle unter einen Hut?

Hummels: Ich bekomme alles unter einen Hut, weil ich es unter einen Hut bekommen will. Außerdem weiß ich einfach, dass mein Sohn Ludwig sich wünscht, dass seine Mama glücklich ist. Genauso wie ich mir wünsche, dass er unendlich glücklich ist. Wir sind ein Team. Ich weiß, wann er mich braucht, wann ich nicht weg sein darf. Ich weiß aber auch, wann ich mal weg sein kann. Und er ist wirklich ein toller, glücklicher Junge mit dem größten Selbstwert. Und das bestätigt mich jedes Mal.

Wie fänden Sie es, wenn es Ludwig später auch mal vor die Kamera zieht?

Hummels: Mir ist das ehrlich gesagt total egal. Egal was er werden will in seinem Leben, egal welche sexuelle Orientierung er haben wird, Hauptsache mein Sohn ist glücklich. Er wird mir das dann mitteilen. Und egal wie sein Weg aussehen wird, er hat meine vollste Unterstützung. Denn man hat nur ein Leben. Und am Ende des Tages geht es darum, dass er sich selbst glücklich macht. Er soll wie ich selbstbestimmt entscheiden dürfen über seine Gesundheit, seine Zukunft, sein Geld, sein Wohl. Es ist schön, wenn man Eltern hat, die einem den Weg guiden. Aber am Ende des Tages ist man immer für sich selbst verantwortlich und jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.