30.12.2020 12:54 Uhr

Chemnitz forciert Kulturhauptstadt-Programm

Chemnitz soll Kulturhauptstadt 2025 werden und will im neuen Jahr weitere Pflöcke für das umfangreiche Programm einschlagen. Sorgen bereitet derweil die ungenügende Verkehrsanbindung der Stadt.

Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Für das Programm der Kulturhauptstadt Europas 2025 sollen kommendes Jahr die erste Beiträge konkretere Formen annehmen. „Wir haben vier Jahre, das Programm vorzubereiten“, sagte der Leiter des Kulturhauptstadt-Projektes, Ferenc Csák, der Deutschen Presse-Agentur.

2021 sei ein Viertel der Vorbereitungszeit, in der Grundstrukturen geschaffen und Führungspositionen wie die des Geschäftsführers und des künstlerischen Leiters besetzt werden müssten. Im Herbst müsse Chemnitz einen ersten Monitoringbericht abliefern. Weiter gefordert seien auch Bund und Land, betonte Csák – etwa um die internationale Erreichbarkeit der Stadt sicherzustellen.

Zu den Vorhaben, die 2021 forciert werden, gehört der virtuelle Raum „maker-space.eu“. „Der steht als kreativer Hub im Zentrum des künftigen Programmes“, erläuterte Csák. Dort sollen sich Kreative aus Europa und der Welt treffen und tätig werden. Zudem sind für die „Parade der Apfelbäume“ 2021 erste Pflanzungen der insgesamt 4000 Bäume geplant. Auch andere Vorhaben, die viel Abstimmung brauchen, müssten schon jetzt vorangetrieben werden, betonte Csák. Dazu nannte er etwa den „Purple Path“, ein Kulturpfad durch mehr als 20 Orte in der Region, das Projekt „3000 Garagen“ als versteckte kreative Orte in der Stadt sowie die geplante Akademie der Autodidakten.

Insgesamt planen die Verantwortlichen mit einem Budget von mehr als 91 Millionen Euro, davon gut 30 Millionen für investive und rund 60 Millionen für operative Ausgaben inklusive des Programms. Csák: „Das Budget ist noch nicht endgültig und es ist unsere Aufgabe, weitere EU-Fördermittel in Anspruch zu nehmen.“ Die Vorbereitungen sieht er bisher nicht maßgeblich durch die Corona-Pandemie beeinträchtigt. Es zahle sich aus, dass von Anfang an stark auf Digitalisierung gesetzt worden sei. „Wir rechnen damit, dass Chemnitz 2025 sein Programm voll entfalten kann und es keine Abstriche gibt.“

Gefordert sieht Csák allerdings Bund und Land darin, zügig die Verkehrsanbindung von Chemnitz zu verbessern. Denn die mit rund 245 000 Einwohnern viertgrößte Stadt Ostdeutschlands ist bislang vom Bahn-Fernverkehr abgehängt. Es sei keine Bitte, sondern eine Grundvoraussetzung, dass die Stadt und die Region auf Straße, Schiene und aus der Luft international erreichbar seien, betonte der frühere Staatssekretär im ungarischen Kulturministerium.

Dazu gehören aus seiner Sicht auch eine Anbindung und gute Taktung nach Prag sowie eine direkte Zugverbindung zum internationalen Flughafen BER in Berlin. „Sachsen und Deutschland stellen Europa eine Kulturhauptstadt“, sagte Csák und zog eine Parallele zur Austragung einer Fußball-EM. Eine gute Verkehrsanbindung sei wichtig, damit Millionen Interessierte das Programm erleben könnten. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass dies rechtzeitig umgesetzt wird: „Die Landesregierung hat uns immer hervorragend unterstützt.“

Chemnitz hatte seine Bewerbung um den Titel unter das Motto „C the Unseen“ gestellt. Damit spielt es auf seine bewegte Vergangenheit mit tiefgreifenden Umbrüchen an, auf seine Underdog-Rolle innerhalb der Städte Europas, auf die „stille Mitte“ der Stadtbevölkerung, die sich in den vergangenen Jahrzehnten verstärkt ins Private zurückgezogen hat. Mit dem Programm will sich Chemnitz als „Macher-Stadt“ präsentieren und hat sich damit im Oktober gegen die vier anderen Finalisten Nürnberg, Magdeburg, Hildesheim und Hannover durchgesetzt.

Zuletzt gab es aber Kritik vor allem aus Bayern am Vergabeverfahren. Deswegen hatten die Kulturminister der Länder in ihrer jüngsten Sitzung die Entscheidung für Chemnitz nicht bestätigt und wollen erst Anfang des neuen Jahres einen entsprechenden Beschluss fassen. Zuvor soll ein Gesprächsangebot der Jury zu der Kritik angenommen werden. An dem Titel für Chemnitz hatte Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) aber keine Zweifel aufkommen lassen: „Chemnitz ist zweifelsohne die Siegerstadt.“

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