Samstag, 21. August 2010 18:43 Uhr

Christoph Schlingensief hat den Kampf gegen den Krebs verloren

Berlin. Er war einer der aufregendsten, aber auch sympathischsten und einzigartigsten Zeitgenossen und er liebte die Provokation. Heute ist der Film- und Theatermacher Christoph Schlingensief vestorben. Im Oktober wäre er 50 Jahre alt geworden. Der Sprecher der Ruhrtriennale bestätigte gegenüber Bild Online: „Ja, Herr Schlingensief ist gestorben. Auf Wunsch der Familie kann ich zu den weiteren Umständen nichts sagen.“

Die Teilnahme am Kulturfestival Ruhrtriennale im August, wo Schlingensief ‚S.M.A.S.H. – In Hilfe ersticken‘ inszenieren wollte, musste er wegen einer erneuten Krebsdiagnose vor kurzem absagen.

Bei dem Nichtraucher Schlingensief war Anfang 2008 Lungenkrebs diagnostiziert worden. Dabei wurde ein Lungenflügel entfernt, doch ein Jahr später wurden neue Metastasen festgestellt. Im August 2009 hatte Schlingensief seine langjährige künstlerische Mitarbeiterin, die Kostüm- und Bühnenbildnerin Aino Laberenz (28, Foto unten) geheiratet. 2009 war er Jurymitglied der Berlinale.

Christoph Schlingensief wurde 1960 in Oberhausen geboren. Nach zahlreichen Kurzfilmen drehte er 1984 seinen ersten Langfilm ‚Tunguska – Die Kisten sind da‘, es folgten u.a. ‚Menu total‘ (1985), ‚Egomania (1986) und Mutters Maske‘ (1987). Zwischen 1989 und 1992 drehte er die Deutschlandtrilogie: ‚100 Jahre Adolf Hitler – Die letzten Stunden im Führerbunker‘, ‚Das deutsche Kettensägenmassaker‘ und ‚Terror 2000 – Intensivstation Deutschland‘. An der Volksbühne in Berlin entstand 1993 seine erste Theaterinszenierung ‚100 Jahre CDU – Spiel ohne Grenzen‘. Es folgten u.a. ‚Kühnen `94′,‘ Rosebud‘ (2001) ‚Kunst und Gemüse, A. Hipler‘ (2004), 2006 die begehbare Installation ‚Kaprow City‘ und die ATTA-Trilogie, die sich aus ‚ATTA ATTA‘ (Volksbühne, 2002), ‚Bambiland‘ von Elfriede Jelinek (Burgtheater Wien, 2003) und ‚Attabambi – Pornoland‘ (Schauspielhaus Zürich, 2004) zusammensetzt. Mit seinen aktionistischen Projekten außerhalb des Theaters wirkte Schlingensief weit über den Kunstraum hinaus und erfuhr internationalen Erfolg.

Schlingensief begann den Bau eines Opernhauses in Afrika, inszenierte Opern an verschiedenen Häusern, Höhepunkte waren von 2004-2007 Wagners ‚Parsifal‘ in Bayreuth und 2007 ‚Der Fliegende Holländer‘ in der Oper von Manaus. Mit seinen unzähligen Inszenierungen, Kunstinstallationen, Aktionen und Ausstellungen mischt sich Christoph Schlingensief seit über zwei Jahrzehnten unbeirrt in den kulturellen und politischen Diskurs ein und führt in Bezugnahme auf verschiedene Künstler – u.a. Joseph Beuys – Oper, Theater, Film und Aktionen zusammen.

In der achtteiligen MTV-Sendung ‚U3000‘, im Jahr 2000 ausgestrahlt vom Musiksender MTV und aufgezeichnet in der Linie 7 von Berlin Britz-Süd nach Berlin-Spandau, übernimmt Schlingensief die Rolle des Moderators, der sich für seine als telegene Selbstlosigkeit getarnte Selbstliebe selbst hasst. (Quelle: u.a. Ruhrtriennale).

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