Donnerstag, 19. März 2020 19:54 Uhr

Corona-Krise: Die Deppen schnallen es einfach nicht!

Spring Break in Fort Lauderdale/Florida. imago images / ZUMA Wire

Aktuelle Zahlen beweisen: Vor allem junge Menschen sind Hauptträger des Coronavirus. Doch ausgerechnet sie passen ihr Verhalten der Krise bislang nicht an, sondern feiern einfach weiter. Und zwar weltweit!

Noch am Wochenende ließen sich in vielen deutschen Großstädten sehr viele sehr ausgelassene und anscheinend sorglose junge Erwachsene bei der Freizeitgestaltung unter freiem Himmel beobachten. Sie trafen sich zwar nicht in Bars oder Clubs, hingen aber in größeren Gruppen beim Picknick im Park oder dem obligatorischen Cappuccino im Café ab. Zu Hause bleiben? Sollen die anderen. Von Social Distancing haben sie auch noch nie was gehört.

Corona-Krise: Die Deppen schnallen es einfach nicht!

Im Berliner Mauerpark. Foto: imago images / Seeliger

#WirBleibenZuHause

Doch hierzulande regt sich glücklicherweise immer mehr Kritik an dem völlig verantwortungslosen Verhalten. Gerade erst hat das Bundesministerium für Gesundheit unter #WirBleibenZuhause eine Kampagne mit Promis wie Joko Winterscheidt, Matthias Schweighöfer oder Kida Khodr Ramadan gestartet, um vor allem junge Menschen davon zu überzeugen, endlich zu Hause zu bleiben.

Wie in Europa denken auch Amerikas Jugendliche bislang nicht daran, sich von Massen fernzuhalten und zu Hause zu bleiben. Stattdessen feiern sie ihre verlängerten Schul- oder Semesterferien ausgelassener denn je.

In Florida wird gefeiert

Gerade erst schockieren Fotos aus Florida vom aktuellen Spring-Break-Treiben: Sehr nackt, sehr dicht gedrängt und sehr betrunken feiern unzählige US-Studenten an den Stränden von Miami oder anderswo ihre verlängerten Semesterferien. Auch Mexiko gilt als beleibtes Reiseziel für den wochenlangen Partymarathon. Laut dem Portal TMZ  hat der US-Reiseveranstalter “STS Travel” in den letzten Wochen rund 1500 Partywillige zum Feiern nach Mexiko verschickt – und bietet den Service auch weiterhin an. Lediglich 10 Prozent der Studenten hätten ihre Buchungen storniert.

Stattdessen wird überall fleissig weiter gefeiert – und sich über die Krise lustig gemacht, wie unzählige Instagram-Posts über “Corona-Partys” beweisen.

Das Problem: Für junge Menschen verläuft eine Infektion mit Covid-19 meist harmlos. Viele merken nicht einmal, das sie infiziert sind. Die Krankheit stellt keine wirkliche Gefahr für sie da – und genau so verhalten sich viele leider auch.

Was sie vergessen: Sie gefährden mit ihrem Verhalten andere – vor allem vorerkrankte und ältere Menschen. Und: Sie könnten der Grund sein, warum die Kurve der Infizierten weiter exponentiell steigen wird, wie Zahlen aus Südkorea beweisen. Diese zeigen die beiden ganz großen Probleme der aktuellen Pandemie: Zum einen die Personen, die vor dem Virus geschützt werden müssen – Alte und Kranke –, und zum anderen jene, die das Virus innerhalb kurzer Zeit immer weiter verbreiten, weil es sie kaum betrifft – die jungen Gesunden.

Quelle: instagram.com

Social Distancing

In Deutschland befinden wir uns momentan mitten in der kritischen Phase für die Entwicklung der Pandemie. Niemand weiß, wie viele Menschen das Virus in sich tragen, ohne es zu ahnen, und ihr Umfeld unwissend anstecken. Niemand weiß, wie die Situation sich weiter entwickeln wird. Aber wir wissen jetzt schon, dass das so genannte “Social Distancing” – die freiwillige Isolation – eine extrem wirksame Maßnahme im Kampf gegen das Coronavirus ist. Anders als in Italien, Frankreich oder Spanien setzt man hierzulande momentan noch nicht auf Ausgangssperren, sondern auf die Vernunft des Einzelnen. Die Frage ist: wie lange noch?

Ausgangssperren unvermeidlich?

Isabella Heuser-Collier, Direktorin der Klinik und Hochschulambulanz für Psychiatrie/Psychotherapie an der Charité Berlin, sprach sich für Ausgangssperren in Deutschland aus. Sie sei „entsetzt“ gewesen, als sie am Mittwoch auf dem Tempelhofer Feld gesehen habe, wie Leute in großen Gruppen eng beieinander saßen und grillten. „Solange es so etwas gibt, kann man wahrscheinlich nichts anderes machen als Ausgangssperren“, sagte sie bei „Klamroths Konter“ am Donnerstag bei n-tv.

Jetzt sei die Solidarität aller notwendig, um die Anstiegsgeschwindigkeit von Infektionen zu begrenzen. Als Grund für die Treffen in der Öffentlichkeit nannte Heuser-Collier „ein großes Maß an Phantasielosigkeit“. „Die wissen nicht, dass es gefährlich ist. Das haben die einfach nicht kapiert.“ Wenn man jung sei, denke man, man sei „unverwundbar und unkaputtbar“, so Heuser-Collier. „Was diesen jungen Leuten eben fehlt, ist so etwas wie Empathie und eine gewisse Phantasie.“ Dabei könnten sie als sogenannte Superspreader „großen Schaden“ anrichten. „Das ist etwas, was wirklich hochgefährlich ist.“

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