Corona-Liebesbrief an Alexander Klaws

Corona-Liebesbrief an Alexander Klaws
Corona-Liebesbrief an Alexander Klaws

Do Mi Nic/Shutterstock

03.03.2021 21:15 Uhr

Sänger, Schauspieler, Moderator und "Rampensau" Alexander Klaws hat sich auf seiner Facebook-Seite über das Pandemie-Krisenmanagement in Deutschland beklagt. Vor allem die Künstler hierzulande haben zum größten Teil die Arschkarte gezogen. Der Post verdient Beachtung.

Lieber Alexander Klaws,
Danke für ihren Wutpost vom letzten Wochenende. Selbst die große Nina Hagen, die Großmutter des deutschen Punk, hat Ihnen gratuliert!

Sie sind ja nicht der erste Prominente, der sich aufregt über die Pandemie-Politik der deutsche Politiker, bei der man den Eindruck hat, dass da nach der inzwischen vielzitierten „Gutsherren-Art“ und einem nicht nachvollziehbaren Gieskannen-Prinzip verfahren wird.

Die Politik ist sicher nicht verantwortlich für die Corona-Toten in den Krankenhäusern, wohl aber für die maßlos überzogenen Lockdown-Folgen mit toten Einkaufspassagen, toten Kulturstätten und Sportzentren. Die Aufzählung ist natürlich noch bedeutend länger, das wissen auch Sie. Diese willkürlichen Berufsverbote werden sich rächen.

Eine Millionen-App, vom Steuerzahler finanziert

Die saudämliche Corona-App, die Sie ansprechen und für die sich auch die Politik feiert, hat überhaupt keinen Nutzen, es sei denn sie treffen mal auf einen, der sich da anonym mit „Corona positiv“ eingetragen hat. Allerdings müssen Sie dann auch rund 15 Minuten in dessen Nähe gewesen sein. Wo sind Sie das denn realistisch, wenn alles zu hat? Kennen Sie einen? Ich nicht.

Der fraktionslose Bundestagsabgeordneten Uwe Kamann will laut „aerzteblatt.de“ für das Ding bis Ende 2021 Gesamtkosten von 67,45 Millionen Euro hochgerechnet haben. Und was hat’s gebracht bislang? Kann keiner sagen.

8 Millionen Testergebnisse seien an die App übermittelt worden, hieß es Anfang Februar, aber nur 60 Prozent hätten sich dafür entschieden, ein positives Testergebnis mit anderen Benutzern zu teilen.

Und schauen Sie mal hier:

„Der Erfolg der App
beruht auf Vertrauen.“

Sagt eine Sprecherin Bundesgesundheits-Ministerium. Keine Ahnung, wie nüchtern die Frau war. Diese Aussage illustriert die verkommene Scheinheiligkeit der Politik. Dass die Regierenden dem dummen Volk eben nicht vertrauen, beweisen doch die Lockdown-Maßnahmen.

Durchregieren ohne Rücksicht auf Verluste

Ohne bislang auch nur wissenschaftlich fundierte Belege geliefert zu haben, dass Kinos, Geschäfte, Theater, Restaurants, Fitnessstudios usw. Superspreader-Hotspots sind, wird weiter ohne Rücksicht auf Verluste durchregiert. Konsequent ignoriert werden die nachweislichen und zum Teil enorm kostspieligen Bemühungen genau dieser Bereiche, um Abstandsregelungen einzuhalten und Ansteckungs-Gefahren zu minimieren. Ganz verhindern lassen sie sich nirgendwo. Ich weiß wovon ich rede.

Ich bin z.B. regelmässig ins Fitnessstudio gerannt, da traf ich auf 300qm wirklich immer maximal 6 Leute. Die waren alle brav und desinfizierten, hielten Abstand – hatte ja auch jeder 50qm für sich. Interessiert die Politik alles nicht. Auch das Gejammer von Lieschen Müller interessiert nicht. Aber das Gejammer der ohnehin Privilegierten findet offene Ohren.

Berufsfußball bevorzugt

„Fussball ist ja auch Berufssport wurde da gesagt. Bei allem Respekt… Seit wann ist Kulturschaffender, Sänger, Schauspieler zu sein neuerdings ein Hobby?“, schreiben Sie in ihrem emotionalen Post völlig zu recht!

Niemand kann überzeugend beispielsweise erklären, warum die zum Teil ohnehin schwerreichen und abgehobenen Fußballer der Bundesliga überhaupt spielen dürfen. Weil die halt eine große sehr umtriebige Lobby haben, aber Ihr Scheiß-„Winnetou“ in Bad Segeberg (Scherz!), lieber Alexander, hat keine Lobby.

Wie ich darauf komme? Hier ist die Antwort: „Wir stehen im engen Austausch mit der Politik. Auf allen Ebenen, in Video- und Telefonkonferenzen, vom Bundeskanzleramt über die Ministerien, mit Ministerpräsidenten der Länder bis hin zu den lokalen Kommunen und Behörden“, schrieb DFB-Präsident Fritz Keller schon im April 2020 in einem Gastbeitrag für den „Kicker“. So laufen die Geschäfte!

Was könnte man daraus schließen? Keine Lobby, keine Perspektive.

… aber in Bayreuth in Reihe 1 sitzen

Ihre Musikerkollegin Michaela Danner bringt’s hier auf den Punkt: „In guten Zeiten reißen sich die Politiker*innen darum, in Bayreuth in der ersten Reihe zu sitzen, in Zeiten wie diesen aber, in denen es bei vielen Künstler*innen ums Überleben geht, wird es plötzlich ganz still um das Thema Kultur.“

Was ist Ihre Bilanz lieber Alexander? Sie bringen es auf den Punkt:

„Bietet Alternativen an,
wie man lernt MIT dem Virus zu leben“!

Dass darauf noch keiner gekommen ist. Endlich mal ein brauchbarer Vorschlag! Danke dafür. Halten Sie durch und bleiben Sie gesund.
Herzlichst Ihr Paul Verhoben

PS: Ach, übrigens finde ich es schlimm, dass in jedem kritischen Artikel zur Corona-Politik – offenbar zur eigenen moralischen Rechtfertigung –  Sachen wie diese hinzugefügt werden: „Ich bin keine Corona-Leugner, keine Verschwörungstheoretiker, aber …“ Ich mach das hier nicht.