08.09.2020 22:39 Uhr

Daniel Küblböck: Die Chronologie seines tragischen Todes

Am 9. September jährt sich der Todestag von Daniel Küblböck. Wie, wann und warum geschah diese schreckliche Tragödie?

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Der plötzlich Tod von Daniel Küblböck (†33) am 9. September 2018 erschütterte halb Deutschland. Konnte es wirklich sein, dass sich die quirlige „DSDS“-Legende das Leben genommen hatte? Vieles spricht dafür. Denn auch wenn der Sänger scheinbar vor Lebensfreude und Energie übersprühte, zog sich der rote Faden seelischer Leiden durch sein gesamtes Leben.

Daniel Küblböcks tragische Kindheit

Wie er in seiner 2003 erschienenen Biografie „Ich lebe meine Töne“ beschrieb, verlief seine Kindheit alles andere als idyllisch. Die ersten Jahre verbrachte Daniel bei seiner Mutter, die ständig den Partner wechselte (acht Mal verheiratet) und viel zu viel trank. Nicht selten verprügelten sie oder einer ihrer Männer den kleinen Daniel.

Als Daniel Küblböck elf Jahre alt war, konnte er endlich zu seinem Vater ziehen. Der seelische Schmerz aus diesen grausamen Jahren saß wahrscheinlich tief und die Narben auf seiner kleinen Seele konnten vielleicht nie ganz verheilen. Menschen, die als Kinder geschlagen wurden, leiden zum Teil auch noch im Erwachsenenalter als Folge unter Depressionen, Angst-, Beziehungs- und Bindungsstörungen.

So berichtet sein langer Weggefährte Peter Panzer im Interview mit der Münchener Zeitung „tz“: „Wenn er sich falsch verstanden fühlte, rastete er aus. Er war eben immer schon ein sehr emotionaler Mensch, der polarisierte.“

Quelle: instagram.com

Mobbing war Alltag für den „DSDS“-Star

Im September 2015 begann der „DSDS“-Star eine Schauspielausbildung am Europäischen Theaterinstitut Berlin. Dort soll er von seinen Mitschülern gemobbt worden sein. Auch wenn das Institut dies bis heute vehement verneint. 

Daniel Küblböck schrieb in einem Facebook-Post, dass es ihm sehr schlecht ginge, weil er über lange Monate systematisch von seinen Kommilitonen fertiggemacht wurde und keiner der Dozenten eingriff.

War das Mobbing vielleicht einer der Gründe, warum der Musiker zunehmend psychisch erkrankte?

Facebook/ Offizieller Fanclub von Daniel Küblböck

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Küblböcks Psychose vor der Abfahrt

Es heißt, dass Daniel Küblböck in den letzten Wochen seines Lebens zunehmend mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte. Sein nahes Umfeld will eine „plötzliche Wesensveränderung“ bemerkt haben. Seine Freunde und auch sein Vater hätten deswegen vergeblich versucht, die bevorstehende Kreuzfahrtreise, auf der er schließlich auch starb, zu verhindern.

Heute denkt sein Vater Günther, dass sein Sohn damals eine Psychose entwickelt hatte und nicht mehr zurechnungsfähig war.

Auffälliges Verhalten an Bord

Trotz des Abratens seiner Freunde trat der Sänger die dreiwöchige Reise von Hamburg nach New York an. In Frauenkleidern. Davon zeugen Bilder auf dem kurz zuvor neu eingerichtete Instagram-Account mit dem Namen „Rosa Luxemburg“.

Das alleine wäre nicht schlimm. Seriöse Quellen glauben nämlich, dass Daniel Küblböck, der im Abschlussstück „Niemandsland“ seiner Schule einen Transsexuellen spielen sollte, diese Rolle auf der Reise testen wollte.

Das würde auch die Aussage von Passagier Sebastian K. aus der Nachbarkabine erklären, der aussagte, dass Daniel Küblböck an Bord häufig Selbstgespräche mit Männer- und Frauenstimmen führte.

Anderseits soll er auch in seiner Kabine randaliert haben. Andere Passagiere an Bord brüllte er an. Viele schüttelten nur den Kopf und gingen ihm aus dem Weg.

Quelle: instagram.com

Mann über Bord: Unfall oder Selbstmord?

Bis heute weiß man nicht, ob – und wenn, wie krank Daniel Küblböck zuletzt war. Diese Frage ist aber von höchster Wichtigkeit. War er so bei Sinnen, dass man von einem Selbstmord sprechen kann? Oder waren seine Gedanken bereits dermaßen wirr, dass er die Folgen seines Handels überhaupt nicht mehr abschätzen konnte, womit man seinen Tod als einen Unfall kategorisieren sollte.

Das Nightshot-Überwachungsvideo vom Schiff kann darüber keine Auskunft geben. Die Aufnahme vom 9. September 2018 soll sehr grob zeigen, wie eine Person gegen vier Uhr morgens über die Reling auf Deck 5 der Aida Luna klettert. Da sonst kein Passagier fehlte, schlussfolgerte man, dass es sich bei dem Unbekannten um Daniel Küblböck handeln muss.

Daniel Küblböck fiel also vom Schiff in das eiskalte Wasser des Atlantiks. Dieses soll um die 10 Grad gehabt haben. Vielleicht starb er sofort an einem Kälteschock, vielleicht geriet er unter das Schiff, vielleicht ertrank er aber auch erst nach einigen Minuten oder Stunden.

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Die erfolglose Suche

Leider ging der Notruf bei der örtlichen kanadischen Rettungszentrale erst zwei Stunden später ein. Es wurde sofort eine Suchaktion der Küstenwache mit mehreren Schiffen und Fliegern gestartet. Da sich das Aida-Schiff zum Zeitpunkt des Vorfalls aber auf dem offenen Meer, circa 185 Kilometer vor dem nächsten Festland befand, war die Suche von Beginn an relativ aussichtslos. Man suchte nach einer Nadel im Heuhaufen.

Am kommenden Tag brach man die Suche nach dem Musiker endgültig ab, weil die maximale Zeit, die ein Mensch in zehn Grad kaltem Wasser überleben kann, längst überschritten war.

Der Stand der Dinge

Man darf davon ausgehen, dass Daniel Küblböck nicht überlebt hat. Nichtsdestotrotz entschied sich seine Familie dafür, ihn noch nicht für tot erklären zu lassen. Offiziell gilt der Sänger weiterhin als verschollen. Allerdings nur noch bis zum 25. September 2020.

Silke Lerch, eine frühere Assistentin der Musikers, die PR-Termine koordinierte, stellte offenbar ohne Absprache mit der Familie zuletzt einen Antrag auf Todeserklärung. Warum sie diesen einreichte, ist bislang unklar.

Daraufhin veröffentlichte das Amtsgericht Passau einen Aufruf, der Daniel Küblböck dazu auffordert, sich zu melden bzw. Personen, die über seinen Aufenthaltsort wissen. Sollte dies nicht geschehen, wird der Sänger am 30. September 2020 endgültig für tot erklärt.

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