11.09.2018 08:47 Uhr

Daniel Küblböck: Sein schärfster Kritiker meldet sich mit bewegenden Worten

Die Suche nach Daniel Kaiser-Küblböck im Atlantik ist eingestellt worden, nachdem der einstige DSDS-Dritte von 2003 über Bord des Kreuzfahrtschiffes AIDaluna gegangen ist. Die Suche wurde eingestellt. Jetzt meldete sich in einem langen, bemerkenswerten Post auch Oliver Kalkofe, Satiriker und TV-Scharfrichter zu Wort.

Daniel Küblböck bei einem Fototermin für die ARD-Serie „Verrückt nach Fluss“ im September 2016. Foto: Becher/WENN.com

Darin heißt es auf der Facebookseite von Kalkofe: „Dieser Selbstmord stimmt mich unendlich traurig. Und wenn ich die unglaublich vielen dummen, abartigen und emotionslosen Witze lese, werde ich wütend. Ja, er war eine schrille und bisweilen irrwitzig erscheinende Gestalt, er polarisierte und viele seiner Performances waren diskussionswürdig. Na und?“ Kalkofe weist auf einen wichtgen unterschied hin: „Ja, ich habe auch sehr oft über ihn gespottet und Witze gemacht, sowohl in der #Mattscheibe wie auch bei #SchleFaZ. Jedoch nicht über ihn als Person, sondern nur über seine Aktionen und Auftritte – wo er natürlich auch bewusst zu solchen Reaktionen provozierte. Und glücklicherweise gehörte er zu den Menschen, die auch selbst über sich lachen konnten, was seine tollen Reaktionen auf Twitter bewiesen, als wir ‚Daniel, der Zauberer‘ auseinandernahmen.“

„Bunt und anders“

„Er gehörte zu den Menschen, die bunt und anders sind, die ihr Publikum begeistern und auch nerven können. Doch wo wären wir ohne genau diese seltsamen und verrückten Figuren, die uns zumindest Emotionen schenken statt immer gleicher Langeweile? (…) Wir dürfen dankbar sein, über solche Künstler lachen, diskutieren oder auch uns über sie aufregen zu dürfen. Nur warum all die Wut und all der Hass, weil jemand anders ist?“

Foto: Becher/WENN.com

„Wieso fällt es uns so schwer, Menschen mit anderem Aussehen, anderer Hautfarbe oder Herkunft als dennoch ebenbürtig zu akzeptieren? Hier sehen wir auf tragische Weise die Auswirkungen der Casting-Shows und des immer seelenloser werdenden Fernsehens. Junge Menschen, die Bestätigung suchen, werden innerhalb kürzester Zeit zu gefühlten Superstars, werden bejubelt oder auf einmal ausgebuht, urplötzlich lieben oder hassen sie Tausende oder gar Millionen von Menschen. Und genauso schnell sind sie wieder vergessen, werden nicht mehr beachtet und von anderen für ihr kurzes Kratzen am Ruhm ausgelacht und abgelehnt.“

Niemand hilft den Kuzzeit-Celebrities

Kalkofe schreibt weiter: „Je schräger und polarisierender sie sind, kommt auf jeden neuen Fan mindestens eine Person, die sie aus vollem Herzen hasst und dieses Gefühl im Netz auch offen auslebt. Doch niemand hilft den jungen Kurzzeit-Celebrities damit umzugehen, die Sender und Redaktionen machen sie zu Helden, Witzfiguren oder quotensteigernden Hassobjekten – letztlich aber zu Opfern. Kaum einer, der unbeschadet aus der Superstar-Topmodel-SonstwasSuch-Mühle herauskommt.“

Der Satiriker schließt mit den Worten: „Doch egal, ob man jemand mochte oder nicht und ob man ihn zu Lebzeiten ernst nahm oder nicht – nach dem Tode dümmlich ausgelacht zu werden, vor allem wenn man gerade an diesem Umgang mit der eigenen Person gescheitert ist und deshalb das Leben aus Verzweiflung beendet hat, hat niemand verdient. Und jeder, der sich in die Reihe der Suizid-Scherzbolde und Meer-Witzereißer einreiht, sollte sich nicht wundern, wenn beim nächsten Morgenschiss ein Blitz in die Schüssel schlagen sollte.
Lebewohl, Daniel, Du warst ein lustiger Verrückter, der diese Welt zumindest bunter und vielfältiger gemacht hat. Und uns einen der wirklich schlimmsten SchleFaZe bescherte, mit dem wir alle sehr viel Freude und Verzweiflung erfahren durften. Danke für alles – und verzeih denen, die zu dumm oder empathielos sind und waren, auch mit dir statt nur über dich lachen zu können. Ruhe in Frieden.“