26.08.2020 23:47 Uhr

Daniel Küblböck wäre 35 geworden: Ein Rückblick

Daniel Küblböck hätte Ende August seinen 35. Geburtstag gefeiert. Sein kurzes Leben war bewegt im Guten wie im Schlechten, sein Tod tragisch.

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Am 27. August wäre Daniel Küblböck 35 Jahre alt geworden. Der Musiker gilt als verschollen. Sehr vieles deutet daraufhin, dass er sich am 9. September 2018 auf einer Kreuzfahrt das Leben nahm oder durch einen Unfall zu Tode kommt.

Wie wuchs er auf, wann wurde er berühmt und vor allem, wer war der Mann hinter der Fassade des exzentrischen Exoten? Ein Rückblick über ein schillerndes Leben.

Schwierige Kindheit mit gewalttätiger Mutter

Daniel Küblböck kommt am 27. August 1985 im beschaulichen Hutthurm in Niederbayern auf die Welt. Seine Kindheit verläuft alles andere als idyllisch, wie er in seiner 2003 erschienen Biografie „Ich lebe meine Töne“ beschreibt.

Der kleine Knirps lebt nach der Scheidung seiner Eltern zunächst bei seiner Oma, zieht im Alter von sieben Jahren aber zurück zu seiner schwierigen Mutter Bianca. Diese behandelt ihn alles andere als gut. Sie wechselt ständig den Partner (acht Mal verheiratet), trinkt sehr viel und nicht selten verprügelt sie oder einer ihrer Männer den Grundschüler.

Nach vier Jahren in diesen katastrophalen Verhältnissen, die man keinem Menschen und erst recht keinem Kind zumuten kann, bekommt Vater Günther das alleinige Sorgerecht für den Sohn zugesprochen. Von da an geht es für Daniel Küblböck bergauf. Er schließt die Schule ab und beginnt 2001 eine Ausbildung zum Kinderpfleger.

Daniel Küblböck wäre dieses Jahr 35 geworden

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Mega-Erfolg bei „DSDS“

Nur ein Jahr nach dem Beginn seiner angedachten Berufslaufbahn ändert der damals 17-jährige Daniel seine Pläne. Er bewirbt sich bei der ersten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“. Mit seiner aufgedrehten, sympathischen Art polarisiert er das deutsche Fernsehpublikum.

Viele rechnen ihm Chance auf den Sieg ein. Letztendlich schafft er es bis auf den dritten Platz. Allen ist aber klar, dass das Phänomen „Kübi“ nicht von der Bildfläche verschwinden wird.

So geschieht es auch. Seine Debüt-Single „You Drive Me Crazy“  erklimmt die Spitze der deutschen Charts und sein erstes Album „Positive Energie“ schafft es bis auf Platz 2.

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Image: Als Exot geliebt und verlacht

Wenn man sich heute die Auftritte von Daniel Küblböck bei „DSDS“ aus den Jahren 2002/2003 ansieht, kann man nur noch schlecht nachvollziehen, warum der Musiker damals so einen Hype auslöste. Er war schlicht ein Entertainer, der sich nicht wie der einsame, schweigsame Mann gab, sondern verspielt und weiblich.

Heute kein großer Deal, aber vor 20 Jahren verstieß der Teenager aus Niederbayern damit noch gegen sämtliche Konventionen. Für seinen Mut, seine Sexualität und seinen Style wurde der Musiker als Exot von vielen vergöttert und gleichzeitig von vielen ausgelacht.

Heute kann man sagen, dass er eine Art niederbayerische Lady Gaga war. Durch seine Exzentrik sprach er den Außenseitern Mut zu und hielt es aus als „übertrieben“ verlacht zu werden.

Vom TV-Häschen zum Jazz-Sänger

In den Jahren 2002 bis 2004 war Daniel Küblböck nicht aus den deutschen Medien wegzudenken. Nach seinem „DSDS“-Senkrechtstart und seinen für seine Verhältnisse gigantischen Charterfolgen zieht er Anfang 2004 in der ersten Staffel Dschungelcamp ein.

Wenig überraschend wählen ihn die Zuschauer so oft wie keinen anderen Kandidaten in die Ekel-Prüfungen. Er muss fünf von insgesamt zwölf Prüfungen absolvieren. Doch Küblböck bleibt tapfer, beißt immer wieder die Zähne zusammen und schafft es erneut bis auf Platz 3.

Nach seiner „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“-Teilnahme steckt der Sänger allerdings in der Reality-TV-Falle fest. 2004 dann der berühmt-berüchtigte Unfall mit einem Gurkenlaster, der es bis in die „Tagesschau“ schafft. PKW-Fahrer Küblböck hat keinen Führerschein. Thomas Gottschalk besucht ihn im Krankenhaus. Es folgt der Kinofilm „Daniel, der Auber“. Der Flop markiert einen Wendepunkt. Küblböcks große mediale Karriere ist schon wieder am Ende. 2005 deshalb Einzug bei „Big Brother“. Es folgen etliche kleiner Auftritte – unter anderem beim „Perfekten Promi-Diner“ und „Let’s Dance“.

Musikalisch beweist sich der Entertainer als sehr experimentierfreudig. Etwas zu viel vielleicht. Er veröffentlicht Songs auf Deutsch, Englisch und Spanisch. Probierte sich im Pop- und Salsa-Genre aus und landet schließlich beim Jazz, dem er bis zu seinem frühen Tod treu bleibt. Ein großer Wurf gelingt ihm nicht. Auch ein Versuch, sich für den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest zu bewerben, scheitert. Niemand will was von ihm wissen.

Der Bruder stirbt – eine Urlaubsbekanntschaft adoptiert ihn

Anfang 2013 wird Küblböcks drogensüchtiger Bruder Michael tot in seiner Berliner Wohnung aufgefunden. Er ist 28 Jahre alt. Die beiden haben seit Jahren keinen Kontakt mehr.

Der Sänger investiert rund eine Million Euro in eine Solaranlage in Niederbayern, die ihm hohe Gewinne einbringt. Heißt es. Von 2005 bis Ende 2013 ist er alleiniger Geschäftsführer der Firma Positive Energie GmbH. Die verschwindet 2016 aus dem Handelsregister.

2011 adoptiert ihn Millionärin Kerstin Elisabeth Kaiser. (Sie soll ihn auch auf dem Kreuzfahrtschiff 2018 begleitet haben). Er nennt sie „Omi“. Doch sie scheint die Rolle der Ersatzmutter eingenommen zu haben.

Mobbing an der Schauspielschule

Daniel Küblböck träumt zuletzt von einer Karriere als Schauspieler. Um das Handwerk zu erlernen, besucht er seit September 2015 das Europäischen Theaterinstitut Berlin. Wie es heißt, wird er von seinen Kommilitonen ganz und gar nicht mit offenen Herzen empfangen. Er wird angeblich heftig gemobbt.

In einem langen Post auf Facebook schreibt der „DSDS“-Star, dass das Mobbing über Monate stattgefunden habe und seine Dozentin trotz Wissens nicht eingegriffen hätte. Die Schule dementiert die Beschuldigungen vehement.

Quelle: instagram.com

Mal ganz schüchtern, dann plötzlich aggressiv

Man kann sich einfach vorstellen, dass es ein TV-Star wie Daniel Küblböck mit (angeblichen) Millionen auf dem Konto auf einer Schauspielschule schwer hatte. Außerdem wird wiederholt kolportiert, dass er selbst auch kein einfacher Mensch sei. Auf der einen Seite sei er zurückhaltend und introvertiert, auf der anderen Seite impulsiv und aggressiv.

So berichtet sein langer Weggefährte Peter Panzer im Interview mit der Münchener Zeitung „tz“: „Er trank immer Champagner, manchmal drei Flaschen und noch ein paar Drinks. Dann konnte er schwierig, laut und aggressiv werden. Wenn er sich falsch verstanden fühlte, rastete er aus. Er war eben immer schon ein sehr emotionaler Mensch, der polarisierte.“

Quelle: instagram.com

Psychose kurz vor der Abfahrt

Bei Daniel Küblböck handelt es sich demnach schon länger um eine impulsive, ehrgeizige aber auch zerbrechliche Persönlichkeit. In den letzten Wochen seines Lebens hat er offensichtlich zunehmend mit psychischen Problemen zu kämpfen. Wie es heißt, soll sein nahes Umfeld eine „plötzliche Wesensveränderung“ bemerkt haben. Sein Vater hat daher vergeblich versucht, die Kreuzfahrt, auf der er schließlich zu Tode kommt, zu verhindern.

Der Sänger tritt die dreiwöchige Reise von Hamburg nach New York dennoch an. In Frauenkleidern. Davon zeugen Bilder auf dem kurz zuvor neu eingerichtete Instagram-Account mit dem Namen „Rosa Luxemburg“. Es gibt Gerüchte um eine entsprechende Neigung. Seriösere Quellen glauben, dass Küblböck, der im Abschlusstück „Niemandsland“ seiner Schule einen Transsexuellen spielen will, diese Rolle auf der Reise testen will.

Passagier Sebastian K. aus der Nachbarkabine berichtet, dass Daniel Küblböck an Bord häufig Selbstgespräche mit Männer- und Frauenstimmen geführt, sowie in seiner Kabine randaliert habe. Andere Passagiere an Bord brüllt er an. Viele schütteln den Kopf. Gehen ihm aus dem Weg.

Daniel Küblböck wäre dieses Jahr 35 geworden

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Selbstmord oder Unfall?

Bis heute weiß man nicht, wie es wirklich um den Sänger stand. Ging es ihm seelisch dermaßen schlecht, dass er nicht mehr weiterleben wollte oder nahmen seine psychischen Zustände ihn so ein, dass er die Konsequenzen seines Handels mitten in der Nacht nicht mehr abschätzen konnte? War Alkohol im Spiel? Drogen gar?

Ein Nightshot-Überwachungsvideo vom 9. September 2018 soll sehr grob zeigen, wie eine Person gegen vier Uhr morgens über die Reling auf Deck 5 der Aida Luna klettert. Da sonst kein Passagier fehlte, schlussfolgert man, dass es sich bei dem Unbekannten um Daniel Küblböck handeln muss.

Erst zwei Stunden später geht bei der örtlichen, kanadischen Rettungszentrale der Notruf ein. Es startet sofort eine Suchaktion der Küstenwache mit mehreren Schiffen und Fliegern. Da sich das Aida-Schiff zum Zeitpunkt des Vorfalls aber auf dem offenen Meer, circa 185 Kilometer vor dem nächsten Festland befindet, bleibt die Suche von Beginn aussichtslos. Man suchte nach einer Nadel im Heuhaufen.

Quelle: instagram.com

Erfolglose Suche

Am kommenden Tag bricht man die Suche nach dem Musiker endgültig ab, weil die maximale Zeit, die ein Mensch in zehn Grad kaltem Wasser überleben kann, längst überschritten ist.

Man darf davon ausgehen, dass Daniel Küblböck nicht überlebte. Wahrscheinlich mehr aus symbolischen als aus rationalen Gründen weigert sich sein Vater Günther bis heute, seinen Sohn als tot zu melden. Offiziell gilt der Sänger weiterhin als verschollen. Allerdings nur noch bis zum 25. September 2020.

Silke Lerch, eine frühere Assistentin der Musikers, die PR-Termine koordinierte, stellte offenbar ohne Absprache mit der Familie zuletzt einen Antrag auf Todeserklärung. Warum sie diesen einreichte, bleibt bislang unklar.

Nichtsdestotrotz veröffentlichte das Amtsgericht Passau einen Aufruf, der Daniel Küblböck dazu auffordert, sich zu melden bzw. Personen, die über seinen Aufenthaltsort wissen. Sollte dies nicht geschehen, wird der Sänger am 30. September 2020 endgültig für tot erklärt.

Daniel Kübböck hat ein halbes Leben lang nach Liebe und Anerkennung gesucht. Gefunden hat er einen frühen Tod.

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