Freitag, 20. Dezember 2013 22:20 Uhr

Danny Trejo: Hollywoods unverwüstlicher Buschmesser-Virtuose

Machete Cortez (Danny Trejo), mexikanischer Ex-Federal Agent und unverwüstlicher Buschmesser-Virtuose, schwingt in ‚Machete Kills‘ seine Klinge wieder mal im Namen des Gesetzes.

Danny Trejo: Hollywoods unverwüstlicher Buschmesser-Virtuose

Machete, der klingenschwingende Held aus ‚Machete‘, 2010 ist eine gemeinsame Schöpfung von Regisseur Robert Rodriguez und Hauptdarsteller Danny Trejo – eine Kinofigur, die regelrecht erschaffen werden musste.

In ‚Grindhouse‘, 2007), dem legendären Exploitation-Doublefeature, das Rodriguez 2007 gemeinsam mit Quentin Tarantino produzierte, erblickte er zum ersten Mal das Licht der Welt, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick. „Die Idee zu diesem Charakter kam mir schon während der Produktion von Desperado („Desperado“, 1995)“, erinnert sich Rodriguez. „Auf dem Set sagte ich zu Danny: ‚Eines Tages wirst du Machete spielen.‘ Jahrelang ging uns der Gedanke durch den Kopf, aber dass er tatsächlich der Held eines ganzen Films werden würde, hätten wir uns nicht träumen lassen.“

Danny Trejo: Hollywoods unverwüstlicher Buschmesser-Virtuose

Machetes erste große Stunde schlug, als Rodriguez und Tarantino beschlossen, Fake-Trailer für Grindhouse zu produzieren. Zu diesem Zeitpunkt hatte Rodriguez bereits eine komplette Machete-Bio im Kopf. „Als Quentin und ich die Trailer konzipierten, war mir sofort klar, dass Machete einer davon sein würde. Die Story hatte im Laufe der Jahre in meiner Fantasie Gestalt angenommen, und jetzt konnte ich sie in diesen Trailer hineinpacken. Es war das erste mex-ploitation movie, wie ein Genrefilm aus den siebziger oder achtziger Jahren, aber mit einem Latino-Held im Zentrum.“

Der Rest ist, wie es so schön heißt, Geschichte. Machete schlug ein wie ein kraftvoller Messerhieb, und 2010 erfüllten sich Rodriguez und Trejo ihren alten Traum. Schon bevor ‚Machete‘ in die Kinos kam, legte Rodriguez auch gleich das Fundament für ein Sequel. „Am Schluss fährt Machete mit Jessica Alba davon. Das ist zwar ein schönes Ende, aber etwas fehlte noch. Irgendein Knaller. Bei der Mischung kam mir die Idee, zwei Sequels anzukündigen, auch wenn es überhaupt keine Pläne dafür gab. Also stand da: ‚Machete wird zurückkehren in ‚Machete Kills‘ und ‚Machete Kills Again‘.’“

´Danny Trejo konnte es kaum erwarten, Machetes Lederjacke noch einmal anzuziehen. „Ständig rief er mich an und fragte, wann wir wieder loslegen würden“, lacht Rodriguez. „Überall wurde er angesprochen, nur nannten die Leute ihn jetzt nicht mehr ‚Danny‘, sondern ‚Machete‘. Sogar seine eigene Mutter nannte ihn nur noch Machete.“

Danny Trejo kann über 200 Filmcredits vorweisen, aber seine bekannteste Rolle ist die des Machete. Das Unverkennbare ist für Trejo nicht so sehr die Physiognomie der Figur, auch nicht ihre wortkarge Distanziertheit – sondern ihre Bodenständigkeit. „Ich liebe an ihm, dass er im Grunde ein ganz normaler Kerl ist“, sagt Trejo. „Er war früher schlicht ein Cop, ein Federale – ein mexikanischer Bundesbeamter. Also nichts Spezielles, nur ein einfacher Typ, der gut mit Waffen umgehen kann. Und der seinen Kopf einzusetzen weiß.“

Danny Trejo: Hollywoods unverwüstlicher Buschmesser-Virtuose

Eine Konstante aber gab es für Robert Rodriguez: Er war durch die langjährige Zusammenarbeit mit Danny Trejo so mit dem Schauspieler vertraut, dass er sich in aller Ruhe auf den Rest des Ensembles konzentrieren konnte. „Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wie es war, bevor ich mit Danny zusammenarbeitete“, erklärt der Regisseur. „Diesmal musste ich mich um so viel kümmern, dass ich während des Drehs immer nur dachte: ‚Danny machen wir zum Schluss.‘ Danny bekam deswegen immer nur sehr wenig Zeit. Aber es war erstaunlich, denn er brauchte gar nicht mehr Zeit. Normalerweise genügte ihm ein Take.“

Mel Gibson war nach der Zusammenarbeit nicht nur von Trejos Professionalität beeindruckt, sondern auch von der Tatsache, wie sehr sich der Mensch Danny Trejo von der Figur des Machete unterscheidet. „Eigentlich ist er ein ganz normaler Typ, nur auf der Leinwand wirkt er so hart und gemein. Im Grunde ist er eine Miezekatze“, sagt Gibson über Trejo. Walt Goggins pflichtet bei: „Am Anfang dachte ich, er wäre wie Machete. Ich hatte eine Heidenangst vor ihm. Dann unterhielten wir uns und ich dachte: ‚Mann, der ist ja in Wirklichkeit ein Softie!’“

William Sadler sieht Trejos Stärke vor allem in dessen Fähigkeit, vielsagend zu schweigen. „Machete macht nicht viele Worte. In einer Szene steht er mit einer Schlinge um den Hals da, sagt nichts und bringt trotzdem alles rüber. Mein Text ist vier Seiten lang, und er antwortet nichts. Trotzdem beherrscht er die Szene. Er gab mir so viel zurück, dass ich das Gefühl hatte, einen Dialog mit ihm zu haben.“

Danny Trejo, Jahrgang 1944, ist ein Kind der Straßen von Los Angeles. Der Sohn eines mexikanischen Bauarbeiters geriet früh auf die schiefe Bahn und verbrachte einen Großteil seiner Jugend wegen diverser Raub- und Drogendelikte im Gefängnis. Dort entdeckte er sein Talent fürs Boxen und gewann diverse Wettkämpfe. Seine Läuterung begann, als er an einem Rehabilitierungsprogramm für Drogensüchtige teilnahm und seiner kriminellen Karriere abschwor. Fortan unterstützte er das Programm und versuchte, anderen zu helfen.

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Eher zufällig bekam er Mitte der achtziger Jahre einen Job als Statist bei RUNAWAY TRAIN („Express in die Hölle“, 1985). Regisseur Andrej Konchalovsky wurde auf Trejos einmaliges Gesicht aufmerksam und besetzte ihn prompt in einer kleinen Nebenrolle als Boxer. Es war der Beginn einer überaus erfolgreichen Karriere in Hollywood. Trejo wirkte – meist als Gangster und Bösewicht – unter anderem mit in THE HIDDEN („The Hidden – Das unsagbar Böse“, 1987), LOCK UP („Lock Up – Überleben ist alles“, 1989), BOUND BY HONOR („Blood In Blood Out – Verschworen auf Leben und Tod“, 1993), HEAT („Heat“, 1995), ANACONDA („Anaconda“, 1997), CON AIR („Con Air“, 1997), THE REPLACEMENT KILLERS („The Replacement Killers – Die Ersatzkiller“, 1998), xXx („xXx – Triple X“, 2002), SHERRYBABY („Sherrybaby“, 2006) und HALLOWEEN („Halloween„, 2007).

Trejo ist im übrigen ein Cousin von Robert Rodriguez und hat in den meisten Rodriguez-Filmen mitgespielt, angefangen bei DESPERADO („Desperado“, 1995), über FROM DUSK TILL DAWN („From Disk Till Dawn“, 1996), die SPY KIDS-Serie und ONCE UPON A TIME IN MEXICO („Irgendwann in Mexiko“, 2003) bis hin zu GRINDHOUSE („Grindhouse: Planet Terror“, 2007) und MACHETE („Machete“, 2010). Er ist mit Debbie Trejo verheiratet und hat drei Kinder.

Fotos: Universum

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