13.11.2020 14:46 Uhr

Das Christkind bekommt 2020 auch Corona-Briefe

Eine Muh, eine Mäh, eine Täterätätä? Ganz so einfach sind die Wünsche nicht mehr, die das Christkind bekommt. Zudem ergeht es ihm im Corona-Jahr ähnlich wie anderen Arbeitnehmern: Homeoffice, Video-Schalten, Maske. Ein Besuch in der Weihnachtspostfiliale.

Oliver Berg/dpa

Das Christkind hat eine Video-Schalte nach Engelskirchen-Schnellenbach. „Habt ihr denn schon Plätzchen gebacken?“, fragt es in die Kamera „Noch nicht?“ Auf einem Monitor neben ihm sind Kinder zu sehen, die gerade in einem etwas entfernten Kindergarten sitzen. Wenn es noch eine Szene gebraucht hat, um das Corona-Jahr 2020 zu illustrieren: Hier ist sie.

Unter normalen Umständen wäre das Christkind – eine Darstellerin im weißen Kleid – zur Eröffnung seiner sogenannten Weihnachtspostfiliale am Freitag in Engelskirchen von Kindern mit Wunschzetteln in der Hand umwuselt worden. Diesmal ist alles anders. Die Schreibstube selbst gibt es bereits seit 1985. Eingerichtet wurde sie, weil bei der Post Briefe auftauchten, die „An das Christkind bei den Engeln“ adressiert waren. Um die Absender nicht zu enttäuschen, werden Jahr für Jahr Tausende Zuschriften beantwortet.

Am Freitag, am ersten Arbeitstag des Christkindes, sind schon wieder rund 10 000 Briefe eingetrudelt. Eine erste Sichtung ergibt: Auch darin spielt Corona eine Rolle. „Mach das Virus weg“, wünscht sich etwa Noah, dessen Oma den Text geschrieben hat. Ein weiterer Noah hofft, „dass wir trotz Corona mit der Familie feiern dürfen“. Ein Samuel ist ganz abgeklärt: „Ich weiß, dass auch dieses Jahr viel zu tun hast, besonders 2020. Wegen dem Corona-Virus schreibe ich Dir jetzt schon.“

Alle Briefe, die bis zum 21. Dezember geschickt werden, werden auch beantwortet. Dafür trägt das Christkind gemeinsam mit 16 Helferinnen Sorge. „Wir freuen uns wirklich das ganze Jahr darauf, wenn es los geht“, sagte eine von ihnen, Steffi Renner. Sie macht den Job schon 16 Jahre lang. „Es ist schon irgendwo immer wieder neu.“ Zum Teil arbeitet das Team nun im Homeoffice. Alle Briefe werden geöffnet, gelesen und beantwortet. Dafür gibt es einen vorformulierten Brief, aber auch die Möglichkeit, individuelle Zeilen zu schreiben.

Konkret auf die Corona-Pandemie eingehen wird das Christkind gleichwohl nicht. „Wir gehen auf diese tagesaktuellen Dinge nicht ein“, erklärt eine Sprecherin der Post. „Wir halten das bewusst relativ allgemein. Das ist dann doch die Sache der Eltern.“ Das Christkind werde danken, von sich und den Engeln erzählen. Es kann in mehreren Sprachen antworten, da auch Briefe aus dem Ausland kommen.

In den Wunschzetteln geht es aber natürlich nicht nur um Corona. Vielmehr finden sich auch ganz klassische Wünsche: Ein Puppenstuhl, ein Rätselbuch, ein großer Teddy oder Reitunterricht. Hier und da wird es auch recht eigenwillig, etwa bei Michelle, die sich eine Nagellackmaschine wünscht. Oder bei Adrijana, die „ein echtes Pony“ möchte. „Das kann man aus dem Internet kaufen.“ Sie bietet zudem an, ihr ganzes Taschengeld zuzuschießen. Auf einem Wunschzettel ist von einer „Makita VC 2512L“ zu lesen, wobei es sich nach Recherchen der Post um einen Nass-Trockensauger handeln soll. Nach dem ersten Eindruck fallen die Wünsche in diesem Jahr allerdings durchaus bescheiden aus.

Engelskirchen ist eine von mehreren sogenannten Weihnachtspostfilialen in Deutschland. Weitere gibt es etwa in Himmelstadt oder Himmelpforten – Orte, deren Name einen guten Draht nach oben nahelegen.

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