Freitag, 20. Dezember 2013 18:40 Uhr

Das war’s dann: Aus für Harald Schmidt bei Sky

Harald Schmidt – gibt’s den noch? Das war in letzter Zeit häufig die Reaktion, wenn man auf ihn zu sprechen kam. Ja, es gab ihn noch, in einer Nische beim Bezahlsender Sky.

Das war's dann: Aus für Harald Schmidt bei Sky

Nach zwei Jahrzehnten im Showgeschäft soll für Schmidt nun allerdings Schluss sein. Der Pay-TV-Sender zieht seiner ‚Harald Schmidt Show‚ im März den Stecker. Die Late-Night-Show startete 1995 und war die meiste Zeit davon auf dem Privatsender Sat. 1 zuhause. Seit September 2012 zeigte Sky die Show.

Gary Davey, der Programmchef von Sky Deutschland zieht erste Bilanz: „Das gesamte Team von Schmidt und Kogel hat einen großartigen Job gemacht. Es waren zwei tolle Jahre mit 147 einzigartigen Shows, für die wir uns herzlich bedanken. Harald Schmidt und Fred Kogel sind hochgeschätzte Mitglieder der Sky Familie geworden.“

Auch das Fazit von Schmidts Geschäftspartner Fred Kogel fällt durchaus positiv aus: „Die Zusammenarbeit mit Sky war fantastisch. Sie hat uns ermo?glicht, mit insgesamt 20 Produktionsjahren einen Meilenstein in der TV-Landschaft zu setzen.“ Im Interview mit FAZ.net ergänzt er: „Das ist für uns nach der Pflicht die Kür gewesen. Wir sind im zwanzigsten Jahr. Das ist eine Monsterzahl. Wir haben uns schon lange sehr gefasst mit dem möglichen Ende der Show beschäftigt und sind sehr freudig darüber gestimmt, dass es uns so lange geben hat.“

Es gab Zeiten, da empfahlen US-Reiseführer für Deutschland ihren Lesern, sie sollten gar nicht erst versuchen, in dem fremden Land einen Witz zu machen. „Überlassen Sie das einem gewissen Harald Schmidt“, lautete der Rat. Zu dieser Zeit – in den 90er Jahren – besaß Harald Schmidt vorübergehend so etwas wie das deutsche Witz-Monopol. Mit seinen Verstößen gegen die damals noch geltende Humor-Etikette ließ „Dirty Harry“ den Blätterwald rauschen und erreichte bei Sat.1 zweistellige Einschaltquoten.

Das war's dann: Aus für Harald Schmidt bei Sky

Noch in dieser Woche sagte er dazu in einem ungewöhnlich offenherzigen Gespräch mit Christine Westermann bei ‚Montalks‘: „Ich wurde in einer Weise gelobt, dass es fast schon mir zuviel wurde.“ In einem Jahr habe er zwölf Fernsehpreise bekommen. „Man empfindet das einfach als normal. Und dann dreht sich der Wind.“

Dieser Moment liegt nun schon länger zurück. Der Höhepunkt der Schmidt-Euphorie war schon überschritten, als er seine Show bei Sat.1 2003 aufgab. Ein Jahr später wechselte er zur ARD, war dort aber nicht mehr täglich zu sehen – keine gute Voraussetzung, um die Deutungshoheit über das politische und mediale Geschehen zu behaupten. In gewisser Weise war Schmidt auch Opfer seines eigenen Erfolgs geworden: Der politisch korrekte Witz der «Scheibenwischer»-Ära gehörte nun der Vergangenheit an, auch der böseste Gag regte kaum noch jemanden auf.

Zudem konnten die Jüngeren mit Schmidt wenig anfangen. Um das zu ändern, holte er sich von 2007 bis 2009 Oliver Pocher mit dazu. Doch dessen Rüpel-Humor und die böse Zunge des humanistisch gebildeten Alleswissers passten nicht zusammen. 2011 ging Schmidt zurück zu Sat.1. «Die Schwierigkeit ist nicht, den Erfolg zu genießen, sondern die Sache weiterzubetreiben, wenn die Hymnen ausbleiben», war seine Einstellung. Am Konzept änderte er nichts. Die Sender mochten wechseln – die «Harald-Schmidt-Show» blieb, wie sie war. Schließlich setzte ihn auch Sat.1 vor die Tür.

Um seine Bildschirmpräsenz aufrecht zu erhalten, verschrieb er sich nun dem Bezahlsender Sky. Dort hatte er zwar keinen Quotendruck mehr, doch dafür wurde seine Show zum Nischenprogramm. Schmidt beteuerte, das würde ihm nichts ausmachen: „Ob da draußen jetzt 4000 Zuschauer sitzen oder vier Millionen, das merke ich ja in der Studiosituation nicht“, sagte er noch kürzlich in einem Interview im Deutschlandfunk.

Gleichzeitig gab er freimütig zu: „Ich bin ja, wenn Sie so wollen, durch. Und das geht jetzt noch so lange, wie es geht. Und wenn nicht mehr, dann war’s das für mich.“ Sollte Sky ihn irgendwann auch nicht mehr wollen, dann „kann ich hundertprozentig sagen, dann war’s das“.

Jetzt ist es sehr schnell so gekommen. Harald Schmidt ohne Publikum – ob er das wohl verkraftet? Zuhause im Villenviertel Köln-Marienburg wäre wohl einiges zu tun, er hat fünf Kinder, in die Erziehung hat er sich nach eigenem Bekenntnis bisher wenig eingebracht. „Ich wünsch mir so oft ’nen Partner“, bekommt er deshalb regelmäßig zu hören.

An Heiligabend wird er erst einmal die Mitternachtsmette im Kölner Dom besuchen, „ohne Familie“. Er ist ausgebildeter Kirchenorganist und praktizierender Katholik. „Ich bin ein bisschen nervös, wenn ich an das Jüngste Gericht denke“, gestand er Christine Westermann. Aber dann falle ihm immer das Gleichnis ein, in dem Jesus sage, man müsse etwas aus seinen Talenten machen. Und dann denke er sich: „Vielleicht ist ’n Deal möglich.“ (Christoph Driessen/ dpa, Bang)

Fotos: WENN.com

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