01.07.2020 20:07 Uhr

Debbie Harry wird 75: Barfrau, Playboy-Bunny, Poplegende

Sie ist eine Ikone, sie ist eine Pionierin, sie ist Punk und sie ist cool: Debbie Harry. Mit ihrer Band Blondie hat sie Musikgeschichte geschrieben.

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Im März wollte Debbie Harry eigentlich mit Blondie-Mitstreiter und Ex-Freund Chris Stein auf Lesereise kommen, um ihre Autobiografie „Face It“ vorzustellen. Aber Corona machte auch der Sängerin einen Strich durch die Rechnung. Jetzt sind die vier Auftritte für den September geplant.

„Als Kind wollte ich Filmstar werden“, sagte Harry, als sie Ende letzten Jahres zur Veröffentlichung von „Face It“ nach Hamburg kam. „Ich sah diese wundervollen Bilder der blonden Schauspielerinnen und fühlte mich davon angezogen.“ Ein besonderes Faible hatte sie dabei vor allem für Marilyn Monroe, die in gewisser Weise ihre Vorbild wurde.

Debbie Harry wird 75: Barfrau, Playboy-Bunny, Poplegende

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Nun, Schauspielerin ist sie später auch geworden. Sie drehte Filme mit David Cronenberg („Videodrome“) oder John Waters („Hairspray“). Aber in erster Linie wurde sie als Sängerin von Blondie zur Punk-Ikone und Punk-Pionierin. Heute wird Debbie Harry 75 Jahre alt.

In New York fing es an

New York war in den 70er Jahren eine extrem heruntergekommene Stadt und ein ziemlich gefährliches Pflaster. Aber der Big Apple zog wegen der billigen Mieten und großen Lofts auch jede Menge (Lebens-)Künstler an, die hier ihre Chance sahen. Eine von ihnen war Debbie Harry, die im Alter von drei Monaten von Richard und Catherine Harry adoptiert worden war und in New Jersey aufwuchs.

Patti Smith, die große Konkurrentin von Debbie Harry, hat diese aufregenden – aber auch sehr entbehrungsreichen – Jahre des Aufbruchs in ihrem Buch „Just Kids“ beschrieben. Debbie Harrys Pendant dazu ist ihre Autobiografie „Face It“, die vielleicht weniger poetisch, aber dafür auch in Teilen schonungsloser geworden ist. Missbrauch und Drogensucht werden dabei nicht ausgespart.

Es war ein weiter Weg, bis Debbie Harry zur Punk-Ikone wurde. Sie arbeitete früher als Bar-Frau und brachte einst Janis Joplin das Essen. Spielte in Folk-Bands wie Wind In The Willows oder The Stilettos, hing im Dunstkreis von Andy Warhol ab und war auch mal ein Playboy Bunny.

Dann kam Blondie

Dann tauchten Mitte der 1970er Jahre in New York plötzlich Bands wie Television, Richard Hell & The Voidoids oder die Ramones auf und sorgten mit aufregendem Punk für Aufsehen. Und dabei waren auch Blondie.

Niemand von diesen Punk- und New-Wave-Bands hatte so viele Hits wie Blondie: „Denis“, „Heart Of Glass“, „Dreaming“ oder „Atomic“ – sie alle sind Klassiker geworden. Sie starteten mit einem Retro-Sound, verbanden schließlich Disco mit New Wave und öffneten mit dem Song „Rapture“ dem aufkommenden Rap die Tür zum Mainstream. „Viele unserer Songs sind einfach heiter und unbeschwert“, erklärte Debbie Harry einmal den Erfolg im dpa-Interview.

Reich aber hat das Blondie nicht gemacht. Schlechte Verträge und Streitigkeiten mit dem Management kosteten die Band, die immer wieder bei Null anfangen musste, ein Vermögen. Doch Blondie sind – mit einigen Unterbrechungen – nach mehr als 40 Jahren noch immer da.

2017 erschien mit „Pollinator“ das letzte Album der Band, das wieder typisch nach Blondie klang: Punk, New Wave und Disco – alles da und zeitlos cool. (Wolfgang Marx, dpa)

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