Montag, 3. Juni 2013 13:52 Uhr

Der Fall Mollath: In den Fängen von Justiz, Politik und Psychiatrie

Sieben Jahre in der geschlossenen Psychiatrie, von der Außenwelt abgeschlossen, im medizinischen Gutachten als „paranoid“ bezeichnet: Gustl Mollath aus Nürnberg scheint kaum eine Chance zu haben.

Der Fall Mollath

Doch er gibt sich kämpferisch: „Man behauptet nebulös ein Fehlverhalten, von dem ich weiß, dass es gar nicht stimmt“, erklärte der 57-Jährige vor wenigen Wochen nach einer mehr als sechsstündigen Anhörung vor Gericht.

Die ARD nimmt sich in ihrer Dokumentation ‚Der Fall Mollath‘ in der Reihe ‚Die Story im Ersten‘ an diesem Montag (22.45 Uhr) dem Schicksal eines Mannes an, gegen den sich die Welt verschworen zu haben scheint. Mollath ist nach einem Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth seit 2006 in der Psychiatrie untergebracht, weil er seine Frau misshandelt haben soll.

Die Vollstreckungskammer muss alljährlich prüfen, ob seine Unterbringung im Bezirksklinikum Bayreuth noch gerechtfertigt ist. Im Gespräch mit den ARD-Autoren Monika Anthes und Eric Beres klagt er: „Ich hatte nicht einmal Punkte in Flensburg. Plötzlich sind Sie der kriminelle Wahnsinnige.“

Denn möglicherweise ist er nicht der Schuldige, sondern nur Opfer eines großen Komplotts.

Der Fall Mollath

Vor gut zehn Jahren, so ist im ARD-Bericht zu sehen, ist Gustl Mollath glücklich, er steht in der Blüte des Lebens: Er restauriert Ferraris und verkauft sie. Seine Ehefrau ist Vermögensberaterin bei der HypoVereinsbank. Er weiß, dass sie ihrer Klientel zu lukrativen Geldanlagen in der Schweiz rät. Er ist dagegen, wendet sich an die Bank, es kommt zum Streit. Schließlich erstattet Mollath Anzeige wegen Schwarzgeldgeschäften.

Doch nicht die Bank oder seine Frau stehen im Mittelpunkt der Ermittlungen – sondern Mollath selbst. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg nimmt ihn ins Visier; Misshandlungen an seiner Frau soll er begangen und Reifen zerstochen haben, das Gericht lässt ihn in die Klinik einweisen. Aus der geschlossenen Anstalt heraus wendet er sich an die Öffentlichkeit, 2010 auch an die Reporter.

Anthes und Beres bringen seitdem laut ARD „immer mehr brisante Details ans Licht“. Auch ein betriebsinterner Untersuchungsbericht der Bank kommt zu dem Schluss, dass einige Behauptungen Mollaths korrekt sind. Das Urteil, so die ARD, habe möglicherweise „eklatante Fehler“ enthalten. Selbst ein zentrales Beweisstück habe sich als unecht herausgestellt. Die Staatsanwaltschaft Regensburg fordert die Wiederaufnahme des Verfahrens. (dpa)

Fotos: SWR/Report Mainz

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