11.03.2020 23:48 Uhr

Der Hamster in uns: Hier erklären wir das Phänomen

Silvia Vargas/Shutterstock

Konserven und Klopapier – aus Angst vor dem Coronavirus kaufen einige Menschen gerade die Supermärkte leer. Das „Hamstern“ hat eine lange Tradition – und viele Vorbilder in der Natur.

Kleine Knopfaugen, dicke Pausbacken – so ziehen Hamster über die Felder, um Nahrung für den Winter zu sammeln. Aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ahmen viele Menschen dieses Verhalten derzeit nach – und stopfen sich im Supermarkt statt ihrer Backen- die Einkaufstaschen voll. Über die äquivalente Bezeichnung hatte jüngst der „New Yorker“ berichtet: Es gebe natürlich im Deutschen ein Wort für das panische und irrationale Einkaufen – die sogenannten „Hamsterkäufe“.

Der Hamster in uns: Hier erklären wir das Phänomen

Foto: Caroline Seidel/dpa-tmn/dpa

Im 19. Jahrhundert fing es an

Das Wort setzt sich zusammen aus den Wörtern „Hamstern“ und „Kauf“. Laut dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache gibt es erste Belege für das Wort „Hamstern“, also das Horten von Lebensmitteln oder knapp werdenden Dingen, seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Richtig beliebt wurde der Ausdruck aber vor allem nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Damals sprach man auch von „Hamsterfahrten“ – dabei fuhren Menschen aufs Land „zum Zwecke des Hamsterns“, wie es im Duden heißt.

„Man kann sagen, dass das Wort richtig in den allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen wurde, als viele Leute ihre Nahrung wirklich mühsam ‚auf Hamsterfahrten‘ zusammensuchen mussten“, sagt Horst Simon, Professor für Historische Sprachwissenschaft an der Freien Universität Berlin, über das „Hamstern“. Für Simon ist der Begriff ein typisches Beispiel dafür, wie Menschen neue Wörter bilden: „Wir beobachten Tiereigenschaften und übertragen sie auf uns.“ Auch Begriffe wie „herumtigern“ und „einsauen“ funktionierten nach diesem Prinzip.

Der Hamster in uns: Hier erklären wir das Phänomen

Soeren Schulz/Shutterstock

(An dieser Stelle würden wir hier gerne einen blöden Witz einstreuen: Sagt die Frau zu ihrem Mann: „Ich sehe aus wie ein Schwein“. Sagt der zu ihr: „Wieso wie?“)

Im Englischen sind’s die Eichhörnchen

Weiter im Text: Die Deutschen sind dabei nicht die einzigen, die sich in Sachen Horten den Hamster zum Vorbild nehmen: Auch in Schweden spricht man von „hamstra“ – also vom Hamstern. Und der englische Sprachraum kennt Simon zufolge ein ähnliches Sprachbild: „to squirrel something away“ macht aus dem Substantiv Eichhörnchen ein Verb, das ebenfalls das Horten beschreibt. Eichhörnchen sammeln Nüsse und Samen für den Winter und vergraben ihre Beute im Boden.

Auch Hamster legen Vorräte für den Winter an – allerdings in ihrem Bau. Sie können ein Vielfaches größer sein, als die Nager selber, wie Sabine Heine vom Zoologischen Forschungsmuseum Koenig betont. Die Hamster könnten zwei bis drei Kilogramm, in Ausnahmefällen sogar bis zu 15 Kilogramm Futter zusammentragen, ergänzt ihr Kollege Jan Decher. „Das Wort ‚hamstern‘ ist durchaus passend vom Europäischen Feldhamster abgeleitet“, findet deshalb der Zoologe.

Bis zu 28kg Futter beiseite geschafft

Die Nager haben aber andere Vorlieben als Klopapier und Konservendosen: Heine zufolge packen sie am liebsten Getreide und andere Pflanzenteile in ihre Backentaschen.

Es gibt aber Tiere, die noch besser hamstern können als der Hamster selbst: „Meister im Horten sind die asiatischen und nordamerikanischen Pfeifhasen“, betont Zoologe Decher. Sie könnten, obwohl sie weitaus leichter sind als Feldhamster, bis zu 28 Kilogramm Wintervorrat anlegen. (Cindy Riechau, dpa)