Der religiöse Beuys in Berlin

Eugen Blume, deutscher Kurator und Kunsthistoriker, steht in der Ausstellung Joseph Beuys «Der Erfinder der Elektrizität» in der St. Matthäus-Kirche.
Eugen Blume, deutscher Kurator und Kunsthistoriker, steht in der Ausstellung Joseph Beuys «Der Erfinder der Elektrizität» in der St. Matthäus-Kirche.

Christophe Gateau/dpa

08.04.2021 16:11 Uhr

Auftakt zum Jubiläumsjahr: In der Ausstellung „Der Erfinder der Elektrizität“ in der St. Matthäus-Kirche sind bis zum 12. September die religiösen Einflüsse in den Werken von Beuys zu sehen.

Religiöse Einflüsse in der Arbeit von Joseph Beuys (1921–1986) bilden in Berlin den Auftakt für das Jubiläumsjahr 100 Jahre nach der Geburt eines der wichtigsten deutschen Künstlers des 20. Jahrhunderts.

Die Ausstellung „Der Erfinder der Elektrizität – Joseph Beuys und der Christenimpuls“ zeigt bis zum 12. September in der St. Matthäus-Kirche, wie tief viele Werke des Künstlers in seinem Glauben verwurzelt sind, dem er sich etwa über die esoterischen Lehren Rudolf Steiners näherte.

Die St. Matthäus-Kirche zwischen Neuer Nationalgalerie und Kulturforum ist nicht nur ein kirchlicher Ort mit geregelten Andachten, sondern hat seit Jahren mit viel beachteten Ausstellungen Kunst und Religion verbunden. Zuletzt waren etwa Präsentationen von Norbert Bisky, Andreas Mühe oder Gilbert & George zu sehen.

Die aktuelle Ausstellung hat der frühere Leiter des Hamburger Bahnhofs und Beuys-Experte Eugen Blume zusammengestellt. Im von Kirchenbänken befreiten Mittelschiff hat er zentral die „Dumme Kiste“ (1982) platziert. Bei der offenen Konstruktion werden die Kupferseiten an den Ecken von Filz unterbrochen. So als Kiste sinnlos geworden verweigert sie sich dem Rationalen, Funktionalen. Betrachter müssen ihr einen neuen Sinn zuordnen.

Beuys‘ sehr unterschiedliche Darstellungen religiöser Symbole verdeutlichen weitere Arbeiten. Da ist etwa das „Kreuz“ aus den 50er Jahren. In das kleine Metallkruzifix lässt er die Umrisse einer Biene als Formen der Natur einfließen. Daneben findet sich – für Beuys auch dies ein Kruzifix – ein Exemplar des Multiple „Capri-Batterie“ (1985), bei dem eine mit Stromstecker versehene Glühlampe an einer Zitrone haftet. Säure und Metall entwickeln Spannung. Für Beuys war Jesus „Der Erfinder der Elektrizität“, auf einer Serie von kleinen Herz-Jesu-Bildchen schreibt er ihm diese Eigenschaft zu.

Beuys-Experte Blume erläutert den Grund, warum die Verbindung von Künstler und Religion so auffallend wenig rezipiert wird. „Man wollte es in dieser Zeit nicht sehen“, sagt Blume.

Einen weiteren Blick auf die Arbeit des Künstlers geben Arbeiten des Fotografen Lothar Wolleh, die auf der Empore der Kirche zu sehen sind. Wolleh begleitete Beuys Anfang der 70er Jahre bei Arbeiten zu einer Ausstellung in Stockholm.