Montag, 18. Juni 2018 18:59 Uhr

Der Schwager von König Felipe geht in den Knast

Das hier hatte in Spanien kaum jemand für möglich gehalten: Ein Angehöriger des Königshauses sitzt hinter Gittern. Der Schwager von König Felipe trat seine knapp sechsjährige Haftstrafe an. Was erwartet Iñaki Urdangarin im Gefängnis?

Der Schwager von König Felipe geht in den Knast

Iñaki Urdangarin muss für knapp sechs Jahre ins Gefängnis. Foto: Cati Cladera

In Spanien sitzt zum ersten Mal ein direkter Angehöriger der Königsfamilie hinter Gittern. Der wegen Betrugs und Veruntreuung zu knapp sechs Jahren Gefängnis verurteilte Iñaki Urdangarin, einer der beiden Schwager von König Felipe VI., trat am Montag seine Haftstrafe an. Dem historischen Augenblick erlebten nur wenige, es gab zunächst auch keine Bilder. Der 50 Jahre alte Ehemann von Infantin Cristina kam gegen 8 Uhr morgens ins Gefängnis von Brieva in Ávila nordwestlich von Madrid, wie die Behörden mitteilten.

Das Oberste Gericht in Madrid hatte jüngst die Anfang 2017 in Palma de Mallorca gegen Urdangarin verhängte Strafe in leicht gemilderter Form bestätigt. Demnach muss der Ex-Handballstar für fünf Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Urdangarin wurde der Veruntreuung von sechs Millionen Euro Steuergeldern sowie der Geldwäsche, der Urkundenfälschung und des Betrugs für schuldig befunden.

Einer der angesehensten Männer Spaniens

Der 1,97-Meter-Sportler aus dem baskischen Zumárraga war einer der angesehensten Männer Spaniens. Als Handballer gewann Urdangarin Medaillen, später heiratete er ins Königshaus ein. 2011 begann dann ein steiler Abstieg, als der Skandal um Urdangarins vermeintlich gemeinnützige, von Steuergeldern geförderte Stiftung „Nóos“ begann. Ein „Abstieg zur Hölle“, wie die Zeitung „El País“ schrieb. Es gab 17 Angeklagte, darunter auch Cristina. Mit Kreditkarten von Scheinfirmen zahlte das Ehepaar den Ermittlungen zufolge Tanzkurse, Hauspersonal, Luxusgeschirr, Geburtstagspartys und teure Umbauten.

Cristina war Co-Präsidentin einer der Firmen ihres Mannes und der Beihilfe zum Steuerbetrug bezichtigt worden, sie wurde im Prozess in Palma von diesem Vorwurf freigesprochen. Sie ist die jüngere der beiden Schwestern von Felipe und die Nummer sechs in der Thronfolge. Cristina war die erste nahe Verwandte eines spanischen Königs, die vor Gericht kam. Der Skandal war einer der schwersten in der Geschichte der spanischen Monarchie. Zusammen mit anderen Affären führte er zu einem Imageverlust des Königshauses. Schließlich dankte Juan Carlos 2014 zugunsten von Felipe ab.

Zwei Rollen Klopapier

Urdangarin war am Sonntagabend aus Genf kommend auf dem Flughafen von Madrid gelandet, auf Fotos wirkte er müde und mitgenommen. Nach einem Bericht der Zeitung „El Mundo“ bekam er bei seinem Haftantritt zwei Rollen Klopapier, eine Zahnbürste und Plastikbesteck. Bei guter Führung könnte er nach knapp eineinhalb Jahren laut Experten Ausgang von bis zu 36 Tagen pro Jahr bekommen.

Der historische Moment des Haftantritts fand ohne Öffentlichkeit statt, weil Urdangarin – wie andere Verurteilte auch – sich das Gefängnis aussuchen durfte. Das „Centro Penitenciario de Ávila“ ist ein Frauengefängnis, aber es gibt einen kleinen Bereich für Männer. Medien schreiben, Urdangarin sei dort derzeit der einzige Häftling.

Urdangarin war nach seiner Heirat Herzog von Palma. Der smarte Sportler und Cristina hatten sich 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta kennengelernt. „Liebe auf den ersten Blick“, hieß es damals. Im September 1997 läuteten die Hochzeitsglocken. „Seine Exzellenz“, lautete die Anrede für Urdangarin. Im Zuge des Skandals entzog Felipe ihm und Cristina den Herzog-Titel.

Kaum noch Kontakt zum Königshaus

Seit der Zuspitzung der Finanzaffäre hat das Ehepaar Urdangarin anscheinend kaum noch Kontakt zum Königshaus. Die beiden wurden nicht nur von allen offiziellen Terminen der „Casa Real“ gestrichen, auch privat soll man auf Distanz gegangen sein. Als Juan Carlos im Januar seinen 80. Geburtstag feierte, war das Ehepaar Urdangarin nicht dabei.

Das Königshaus kommentierte den Haftantritt zunächst nicht. Zuvor hatte man mitgeteilt, man respektiere die Urteile.

Die Urdangarins lebten mit ihren vier Kindern – drei Jungen und einem Mädchen – seit fünf Jahren im Zentrum von Genf. Cristina war 2013 von ihrem damaligen Arbeitgeber, einer spanischen Großbank, dorthin versetzt worden. Ein Anwalt der Familie sagte, Cristina werde mit den Kindern weiter in Genf wohnen. (dpa/KT)

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