Die Welt zu Gast in Dubai: Noch 100 Tage bis zur Expo

Der deutsche Pavillon im Aufbau bei der Expo 2020.
Der deutsche Pavillon im Aufbau bei der Expo 2020.

-/ Koelnmesse/dpa

21.06.2021 16:22 Uhr

Als erster arabischer Gastgeber lädt Dubai im Oktober zur Expo. Auch Deutschland will zum Thema Nachhaltigkeit und anderen Schwerpunkten die neuesten Ideen vorstellen.

In seinen Jahrtausenden auf der Erde hat der Mensch so einige Dinge vollbracht, die sein Leben dauerhaft verändern sollten: die Entdeckung des Feuers etwa, die Erfindung von Rad und Papier, der erste bemannte Flug.

Und wo wäre die Menschheit heute ohne Glühbirne, Penizillin und Internet? Die nächste bahnbrechende Erfindung kommt sicher.

Wer dabei sein will, so lässt ein 52 Millionen Mal geklickter Werbespot bei Youtube glauben, muss im Herbst eigentlich nur nach Dubai reisen – zur Expo-Weltausstellung. In 100 Tagen geht es los als dann erste Weltausstellung im arabischen Raum.

Ein „futuristisches Festival voll neuer und radikaler Ideen, magische Aufführungen in einem sechs Monate langen Spektakel“ verspricht Black-Eyed-Peas-Rapper Will.i.am in dem Werbe-Clip. Laut Motto soll die Schau auf einem Gelände, das der Fläche von 600 Fußballfeldern entspricht, „Köpfe verbinden“ und „Zukunft schaffen“. Eigentlich sollte sie schon im Herbst 2020 öffnen. Nach einer coronabedingten Verschiebung um ein Jahr soll es am 1. Oktober nun endlich so weit sein. Der Zusatz „2020“ wurde wie bei den Olympischen Spielen und der Fußball-Europameisterschaft auch nach der Verschiebung beibehalten.

Gewerkelt wird auf dem Expo-Gelände im Süden Dubais dieser Tage unter anderem am deutschen Pavillon, betrieben von der Koelnmesse. Besucher sollen Innovationen aus deutscher Hand dort vor allem spielerisch und mit interaktiven Ansätzen erleben – mit hohem „Spaß-Faktor“, wie es heißt. Mit einem Budget von 50 Millionen Euro baut Deutschland einen der größten Stände. Geschätzte Kosten für die emiratischen Gastgeber: umgerechnet rund 6,9 Milliarden Euro. Wegen der Pandemie gelten für die Schau klare Regeln wie Maskenpflicht und Kapazitätsgrenzen.

Das Expo-Prestige kommt dem reichen Emirat gelegen angesichts einer Menschenrechtslage, die Organisationen wie Human Rights Watch (HRW) und Amnesty International weiterhin als besorgniserregend bezeichnen. Ein Problem bleibt die Lage der vielen Arbeiter, die oft unter großer Hitze auf Baustellen und hinter den Kulissen wirken. Im Sommer können die Temperaturen in den Emiraten auf bis zu 50 Grad Celsius steigen. Arbeit im Freien ist zwischen Juni und September in den besonders heißen Mittagsstunden deshalb untersagt.

Die Bedingungen für Arbeitsmigranten seien trotzdem „unmenschlich“ und gefährdeten ihre Gesundheit, schreibt die britische Organisation ImpACT in einem neuen Bericht. Sie müssten nicht übersetzte Dokumente unterschreiben, ihre Pässe aushändigen und „extreme Arbeitszeiten“ aushalten. Mehrere emiratische Firmen hätten Aufträge im Zusammenhang mit der Expo bekommen trotz „schwerer Menschenrechtsverletzungen“. Die Veranstalter beharren dagegen darauf, dass alle Arbeiter fair und würdevoll behandelt und pünktlich bezahlt würden, und dass sie ihre Rechte mit internen Beschwerdeverfahren geltend machen könnten.

Mehr als zehn Jahre sind vergangenen, seit die Expo in Schanghai die Rekordzahl von 73 Millionen Besuchern lockte. Zur Expo in Hannover im Jahr 2000 kamen 19 Millionen. Dubai hält trotz der außergewöhnlichen Umstände wegen der Pandemie am Ziel fest, zwischen Oktober und März 2022 bis zu 25 Millionen Besucher auf das Gelände zu holen. Diese großangelegten „World Expos“, die jeweils sechs Monate dauern, finden nur alle fünf Jahre statt. Den Gastgebern winkt neben einem wirtschaftlichen Schub vor allem reichlich Prestige.

Auch Dubai, das sich schon lang als schillernde Shopping-Metropole und Spielplatz für die Spaßgesellschaft von morgen vermarktet, kann sich auf der großen Weltbühne präsentieren. Die Expo soll mit mehr als 190 teilnehmenden Ländern zum Labor des technologischen Fortschritts werden. Fragen rund um Nachhaltigkeit und Mobilität der Zukunft stehen im Mittelpunkt. Die Emirate, deren Reichtum auf den Öl-Boom der 1970er Jahre zurückgeht, wollen bis 2050 fast die Hälfte ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen decken. Das Potenzial für Solarparks in der kargen Wüste am Golf ist enorm.