08.01.2021 19:44 Uhr

Donald Trump: Der erbärmlichste Verlierer seit 47 Jahren

Versöhnung und Förmlichkeiten? Donald Trump denkt gar nicht dran, der Amtseinführung seines Nachfolgers Joe Biden beizuwohnen. Damit steht er in der Geschichte der USA-Präsidenten allerdings nicht allein.

@ imago images / UPI Photo

Wow, Hassprediger Donald Trump (74) zieht sein Ding echt durch. Der skandalöse Politiker verkündete über Twitter, dass er nicht an der Amtseinführungs-Feier am 20. Januar teilnehmen wird. Der Noch-Präsident wird der feierlichen Einführung von Joe Biden (77) in das Amt des Präsidenten demnach nicht beiwohnen. Vielleicht auch gut so, nachdem der Despot weltweit für Empörung sorgte, weil er am Mittwoch einen wütenden Mob in Richtung Kapitol schickte.

Beleidigte Leberwurst

Nachdem Trump am heutigen Freitag nach unendlich langem Zögern in einer Video-Ansprache bestätigt hatte, dass er „eine reibungslose, geordnete und nahtlose Übertragung der Macht zu gewährleisten“ beabsichtige, kommt diese Geste einer geradezu tödlich beleidigte Leberwurst nicht wirklich überraschend.

Noch vor wenigen Stunden hatte er gesagt: „Mein Fokus liegt nun darauf, einen reibungslosen, geordneten und nahtlosen Machtwechsel zu gewährleisten. Dieser Moment erfordert Heilung und Versöhnung.“ 

Zickiger Tweet

Die versöhnliche Stimmung hielt allerdings nur kurz an. Jetzt, wo der schlimmste US-Präsident aller Zeiten seinen Zorn, wenn auch deutlich abgeschwächt, wieder ungefiltert über Twitter in die Welt blasen kann, schickte er eine knarzige Kurznachricht raus: „An all die, die es wissen wollen: Ich werde nicht zur Inauguration am 20. Januar gehen.“ Krawumm! Also doch nichts mit geordnetem Übergang. Der Mann bleibt respektlos und sich somit treu.

Neue Kampfansage

Allerdings verwirrt der noch 12 Tage amtierende Präsident mit einem weiteren Tweet. Anstatt die Wogen zwischen den Lagern der Republikaner und Demokraten zu glätten, heizt er den Konflikt weiter an. Er schrieb:

„Die 75 Millionen großen amerikanischen Patrioten, die für mich gestimmt haben, AMERICA FIRST, und MAKE AMERICA GREAT AGAIN, werden in der Zukunft eine laute Stimme haben. Ich lasse nicht zu, dass sie respektlos oder unfair in irgendeiner Weise behandelt werden, egal auf welche Art und Weise!!!“

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Trump ist die Nr. 6

Soviel zum Thema „respektlos“. Was für ihn und seine Gefolgsleute gilt, gilt halt nicht für den politischen Gegner.

Man kann die Verweigerung der Teilnahme an der Inauguration-Feier durchaus als eine historische Geste bezeichnen. Größe hat DAS nicht. So einen schlechten Verlierer sahen die USA zuletzt vor 47 Jahren. 1974 hatte der arg gebeutelte Richard Nixon nicht an der Vereidigung seines Amtsnachfolgers Gerald Ford teilgenommen.

Erstmals passierte das 1801. Da nahm John Adams nicht an der Amtseinführung von Nachfolger Thomas Jefferson teil. 1829 hatte John Quincy Adams keinen Bock, sich die Vereidung von Andrew Jackson reinzuziehen. Oder nehmen wir das Jahr 1869 – als sich der scheidende Präsident Andrew Johnson weigerte, an der Amtseinführung seines Nachfolgers Ulysses S. Grant teilzunehmen. Johnson, damals 17. Präsident der USA, trat 1865 nach dem tödlichen Attentat auf den Präsidenten dessen Nachfolge an.

1921 wollte Woodrow Wilson „aus gesundheitlichen Gründen“ nicht an der Amtseinführung von Warren G. Harding teilnehmen. Trump ist somit die Nr. 6 der Verweigerer.

Wie dem auch sei: Auf Twitter entzündete sich sofort ein Feuerwerk an Reaktionen. Trumps Unterstützer halten sein Verhalten für das einzig Richtige und seine Gegner finden es schlichtweg kleingeistig.

Aber: Für die Amtszeit des total überforderten Präsidenten Trump stehen unauslöschlich ein für allemal die Bilder des Angriffs des republikanischen Mobs auf das Kapitol. Jenen Mob, den er zuvor bei einer wütenden Rede aufgehetzt hat. Fünf Tote sind die Bilanz des Sturmes auf das Herz der amerikanischen Demokratie. (LaKrim)