22.06.2013 15:20 Uhr

Drag-Queen Barbie Breakout packt aus: Tragisch, aber geil

Sie ist Mann. Sie ist Frau. Sie ist Djane. Sie ist It-Girl.

Die Berliner Drag-Queen Barbie Breakout (35) hat ein Buch über ihr ziemlich bewegendes Leben geschrieben. Es beinhaltet viel Sex, Drogen und die Suche nach Geborgenheit und der großen Liebe.

Das Fazit hat hat Timo – wie Barbie im bürgerlichen Leben heißt – auch gleich zum Buchtitel gemacht ‚Tragisch, aber geil‘. klatsch-tratsch hat sich mit der Frauspielerin zum Plausch getroffen.

Wie bist Du dazu gekommen das Buch zu schreiben?
Ich wollte schon immer Schriftstellerin werden. Oder Primaballerina oder Köchin. Als bei mir 2007 HIV diagnostiziert wurde, habe ich etwas gebraucht, um mich zu beschäftigen. Nachdem ich mich mehr oder weniger erfolgreich an einem Drehbuch für eine Fernsehserie versucht hatte, dachte ich: ‚Schreib doch einfach das auf, was du kennst.‘ Und so kam das dann.

Wann hast Du gemerkt, dass Du irgendwie „anders“ bist?
Das ist schwerer zu beantworten, als man denkt. Ich habe meine ersten Jahre mehr oder weniger als Mädchen verbracht. So habe ich mich eben damals gefühlt. Dass bei mir etwas „anders“ war, wurde mir erst durch die Reaktionen meiner Umwelt klar.

Was ist noch tragisch aber geil – Außer deinem Buch?
Oh weia. Tatsächlich eine ganze Menge. Marilyn Monroe zum Beispiel war mega tragisch, aber natürlich auch megageil. Eigentlich aber war das ein geflügeltes Wort, das irgendwann in meinem Freundeskreis entstanden ist. „Oh Gott, ist die Alte traaagisch!“ „Naja looooogisch! Aber auch ganz schön geil!“ So oder so ähnlich…

Auch Fleischwürste?
Fleischwürste finde ich explizit nicht tragisch. Das Schwein, das für die Wurst abgemurkst wurde, hingegen schon.
Ich habe ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Fleischwürsten. Es gibt eine Geschichte im Buch, wo ich mich an dem Arschlochfreund meiner Mutter mit einer ebensolchen gerächt habe. Und ja, es ist genau das passiert, was der Leser sich jetzt gerade vorstellt und es eigentlich nicht fassen möchte… (schmunzelt böse)

Wer mehr wissen möchte, soll bitte einfach mein Buch kaufen. Kann man ganz simpel unter tragischabergeil.de bestellen, mittlerweile sogar schon in der zweiten Auflage.

Du schilderst in Deinem Buch sehr offen Deine Sex-und Drogenexzesse. Wer sollte das Buch besser nicht lesen?Hmm.
Meinem Vater habe ich es nahegelegt, das Buch nicht zu lesen.

In Deinem Buch sprichst Du auch ganz offen über Deine HIV- Infektion. Wie kam es zu dazu?
Na so, wie es zu solchen Infektionen nun mal gemeinhin kommt. Zwei dumme Menschen sind entweder breit oder rallig oder verliebt genug, es auf einen Geschlechtsakt mit Jokeroption ankommen zu lassen. Und ich habe mir eben den Jackpot geschossen, sozusagen.

Wie war Deine erste Reaktion, als Du die Diagose bekommen hast?
Schwer zu sagen, wie ich darauf reagiert habe. Die ersten ein, zwei Jahre danach sind in meiner Erinnerung nicht mehr so wirklich klar präsent… Ich habe mich aus allem zurückgezogen, habe erstmal schauen wollen, was wirklich wichtig war in meinem Leben. Welche Dinge tun mir gut, welche tue ich aus Gewohnheit oder Pflichtbewusstsein? Nach sechs Monaten Klausur war ich dann zumindest wieder willens, am sozialen Leben teilzunehmen.

Der Rest hat aber noch eine ganze Zeit gedauert. ich musste meinen Spaß am Sex wiederfinden, musste ein neues Körpergefühl entwickeln. Man fühlt sich eben wahnsinnig infektiös, verseucht, giftig, wenn man so will.

Hattest Du Rachegedanken?
Rachegedanken hatte ich nie. Der arme Junge wusste ja selber von nichts. Und selbst wenn er es gewusst hätte und mich bewusst infizieren hätte wollen: wer ist am Ende des Tages dafür verantwortlich gewesen, auf mich aufzupassen? Eben. Ich.

Wie haben die Leute auf Dein HIV-Outing im Buch reagiert?
Ganz unterschiedlich. Viele zeigen sich beeindruckt und beglückwünschen mich für meinen Mut. Manche bedanken sich, weil es ihnen gut tut, eine Geschichte ähnlich der ihren von jemand anderem erzählt zu bekommen. Von einigen wenigen habe ich so etwas wie Widerwillen wahrgenommen. So nach dem Motto: „Muss das jetzt sein? Sowas behält man doch für sich“. Aber so denke ich nicht. Ich bin immer für Sichtbarkeit.

Wieviel Geld gibst Du im Monat für Schuhe und Kosmetika aus?
(lacht) Über sowas spricht man doch nicht. Selbst ich habe Themen, die Tabu sind.

Wie lange dauert Deine Verwandlung von Timo zu Barbie?
Wie lange ich zum Fertigmachen brauche, hängt immer auch mit der Art des Events zusammen. Wenn ich nervös bin, plane ich gerne drei Stunden ein, dann kann ich mir Zeit lassen. Zur Not gehts aber auch in 45 Minuten, da bin ich dank meiner Zeit auf Mykonos erprobt.

Welche Geschichte hat es nicht ins Buch geschafft, die Du aber doch gerne noch teilen möchtest?
Ach, es gibt eine Menge Geschichten, die es nicht ins Buch geschafft haben. Aber die sind dann entweder so intim, dass ich sie nicht öffentlich preisgeben will, oder so langweilig, dass sie es einfach nicht wert waren. Und den Rest sammle ich schon jetzt für’s nächste Buch. (schmunzelt)

Fotos: wenn.com, Privat

 

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