Dienstag, 24. Januar 2012 17:12 Uhr

„Drive“: Der wortkarge Ryan Gosling wird zur „coolsten Sau“ Hollywoods

Berlin. Mit dem neuen Film ‚Drive‘, der am 26. Januar in den deutschen Kinos startet, ist Hauptdarsteller Ryan Gosling auf dem sicheren Weg zu einem der ganz großen Hollywoodstars. „Drive“ bedeutet nicht nur Fahren, sagt auch Machen.

Was macht dieser Film? Dieser Film ist bockbeinig, ein wahrer Hasenfuß. Er lockt uns auf leise Lichtungen und schlägt dann Haken in finstere Seelenkeller. Aber all dies kommt dann doch irgendwie nicht unverhofft. Es ist kein Actionstreifen, kein Horrorfilm, kein 3-SAT-Randgruppenfilm, kein Krimi, kein Roadmovie, kein Thriller, keine Liebesgeschichte – er ist alles.

Rufen Sie sich das Wort »subtil« ins Gedächtnis…, merken Sie sich das Gefühl, das Sie dazu haben und legen sie es auf einen Film ohne Tiefgründigkeit. Mit dieser Stimmung und einem knackig bis rührendem Soundtrack lässt er den Zuschauer bis zum Schluß nicht los, lässt er ihn auf den Gleisen von Wehmut und glanzloser Melancholie mitreisen. Ganz leise nimmt der Film Fahrt auf und behält sein geschmeidiges Tempo bei, bis…, ja bis…

Driver ist tagsüber Stuntman. Ist es im Grunde immer, irgendwie. Nachts stellt er seine Fahrkünste bewaffneten Einbrechern zur Verfügung. Er kennt die Stadt wie kein anderer, niemand kriegt ihn.

Und dann, wie sollte es auch anders sein, kommt die eine Frau ins Spiel, die alles verändert. Aber genau dass sie ins Spiel kommt und wie Carey Mulligan sanft die »Irene« durch den Film wehen lässt, macht das Szenario so unterstrichen lieblich Tristes.

Stille Wasser sind tief… und schmutzig. Was aber ist die Stille, mit der sich der Driver umgibt, woher kommt sie, wie tief ist sein Wasser und wo kommt der Schmutz darin her? Fragen, mit denen der Zuschauer größten Teils allein bleibt, allein bleiben soll.

Wie erfahren nichts von seiner Vergangenheit, ob er Eltern oder Geschwister hat, nichts. Zusammengerechnet sagt Driver im ganzen Film vielleicht zwanzig Sätze. Mit seiner Wortkargheit in Eastwoodscher Manier wirkt er aber weder unnahbar, noch zu zart besaitet. Wir bekommen es hier mit einer neuen Art von »cooler Sau« zu tun.

Während der Film noch behaglich mit der zulässigen Geschwindigkeit von unerschrockenen Zuschauern dahinfährt, bricht er plötzlich aus und zeigt sich in unverstellter, brutalster Gewalt. Ein Ausbruch mit dem man so massiv in seiner kürze nicht rechnet. Diese Ausbrüche sind kurz und heftig und kehren im Sog der Geschehnisse immer wieder. Währe der Film auch ohne die bildlich detaillierte Darstellung von Blut und Knochen ausgekommen? Ja! Aber, gerade der Kontrast zwischen dem jungenhaften, coolen, liebenswürdigen Gesicht und seiner Bereitschaft zu nicht mehr zu bremsender Gewalt, lässt die Frage aufkommen, ob das Versagen von Liebe und Zuneigung immer in der Spirale solch exzessiver Rohheit enden muss?

Diese Frage stellt der Film aber in keiner Weise, weder vordergründig noch versteckt. Er stellt gar keine Fragen. Das machen Sie.
Und eine Frage stelle ich: wird der Film es schaffen einen Trend zu setzen? Werden eng anliegende dunkelblaue Jeansjacken wieder hip? Es könnte gut sein.

Ich jedenfalls habe mich erwischt, bei der Überlegung wo ich eine herbekäme… In diesem Sinne – fahren Sie mit dem »Driver« mit. Ihr Paul Hille

Fotos: Universum, Konrad Wolff

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