Montag, 15. Januar 2018 12:00 Uhr

DSDS: Nach Wirbel um „Diego“ gibt es diese Rechtfertigungen

Nachdem es seit dem Wochenende mächtig Wirbel um den Auftritt des Kandidaten „Diego“ (der echte Name ist offenbar ein anderer) am Samstagabend bei DSDS gab, reicht RTL heute zwei Statements nach. Der mental sehr instabile wirkende junge Mann verwirrte nicht nur Jury sondern auch Zuschauer. Obendrein wurde er auch noch trotz unserer Auffassung unzureichender Leistung mit drei Stimmen den Recall gewählt.

DSDS: Nach Wirbel um "Diego" gibt es diese Rechtfertigungen

Diego aus Düsseldorf. Foto: MG RTL D / Stefan Gregorowius

Dazu erklärt RTL heute in einem Statement: „Die Teilnahme von Diego geschah in enger Abstimmung mit der Graf Recke Stiftung, die seine Teilnahme von Beginn an und im weiteren Verlauf eng begleitet und unterstützt hat. Die Befürwortung seiner Teilnahme basiert auf der Grundlage (der Graf Recke Stiftung), dass jeder Mensch das Recht hat, selbstbestimmt zu leben und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen – auch an einer Castingsendung. Diegos Traum ist es, als Musiker bekannt zu werden, diese Möglichkeit wurde ihm bei DSDS gegeben – mit einem positiven Ausgang: Er hat die Jury von sich überzeugt und für seine Leistung 3 Ja-Stimmen erhalten.“

Schutz der Persönlichkeitsrechte

Warum der Sender den sozialen Hintergrund in der Show außen vor hielt, erklärte der Sender auch: „Die Entscheidung, seinen Hintergrund nicht von Beginn an öffentlich zu machen, geschah ebenfalls in Absprache mit der Graf Recke Stiftung – u. a. entspricht dies dem Wunsch der Stiftung und zum anderen dient es dem Schutz der Persönlichkeitsrechte von Diego.“

Ebenso äußerte sich Dr. Roelf Bleeker, Leiter Kommunikation der „Graf Recke Stiftung“. Hier der Wortlaut: „Wir sind eine Einrichtung für Menschen mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf. Unsere Klienten werden von uns individuell begleitet. Dabei stehen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und das Recht auf Selbstbestimmung im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention für uns im Vordergrund. Es ist unser Anliegen, den Menschen mit all seinen Ressourcen, Wünschen, Fähigkeiten und Talenten zu sehen und ihn je nach Bedarf zu begleiten. Diego wird in einem unseren stationären Häuser für Menschen mit psychischen Einschränkungen betreut. Sein größter Wunsch ist es, als Musiker und Model erfolgreich zu sein und an der RTL-Show ‚Deutschland sucht den Superstar (DSDS)‚ teilzunehmen. Wir nehmen dieses Anliegen sehr ernst und begleiten ihn nach sorgfältiger Klärung aller damit verbundenen Fragen bei der Teilnahme, wie wir dies auch sonst im Alltag unser Klienten tun. Dies geschieht in konstruktiver Abstimmung mit der leitenden Redakteurin der Show.“

DSDS: Nach Wirbel um "Diego" gibt es diese Rechtfertigungen

Diego aus Düsseldorf versucht die Jury von sich mit Gebrüll zu überzeugen. Foto: MG RTL D / Stefan Gregorowius

Jeder Mensch soll seine Wünsche und Träume verwirklichen können, so Dr. Bleker weiter. „Ohne in seinem Recht auf Selbstbestimmung eingeschränkt zu werden. Wir wünschen Diego tolle Erfahrungen und einen respektvollen Umgang mit ihm als Mensch mit besonderem Unterstützungsbedarf.“

Ob damit die Teilnahme an einer solchen Show gerechtfertigt ist, die sich musikalischen Bestleistungen widmen will, bleibt allerdings ziemlich offen. Doch offenbar geht es da schon lange nicht mehr um musikalische Talente. Der Clip auf Youtube mit dem offensichtlich psychisch angegriffenen „Diego“ bekam seit gestern über 2000 Dislikes. Ethisch gesehen halten wir die Vorführung des jungen Mannes für äußerst bedenklich. Und wenn die Verantwortlichen dann auch noch von einer „Selbstbestimmheit“ eines offensichtlich psychisch Kranken, der stationär (!) behandelt wird, reden, erst recht!

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