03.07.2020 23:07 Uhr

Duffy: „Es macht mich traurig, dass Netflix diesem Film eine Plattform bietet“

Duffy kritisiert den Netflix-Thriller "365 Days" als eine Verherrlichung von sexueller Gewalt gegen Frauen und Kidnapping.

imago images / ZUMA Press

Der Film „365 Days“ schlug bei Netflix ein wie eine Bombe. Der polnische Erotik-Thriller mit Michele Morrone (29) und Anna-Maria Sieklucka (28) wird im Netz als das härtere „Fifty Shades of Grey“ gehandelt. Die Handlung dreht sich um einen Mafia-Boss, der eine junge Frau kidnappt und sie für ein Jahr in seiner Villa einsperrt. Er verspricht zunächst ihr keine Gewalt anzutun, sondern sie „nur“ gefangenzuhalten. Er prophezeit ihr, dass sie sich in den 365 Tagen Geiselhaft in ihn verlieben wird.

„365 Days“ – Skandalthriller auf Netflix

Die Stimmung schlägt aber schnell um. Der Mafia-Boss fesselt die Frau ans Bett und schläft mit ihr. Doch anstatt die Situation als Vergewaltigung darzustellen, gefällt der weiblichen Hauptfigur die übergriffige Art ihres Entführer. Zu guter Letzt verliebt sie sich in ihn.

Die Handlung, die man ganz eindeutig unter dem Stichpunkt „Rape Culture“ abhandeln kann, löste im Netz einen Skandal aus. „365 Days“ verharmlost sexuelle Gewalt gegen Frauen und bedient das alte Klischee von „Die muss man zu ihrem Glück zwingen“. Mit sexueller Emanzipation, Konsens und Mitspracherecht hat das alles absolut gar nichts zu tun.

Vergewaltigungsopfer Duffy ist empört

Briten-Popstar Duffy (36) mischte sich jetzt in die Debatte mit ein. Dazu muss gesagt werden, dass die Musikerin selbst eine Entführung und mehrfache Vergewaltigungen überlebte. Die „Mercy“-Sängerin wurde vor einigen Jahren über Wochen von einem Mann festgehalten, betäubt, verschleppt und wiederholt sexuell missbraucht. Nach Wochen als Geisel konnte sie sich befreien.

Dementsprechend hart geht Duffy mit „365 Days“ ins Gericht. Wie die britische Zeitung „The Sun“ berichtet, wandte sie sich in einem offenen Brief an den CEO von Netflix. Völlig zurecht zeigt sich die Sängerin darin schockiert darüber, dass der Film die „sexuelle Ausbeutung, Entführung und Vergewaltigung von Frauen verherrlicht.“

Kidnapping ist nicht sexy

Solche Straftaten dürfen nicht zu Unterhaltungszwecken dienen. Duffy schreibt weiter: „Es macht mich traurig, dass Netflix einem solchen Film, der Kidnapping erotisiert und sexuelle Gewalt verzerrt darstellt, eine Plattform bietet.“

Wir geben Duffy vollkommen recht. Klar, kann es sehr sexy sein, wenn es in der Kiste richtig versaut und etwas härter zugeht, aber Kidnapping und Vergewaltigung sind nicht sexy für das Opfer. Punkt.

Der Streaming-Service hat bislang noch nicht auf die Kritik an „365 Days“ reagiert. Hauptdarsteller Michele Morrone verriet der Presse jetzt allerdings, dass eine Fortsetzung bereits in trockenen Tüchern sei.

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