06.04.2020 12:42 Uhr

Duffy spricht: Selbstmordgedanken nach tagelangem Martyrium

Foto: imago images / ZUMA Press

Sie war auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und plötzlich einfach weg: Fast zehn Jahre lang war Sängerin Duffy (35) wie vom Erdboden verschluckt. Vor einigen Wochen dann die grausame Erklärung: Sie war von einem Fremden entführt, unter Drogen gesetzt und vergewaltigt worden. Fast zehn Jahre lang konnte die Sängerin nicht über ihr Martyrium sprechen. Jetzt bricht die 35-Jährige jetzt ihr Schweigen und verrät Details. Zum ersten, aber auch zum einzigen Mal.

Betäubt und verschleppt

Auf Instagram veröffentlichte die Grammy-Gewinnerin einen Link zu ihrer Website duffywords.com. Dort schreibt sie auf sieben Seiten über die schlimmsten Tage ihres Lebens. Es passierte an ihrem Geburtstag – einem 23. Juli. Das Jahr lässt sie offen. „Ich wurde in einem Restaurant unter Drogen gesetzt, ich wurde dann für vier Wochen immer wieder unter Drogen gesetzt und bin ein anderes Land gereist”, schreibt die „Mercy“-Sängerin. „Ich kann mich nicht daran erinnern, in ein Flugzeug gestiegen zu sein und kam auf der Rücksitzbank eines Fahrzeugs zu Bewusstsein.“

Vergewaltiger wollte sie umbringen

Besonders perfide: Bevor Duffy ins Ausland verschleppt wurde, soll ihr Peiniger sie vier Wochen lang in ihrem eigenen Zuhause unter Drogen gesetzt und festgehalten haben. Ob er sie dort auch vergewaltigt hat, kann sie nicht sagen. Im Ausland habe ihr Peiniger sie dann nicht mehr betäubt. Und so erinnert sich die Sängerin bis heute an alle schmerzhaften Details. Wie sie in einem Hotelzimmer festgehalten und von ihrem Peiniger vergewaltigt wurde: „Ich kann mich an den Schmerz erinnern und wie ich danach versucht habe, bei Bewusstsein zu bleiben.“ Woher sie die Stärke genommen hat, diese Tage zu überstehen, weiß sie selbst nicht. Doch: “Irgendetwas war da, was mir geholfen hat, am Leben zu bleiben.” Sie flog mit ihrem Peiniger zurück, versuchte, sich normal zu benehmen. fühlte sich aber „benommen wie ein Zombie.“ Ihr Leben war immer noch in Gefahr: „Er machte unterschwellige Anmerkungen, mich töten zu wollen. Mit der letzten Kraft, die ich noch hatte, sagte mir mein Instinkt, zu laufen – irgendwohin zu laufen, wo er mich nicht finden kann.“

Selbstmordgedanken nach der Tat

Nachdem sie ihrem Peiniger entkommen war, habe sie sich lange nicht getraut, zur Polizei zu gehen, dabei war Duffy auch nach der Tat immer noch in Lebensgefahr: Die Sängerin quälten schlimme Selbstmordgedanken. „Ohne meine Psychologin hätte ich es wahrscheinlich nicht geschafft.“ Das schreckliche Erlebnis ist der Grund, warum die Sängerin sich völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. “Ich wollte einfach verschwinden”. Doch inzwischen ist ihr Fall aktenkundig: Nach einem Erpressungs- und mehreren Einbruchsversuchen hat Duffy zwei Polizistinnen von ihrem jahrelangen Horror erzählt. Und jetzt will sie sich endgültig von der Last der Tat befreien. “Es gibt keine größere Qual, als eine unerzählte Geschichte in Dir herumzutragen”, zitiert sie die afroamerikanische Bürgerrechtlerin Maya Angelou.

„Ich bin frei“

Auch nach fast zehn Jahren fällt es ihr schwer darüber zu schreiben, aber sie sei es sich selbst schuldig – und es sei das letzte Mal, dass sie sich dazu äußern werde: „Auch wenn es befreiend war, endlich zu sprechen und zu singen, werde ich nun wieder in die Stille zurückkehren.“ Aber nicht mehr als willenloses Opfer. Der erste Schritt in Richtung Heilung ist getan: “Ich kann dieses Jahrzehnt nun hinter mir lassen“ Und hoffentlich liegen viele großartige neue vor der Ausnahmekünstlerin. BBC Radio spielte vor zweieinhalb Wochen überraschend einen neuen Song von Duffy mit dem Namen „Something Beautiful“. Ob sie jetzt auf die große Bühne zurückkehren wird, lässt sie offen: „Ich würde mich gerne kennenlernen, wer ich wirklich bin, zum ersten Mal, ganz privat. Den Frieden, den ich bisher immer nur halb gespürt habe, ganz fühlen.“ Der Weg ist das Ziel – und Duffy scheint auf einem guten zu sein. So beendet sie ihren Brief mit den Worten: „Ich bin frei.“