Duran Duran: Simon Le Bon über Bond-Songs, Mode und eine Anfrage von Michael Jackson

Paul VerhobenPaul Verhoben | 31.10.2021, 21:15 Uhr
Duran Duran: Simon Le Bon über Bond-Songs, Mode und eine Anfrage von Michael Jackson
Duran Duran: Simon Le Bon über Bond-Songs, Mode und eine Anfrage von Michael Jackson

@ John Swannell

Mit Songs wie „Girls On Film“, „Save A Prayer“, „The Reflex“, dem James-Bond-Song „A View To A Kill“ und „Ordinary World“ landeten die „Wild Boys“ von Duran Duran in den 80ern und 90ern Hit auf Hit. Ihr 15. Studioalbum „Future Past“ markiert ihr 40-jähriges Jubiläum. Das ist hierzulande gerade von 0 auf Platz 8 der Charts gelandet. Das ist das bisher beste Ergebnis der Band in Deutschland!

Mit der Single „Anniversary“, für die sie einen Videoclip mit jeder Menge Star-Doppelgängern drehten, nehmen sie den Sound von einst wieder auf.

Im Interview mit klatsch-tratsch-Starreporterin Katja Schwemmers erzählt Simon Le Bon von Inspirationen, Bond-Songs, Stilfragen und seiner Begeisterung für „The Crown“.

Duran Duran: Simon Le Bon über Bond-Songs, Mode und eine Anfrage von Michael Jackson
Duran Duran 1986.

IMAGO / teutopress

Mr. Le Bon, Duran Duran gibt es seit 1978. Fühlt sich das an wie eine Ehe?
Die Band gibt es länger als meine Ehe, aber der Sex untereinander fehlt. Aber der Zug dafür ist schon vor Jahrzehnten abgefahren, soweit es mich betrifft. (lacht) Wir haben eine Arbeitspartnerschaft. Wir sind Freunde und immer noch ein Haufen Jungs. Wir fingen an in einer verrückten Zeit. Heute sind wir viel besser in der Lage, miteinander zu kommunizieren.

Inwiefern?
Wir haben mehr Respekt vor den Eigenheiten des anderen und akzeptieren unsere Unterschiedlichkeit. Das ist wirklich ein Kapital, das macht Duran Duran sogar zu großen Teilen aus. Andere Bands haben es nicht soweit geschafft. Wir haben eine Leidenschaft, die wir zusammen ausleben. Ich vermute, das könnte man vergleichen mit einer Ehe. Aber Duran Duran machen viel mehr Babys.

Mit Ihrer Frau Yasmin sind Sie auch schon seit 36 Jahren verheiratet.
Stimmt. Und auch das war nicht immer einfach. Es gibt eine Parallele zwischen meiner Frau Yasmin und der Band. Denn Yasmin ist eigentlich wie ein Bandmitglied von Duran Duran. Sie agiert seit Jahren fast immer im Hintergrund. Aber letztendlich ist die Ehe wohl fordernder, weil Yasmin und ich auch noch jede Nacht ins selbe Bett steigen.

Wo Ihre Frau doch Modell ist: Wie wichtig waren Image und Mode für Sie in den Achtzigern?
Für mich sehr wichtig! Wenn du jung bist, bist du von dem Instinkt geleitet, einen Menschen für Paarungszwecke zu finden. Also habe ich mich ins Schaufenster gestellt, damit alle Frauen mich sehen können und befinden: „Ja, der ist heiß!“ Aber als Band haben wir uns nie hingesetzt und gesagt: „Okay, lass uns so und so aussehen.“ Klar, wir hatten Outfits wie Militäruniformen, die abgestimmt waren. Aber das war doch eher die Ausnahme. Wir wollten ja nicht rüberkommen wie eine dieser Gesangsgruppen aus den Fünfzigern, die denselben Anzug trugen. Es ging bei uns um den Vibe. Wir haben uns immer als Band mit einer Art Punk-Ästhetik gesehen, so seltsam das klingen mag. Jegliche Abstimmung von Outfits hätte da lächerlich aussehen.

Hier geht’s zu Duran Duran – die Lieblingsband von Lady Di: Interview mit Nick Rhodes

Was hat sich nach 40 Jahren Duran Duran verändert an Ihrer Herangehensweise, Musik zu machen?
Nicht viel, wenn es um das Grundlegende geht: Wir begeben uns immer noch alle zusammen als Band in einen Raum, ohne Ideen, wohin die Reise gehen soll, und fangen erst mal an zu jammen. Einer spielt dann etwas Überzeugendes, Kraftvolles. Das kann ein cooler Keyboard-Part von Nick sein, oder John und Roger starten mit dem Groove. Manchmal komme ich mit einem Text. Und der Rest schaut, was er dazu beitragen kann. So schreiben wir generell Songs. Geändert hat sich, das wir uns geöffnet haben.

Duran-Duran-Sänger Simon Le Bon über Bond-Songs, Mode und eine Anfrage von Michael Jackson
Duran Duran 2015

© Stephanie Pistel

Bezüglich was?
Wir kollaborieren mehr mit anderen Künstlern. In unseren Anfängen blieben wir unter uns. Es war Mark Ronson, der uns auf den Geschmack gebracht hat, Leute dazuzuholen. Wenn du so lange als Band zusammenarbeitest wie wir, ist das wichtig. Es gibt dir neue Energie. Diesmal trug besonders Graham Coxon (Leadgitarrist von Blur, Anm. d. Red.) dazu bei, denn er war von Beginn des Schreibprozesses mit dabei, was zu einem Sound führte, der sich eher live und organisch anhörte als elektronisch. Es ist wirklich eine Band, die zusammenspielt, was sehr erfrischend ist.

Inspiriert Sie Musik von jungen Künstlern?
Mich total. Ich habe eine wöchentliche Radioshow bei SiriusXM in Amerika. Dafür höre ich mir viel auf Bandcamp, Spotify, Soundcloud oder BBC Radio 6 an. Dass wir die japanische Frauenband Chai für den Song „More Joy!“ anfragten, basiert allein auf der Tatsache, dass ich sie auf Spotify entdeckt habe, als ich eine Playlist für meine Show zusammenstellte. Ähnlich ist es mit dem Titelsong „Future Past“. Ich hörte den Tame-Impala-Song „Is It True“ im Four-Tet-Remix. Und ich schlug Nick vor, einen ähnlichen Sound dafür zu finden. Die neue Platte hat im großen Stil von neuer Musik profitiert.

Waren Ihnen bestimmte Themen für diese Platte wichtig?
Ich habe emotional eine turbulente Dekade hinter mir, aus Gründen, auf die ich nicht näher eingehen will. Es ging mir weniger darum, bestimmte Sachen rüberzubringen; es gab einfach viele Sachen in mir, die unbedingt raus wollten und die die Platte gefüllt haben. Echte Emotionen und Dinge, die mir passiert sind. Auf gewisse Weise hat es das viel einfacher gemacht, das Album zu schreiben. Ich musste mich gar nicht abmühen oder um jedes Wort ringen, was in der Vergangenheit oftmals der Fall war.

Duran Duran: Simon Le Bon über Bond-Songs, Mode und eine Anfrage von Michael Jackson
Simon Le Bon

Imago/ David Jensen/EMPICS Entertainment

Lieder wie „Planet Earth“, „Save A Prayer“, „Come Undone“ oder „Ordinary World“ sind mittlerweile zu Klassikern geworden, obwohl es keine Nummer-Eins-Hits waren.
Die Qualität der Musik wurde gern übersehen. Das dürfte an unserem jungen Publikum gelegen haben. Denn die Leute sagten sich: Eine Teenie-Band kann keine großartige Musik machen. Die Kritiker in Großbritannien haben uns damals jedenfalls nicht gefeiert. Aber die Zeit war unser Freund, gerade die Songs aus unseren Anfängen erfahren heute jede Menge Wertschätzung. „Girls On Film“ wurde damals noch als durchschaubarer Popsong niedergeschrieben, dabei klang es so anders als alles andere. Aus heutiger Sicht ist es ein innovatives Stück Musik. Und es taucht überall auf: als Hintergrundmusik für Achtziger-Momente, bei Modeschauen …

Oder in der Netflix-Serie „The Crown“…
Stimmt! Als jemand, der die Serie noch nicht gesehen hat, kann ich nur sagen: Ich bin so was von stolz darauf! Nicht nur, weil es ein Duran-Duran-Song ist. Es ist eine echt coole Szene, wenn Diana auf Rollschuhen durch den Buckingham Palace fährt und eine gute Zeit hat mit unserer Musik auf den Ohren. Die Szene ist sogar so gut, dass ich Angst habe, mir die ganze Serie anzusehen, weil ich dann vielleicht enttäuscht bin. (lacht) Als Musiker willst du deine Marke hinterlassen. „Girls On Film“ ist auf jeden Fall ein tolles Stück unserer Geschichte.

Einen Bond-Song im Repertoire zu haben, ist vermutlich auch nicht verkehrt?
Der ist nur passiert, weil John bei einer Party auf Cubby Broccoli traf, den Produzenten des Bond-Franchise. Sie unterhielten sich, und John fragte ganz frech: „Warum heuert ihr nicht Duran Duran für den nächsten Bond-Song an? Ihr braucht doch immer etwas Besonderes?“ Eine Woche später hatten wir die Zusage für das Lied zum Film „A View To A Kill“. Die erste Zeile und ein bisschen Melodie hatte ich schnell parat. Dann kam John Barry in seinem Samt-Anzug im Studio dazu, und der Rest ist Geschichte. Es ist ein ungewöhnlicher Bond-Song. John Barry war nicht mit allem einverstanden bei dem Song. Aber eines unserer Talente war immer, dass wir ein gutes Ohr haben für das Schrullige und Abseitige und auch den Mut, es damit durchzuziehen.

Duran Duran: Simon Le Bon über Bond-Songs, Mode und eine Anfrage von Michael Jackson

@ John Swannell

Einer Kollaboration mit Michael Jackson sollen Sie hingegen eine Absage erteilt haben.
Die Geschichte wurde etwas verdreht. Nick bekam Zuhause einen Anruf von Michael Jackson. Sie unterhielten sich und fanden, dass es großartig wäre, etwas zusammen zu machen. Aber wie das oft mit solchen Sachen ist, verlief das im Sande. Es braucht immer jemanden, der total leidenschaftlich hinterher ist, sonst passiert so was nicht. Wem wir aber tatsächlich eine Absage erteilt haben, war Andy Warhol.

Warum das?
Er wollte ein Albumcover für uns machen mit unseren Einzelporträts vorne drauf. Aber ich meinte: „Nein, er hat doch gerade erst ein Artwork für die Rolling Stones gemacht! Dann ist das keine gute Idee.“ Was vermutlich zur damaligen Zeit sogar die richtige Entscheidung war. Aber aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass ich gerne ein Porträt von mir, gemalt von Warhol, an meiner Wand hätte.

Album: Duran Duran „Future Past“ (Bmg Rights Management/Warner, VÖ: 22.10.)