Eine Hundetrainerin als Super-Nanny: Was bei RTL schief lief

Eine Hundetrainerin als Super-Nanny: Was bei RTL schief lief

Symbolfoto: Denis Moskvinov/Shutterstock

04.02.2021 22:00 Uhr

Es scheint, als ob RTL - wie so oft - mal wieder ein kontroverses TV-Skandälchen provozieren wollte. Doch dass das neue Format dem Sender so um die Ohren fliegen würde, dürften sich die Macher so auch nicht ausgemalt haben ...

RTL hatte das neue Jahr mit einem neuen Format gestartet, welches den provokanten Namen „Train you baby like a dog – Die Hund-Kind-Methode“ trug. Dabei war der Name Programm: „Trainiere Dein Baby wie einen Hund“. Hundetrainerin Aurea Verebes wollte verzweifelten Eltern bei Erziehungsproblemen helfen – mit Techniken aus dem Hundetraining.

Das dressierte Kind

Den meisten Elternverbänden und Pädagogen, die schon früher geschockt vor den Fernsehgeräten saßen, als „Super Nanny“ Katia Saalfrank verzogene Gören auf die „stille Treppe“ oder in die „Wuthöhle“ verbannte, dürfte die Kinnlade in den Schoß gefallenen sein, als sie das neue Format sahen. So konnten sie in der Pilotfolge beobachten, wie Verebes den überforderten Eltern aufzeigte, wie mit der Hilfe von Klickern, Belohnungen und Markerworten den Kindern Gehorsam antrainiert wurde. Wie einem Hund eben …

Der dazugehörige Aufschrei – mit anschließendem Shitstorm – ließ selbstverständlich nicht lange auf sich warten. Selbst Katia Saalfrank verurteilte das Format zutiefst und rief schon im Vorfeld zum Boykott der Sendung auf: „Kinder wie Hunde mit einem Leckerli mit verhaltensorientierten Maßnahmen“ zu konditionieren sei veraltet und somit „schwarze Pädagogik“.

Ohne Qualifikation zur Super Nanny?

Apropos Pädagogik: So habe Aurea Verebes, die das Gesicht des neuen Skandal-Formats ist und darin Eltern Abrichtungs- … ähm … Erziehungstipps gibt, angeblich keinerlei Qualifizierung, um Kinder verhaltenstherapeutisch zu betreuen, geschweige denn zu erziehen. Außer, dass sie halt Hundetrainerin ist und selbst drei Kinder hat. Zu recht kommen da kritische Stimmen auf, die sich fragen: Reicht das denn, um so jemandem eine Plattform zu geben? Natürlich muss jeder selbst wissen, ob er oder sie sich Erziehungstipps von irgendeiner Person holt, die sich gut mit Hunden auskennt und zufällig nebenher auch Mutter ist …

Die Vorstellung, ein Kind wie einen Hund zu dressieren, bringt Pädagogin Katia Saalfrank sichtlich auf die Palme. So ließ die 49-Jährige in den sozialen Netzwerken ihrem Unmut über das Format und die Umstände dahinter freien Lauf: „Man könnte auf die Idee kommen sich zu fragen, ob die Verantwortlichen keine Ahnung von Kindern und deren Beschaffenheit und Entwicklung haben.“

„Langfristig schädlich“

Und weiter: „Man könnte denken, sie haben vielleicht selbst keine eigene Familie oder keine Kinder. Ich kann sagen: sie haben Kinder! Sie haben Familie und sie wissen, dass diese Form von schwarzer Pädagogik für Kinder und deren Familien entwicklungshemmend, ja sogar langfristig schädlich sein kann.“

Und das ist noch lange nicht alles: Recherchen des „Funk“-Magazins „Simplicissimus“ ergaben unter welchen fragwürdigen Bedingungen „Train your baby like a dog“ produziert wurde (siehe Video oben). Die Macher des Formats haben für ihren Beitrag ein Statement von RTL sowie von Aurea Verebes eingeholt. Im Laufe der Recherche wurde klar, dass die Hundetrainerin nicht für Verhaltenstherapie mit Kindern qualifiziert ist.

So wurde die Hundeexpertin alleine auf die Familien losgelassen und der beratende Pädagoge nur gelegentlich virtuell zugeschaltet – ohne die Familien jemals persönlich getroffen zu haben. Weshalb „Simplicissimus“ der Frage nachging, ob RTL hier verantwortlich gehandelt hat.

Nun prüft auch die Landesmedienanstalt NRW den Fall.

Das Format ist übrigens keineswegs ein Novum: In Großbritannien wurde die Sendung bereits nach der ersten Folge wieder eingestellt, nachdem die Zuschauer auf die Barrikaden gingen. Deswegen dürfte RTL schon im voraus geahnt haben, auf was für dünnes Eis man sich einlässt …