Donnerstag, 22. März 2018 20:00 Uhr

Eisenstangendrama „I, Tonya“: Die Schöne und das Biest

Seit heute ist das rabenschwarze Knochenbrecherdrama „I, Tonya“ im Kino! Unsere Filmexpertin Katrin hat’s natürlich chon gesehen.

Eisenstangendrama "I, Tonya": Die Schöne und das Biest

Tonya (Margot Robbie) landet als erste Amerikanerin den Dreifachaxel © DCM

Unsympathisch, vulgär und billig: das fällt einem zu der Eiskunstläuferin Tonya Harding ein. Fällt der Name der „Eishexe“, fällt einem auch sofort das Attentat auf ihre Konkurrentin auf dem Eis, Nancy Kerrigan (Caitlin Carver), ein. Der Konkurrentin die Schienbeine zertrümmern lassen? Gehts noch? Und auch noch glauben, damit durchzukommen?

Tonya Harding ist – wenn überhaupt – eine negative Sport-Ikone, eine, die kein Fair Play kennt oder Sportsgeist.

Krieg der Eiskunstläuferinnen

Der Krieg der beiden Eislaufstars war der Krimi schlechthin während der amerikanischen Meisterschaften und der Olympischen Winterspiele in Lillehammer 1994. Tonya war das Biest – und Kerry halt die Schöne. Nur stand die Paarung nie unter einem Disneystern, es gab nie ein Happy End. Und genau diese Unsympathin ist jetzt Gegenstand in „I, Tonya“.

Tonya (Margot Robbie, 27, „Legend of Tarzan“) erzählt ihre Geschichte selbst. Wie in einem Dokumentarfilm kommen alle Menschen aus Tonyas Umfeld zu Wort und schildern ihre Sicht der Dinge.

Eisenstangendrama "I, Tonya": Die Schöne und das Biest

Als 15-jährige lernen sich Jeff (Sebastian Stan) und Tonya (Margot Robbie) kennen © DCM

Grandiose fiese Mutter

Mit von der Partie ist Tonyas sehr herbe Mutter LaVona (Allison Janney, 58, „Girl on the Train“), die für ihr Spiel in diesem Jahr mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Herrje, ist die toll! Was Allison Janney da als Mutterrolle abliefert, ist grandios. Ihr dabei zuzusehen, wie dieses ausdrucklose Mammi-Monster die Mischung aus guter (Karriere)Absicht und Verrat an ihrem Kind spielt, lässt einen am Guten der Menschheit zweifeln. Tonya ist kein behütetestes Kind, der Umgang in der Familie ist rau bis herzlos. Die Mutter meint, wenn sie ihrer Tochter nur oft genug ruppig kommt und sagt „das schaffst du sowieso nicht“, dies doch eine hervorragende Motivation wäre.

Eisenstangendrama "I, Tonya": Die Schöne und das Biest

Tonyas Mutter LaVona Golden (Alisson Janney) © DCM

Es ist auch das einzige Mittel der Mutter, immer runterziehen, bloß nicht mal herzlich sein oder das Kind emotional auffangen. Was man selbst nicht kann, kann auch nicht weitergegeben werden, ist es nicht so?

Wenn Tonya da also auf dem Küchenstuhl sitzt und aus ihrem Leben erzählt, dann sieht man sofort, dass sie es nicht geschafft hat. Sie ist der Armut nicht entkommen und ein Geständnis, dass sie von dem Anschlag auf Kerrigan zumindest wusste und es billigend in Kauf genommen hat, gibt es allerdings nicht.

Hirnverbrannter Bockmist vom Ehemann

Tonyas Mann, Jeff Gillooly (toll: Sebastian Stan, 35, „Black Panther“) – auch nicht gerade ein Superhirn, hat den Angriff beauftragt bei einem befreundeten Typen namens Sean (Wahnsinn: Paul Walter Hauser) der als „Bodyguard“, „Geheimdienstler“ und „Terrorabwehrspezialist“ arbeitet. Sean ist adipös, wohnt im Souterrain bei seinen Eltern und quatscht dauernd derart hirnverbrannten Bockmist, um sich selbst zu hypen. Selbst als alles aufgeflogen ist und er mit klaren Tatsachen konfrontiert wird, bleibt er bei seinen James-Bond-Wirklichkeits-Flucht-Fantasien.

Und bei all der großartigen Schauspieldarbietung bleibt es dabei: diese Leute gibt es!

Eisenstangendrama "I, Tonya": Die Schöne und das Biest

Tonyas Mutter (Allison Janney) bringt die 3-jährige Tonya zum ersten Mal aufs Eis © DCM

Das Drehbuch hat sich sehr eng an Interviews mit allen Besteiligten gehalten und das macht die Sache so spannend! „I, Tonya“ kommt wie eine Dokumentation von einer Frau aus der Unterschicht daher. Von einer Frau, die auszog, die erfolgreichste Eiskunstläuferin zu werden und ihrer Herkunft nicht entkommen ist. Und egal, wie biestig, einschüchternd ungehobelt sie anderen Menschen begegnet, es fehlt ihr jede Einsicht, dass sie selbst ihr Leben genau so gestaltet hat. Ein bezeichnender Satz von Tonya ist immer wieder. „Und? Na das war ja wohl nicht meine Schuld!“

Fazit: „I, Tonya“ ist die Lebensgeschichte der „Eishexe“, die berühmt-berüchtigt wurde, weil sie ihrer Konkurrentin die Schienbeine zerschmettern ließ, um einer Niederlage zu entgehen. Tonya Harding ist umgeben von einer Mutter, die kalt und emotionslos die sportliche Karriere ihrer Tochter vorantreibt, einem Macho-Ehemann, der sie schlägt und einem „Bodyguard“, der sich seine eigene Welt schönträumt und andere – echt brutale – Weichbirnen kennt. (Katrin Wessel)

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