12.10.2008 10:14 Uhr

Eklat beim Deutschen Fernsehpreis

Als Marcel Reich-Ranicki, Deutschlands bekanntester Literatur-Kritiker, gestern bei der Verleihung des 10. Deutschen Fernsehpreises über den roten Teppich in Köln ging, war er noch gut gelaunt. Doch bei der Preisvergabe anderthalb Stunden später dann der Eklat: Der selbstgefällige Literatur-Papst Marcel Reich-Ranicki: „Ich nehme diesen Preis nicht an. Ich gehöre nicht in die Reihe dieser Preisträger. Ich habe nicht gewusst, was mich hier erwartet. Ich finde es schlimm, dass ich das hier viele Stunden ertragen musste. Diesen Blödsinn, den wir hier zu sehen bekommen haben. Wäre der Preis mit Geld verbunden, hätte ich das Geld zurückgegeben. So kann ich nur diesen Preis zurückgeben.“ (Zitat DWDL)

Reich-Ranicki soll den Preis dann aber doch mitgenommen haben, nachdem ihn Thomas Gottschalk davon überzeugte. Das ZDF will die Verleihung heute um 20.15 Uhr trotzdem in voller Länge ausstrahlen – mit dem ungekürzten Auftritt des Literaturkritikers. Mehr

UPDATE 12. Oktober 2008: Bereits am 17. Oktober um 22.30 Uhr wird Marcel Reich-Ranicki mit Thomas Gottschalk im ZDF seine Sondersendung über Qualität im Fernsehen bestreiten, die beide beim Deutschen Fernsehpreis vereinbart hatten.

Die dreiste Rede des Meisters der Selbstinszenierung:
„Meine Damen und Herren, ich habe in meinem Leben, in den 50 Jahren, die ich in Deutschland bin, viele Literaturpreise bekommen. Sehr viele – darunter auch die höchsten, wie den Goethe-Preis, den Thomas-Mann-Preis und einige andere. Und ich habe immer gedankt für diese Preise, wie es sich gehört und bitte – verzeihen sie mir, wenn ich offen rede – es hat mir keine Schwierigkeiten bereitet, für die Preise zu danken. Heute bin ich in einer ganz schlimmen Situation. Ich muss auf den Preis, den ich erhalten habe, irgendwie reagieren und der Intendant Schächter sagte mir: ‚Bitte, bitte, bitte nicht zu hart.‘ Ja, in der Tat. Ich möchte niemanden kränken, niemanden beleidigen oder verletzen. Aber ich möchte auch ganz offen sagen: Ich nehme diesen Preis nicht an!

Ich hätte das – werden Sie denken und sagen – früher erklären sollen. Natürlich, aber ich habe nicht gewusst, was hier auf mich wartet, was ich hier erleben werde. Ich gehöre nicht in diese Reihe der, heute vielleicht sehr zu recht, Preisgekrönten. Wäre der Preis mit Geld verbunden, hätte ich das Geld zurückgegeben. Aber er ist ja nicht mit Geld verbunden, ich kann nur diesen Gegenstand, der hier verschiedenen Leuten überreicht wurde, von mir werfen, oder jemandem vor die Füße werfen. Ich kann das nicht annehmen.

Und ich finde das auch schlimm, dass ich das hier erleben musste. Es gibt ja Abende, die man ganz schön erlebt. Nein nicht – ich werde Ihnen jetzt nicht sagen, mit der Lektüre von Goethe oder Berthold Brecht. Nein, man kann im arte-Programm manchmal sehr schöne wichtige Sachen sehen. Ich habe auch früher häufig Wichtiges im 3sat-Programm gesehen, aber das hat sich jetzt geändert. Meist kommen da schwache Sachen, aber nicht diesen Blödsinn, den wir hier zu sehen bekommen haben. Ich will nicht weiter darüber reden, es sind ja auch Kollegen von mir hier auf der Bühne gewesen, Stefan Aust, Markwort, und Thomas Gottschalk….“

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