Enissa Amani: Warum „Die beste Instanz“ die Show ist, die wir brauchen

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09.02.2021 22:24 Uhr

Enissa Amani will es besser machen: In „Die beste Instanz“, einer Talk-Runde, die die Entertainerin kurzfristig auf die Beine stellt, zeigt sie, an was es dem WDR gefehlt hat: Aufklärung, Vielfalt und Expertise.

Wie reagiert man auf die Rassismus-Katastrophe „Die letzte Instanz“, die der WDR vor wenigen Tagen (zum zweiten Mal!) ausstrahlte? Enissa Amani (39) weiß das ganz genau. Die Entertainerin mit deutsch-iranischen Wurzeln stellte kurzerhand eine Gegen-Show auf die Beine und zeigt dem WDR mal eben, wie ein Panel-Talk über Rassismus funktioniert. Wir erklären, warum Enissas Show ein Fortschritt auf ganzer Linie und genau das Format ist, das das öffentlich rechtliche Fernsehen bräuchte.

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Die besseren Gäste

Vier Weiße, privilegierte Prominente urteilen über Rassismus. An diesem Satz ist so ziemlich alles falsch. Trotzdem hat es der WDR genau so gemacht. Enissa macht es anders. Sie gibt denen Raum, die es betrifft, die Experten auf diesem Gebiet sind. Zu ihren Gästen gehören die schwarze Kommunikationswissenschaftlerin Natasha A. Kelly, der Roma-Aktivist Gianni Jovanovic, die Bildungsreferentin Nava Zarabian, der Journalist und Autor Mohamed Amjahid und der Lyriker Max Czollek, der ein Buch zum Thema „Social Justice und Diversity“ geschrieben hat.

Kontroverse Worte werden nicht genannt

Während im WDR-Format der Show noch diskutiert wird, welche Worte heute noch eine Berechtigung haben und welche nicht, werden sie in „Die beste Instanz“ einfach nicht mehr genannt. Statt rassistischen Alltagsbeleidigungen werden politisch korrekte Begriffe genutzt. Allein das macht die Sendung um so viel relevanter (hier können wir nämlich alle noch was lernen) und respektvoller als ihr Original. Enissa und ihre Gäste überzeugen durch Empathie mit Fingerspitzengefühl. Etwas, das wir alle bitter nötig haben.

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Es gibt keinen Mangel an Wissen, nur Ignoranz

Was in dem Panel-Talk besonders deutlich wird und was der WDR versäumt hat ist, dass Rassismus auch von Sprache lebt. Ihn trägt und reproduziert. Natasha A. Kelly erklärt im Talk: „Sprache ist eine aktive Handlung. In Sprache kann ich Gewalt ausüben. Durch bestimmte Worte, die ich benenne, die eine negative und diskriminierende oder rassistische Konnotation haben. Das ist Wissen, was nicht angeboren ist.“ Und macht damit nicht nur auf den sprachliche Fokus aufmerksam, sondern auch auf die Ignoranz die auch viele heute noch in sich tragen. Denn statt sich selbst weiterzubilden und zu lernen, hört man noch viel zu oft das berühmt berüchtigte „Das haben wir doch schon immer so gemacht.“ Diese Ignoranz beweist Janine Kunze bilderbuchmäßig in „Die letzte Instanz“ mit dem wohl dümmsten Beispiel, das man hätte finden können: „Hier sitzt eine blonde Frau mit relativ großer Brust, was meinst du denn was wir uns anhören?“ Dass auf Grund dieser Aspekte niemand gestorben, in Ketten gelegt wurde oder um sein Leben fürchten muss, scheint für sie nicht relevant zu sein.

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Gemeinsam diskutieren

Das heißt natürlich nicht, das weiße, privilegierte Menschen von einem solchen Talk ausgeschlossen werden sollten und nicht mitreden dürfen. Gianni Jovanovic bringt es auf den Punkt: „Ich hab kein Problem, wenn weiße Menschen sich über Rassismus unterhalten. Nur das WIE ist entscheidend.“ Später ergänzt er: „Wir, die davon betroffen sind, wir müssen ran. Wir müssen es machen, sonst machen es andere für uns – über dieses Thema aufzuklären und dann wird es schlimm.“

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Warum sich jeder „Die beste Instanz“ anschauen sollte

Vor allem die Generationen, die gerade in ihren Zwanzigern oder Dreißigern sind, würden vermutlich behaupten, sich mit dem Thema Rassismus, vor allem mit aktuellen Geschehnissen, ganz gut auszukennen. Enissa und ihre Gäste belehren eines besseren. Sicherlich ist auch diese Show nicht „perfekt“, denn auch hier sitzen privilegierte Menschen vor der Kamera, natürlich hätte es noch mehr Meinungen und Blickwinkel gebraucht, aber sie hat dennoch einen unfassbar wichtigen Punkt getroffen: Sie lehrt. Klärt auf. Leistet in gewissermaßen Bildungsarbeit. Regt zum Nachdenken an und schafft großes Verständnis, gerade weil betroffene Personen, Experten zu Wort kommen. „Die beste Instanz“ zeigt: Wir können es besser machen. Immer wieder. Jeden Tag aufs Neue. (AB)